Eintracht Frankfurt

Schaaf will viel mehr Aktivität sehen

Von Peter Heß, Frankfurt
06.11.2014
, 06:00
Die Eintracht verstärkt gegen die Bayern aus guten Gründen die Abwehr, aber der Gegner soll überall auf dem Platz sofort attackiert werden. Aigner offenbar nicht in der Startelf.

Bisher ist Thomas Schaaf nicht durch das Zünden von Nebelkerzen aufgefallen. Manche Bundesligatrainer tun das ganz gerne, um die Startelf für das nächste Spiel zu verschleiern. Deshalb holen sie in den Trainingsspielen so manchen Spieler in die „erste Mannschaft“, der dann nicht dabei ist, wenn es ernst wird. Schaaf indes war es bisher wichtiger, die Mannschaft so lange wie möglich gemeinsam üben zu lassen, die dann auch die Kohlen aus dem Feuer holen soll. Vor der Auswärtsbegegnung in Hannover spielten zum Beispiel Kittel und Kinsombi schon Tage vor dem Anpfiff zu ihrem Bundesligadebüt im roten Team mit, jener Formation, die dann die Startelf bildete.

Am Dienstag und Mittwoch spielten die „Roten“ in derselben Besetzung. Und wenn Schaaf seinen Prinzipien treu bleibt, dann zeichnet sich ganz deutlich ab, wer und in welcher taktischen Anordnung gegen die Bayern am kommenden Samstag bestehen soll. Die Abwehrviererkette bestünde aus Chandler, Madlung, Anderson und Oczipka, das defensive Mittelfeld aus Russ, Medojevic und Hasebe, das offensive Mittelfeld aus Stendera und Seferovic und in der Spitze spielte Meier. Es wäre die sogenannte Tannenbaum-Formation, eine Verschlankung von der Abwehr bis in den Sturm. Zuletzt favorisierte der Eintracht-Trainer das 4-2-3-1, davor ein 4-4-2.

Bessere Stimmung im Training

Die Konzentration auf die Defensive wirkt äußerst logisch. Denn die Bayern sind das Bundesligateam, das gegnerische Verteidigungsdefizite am unbarmherzigsten bestrafen. Und davon gab es in der Vergangenheit bei der Eintracht einige. Die Defensive soll allerdings schon im Sturm beginnen. Schaaf trieb seine Profis so lautstark wie vielleicht noch nie in seiner Frankfurter Zeit an: „Drauf, drauf, aktiv, aktiv.“ Egal in welcher Region des Spielfeldes, der ballführende Gegner soll sofort attackiert werden. Immer wieder unterbrach der Eintracht-Trainer am Mittwoch das Übungsspiel, um den Spielern sofort zu verdeutlichen, dass sie sich falsch verhalten hatten, und wie sie es richtig hätten tun müssen. Dadurch stockte manchmal der Spielfluss. Aber es fiel auf, wie willig die Profis die Worte aufnahmen, und wie engagiert sie versuchten, die Anweisungen in Taten umzusetzen.

Die Stimmung war besser als in den Tagen zuvor. Vielleicht nicht bei Stefan Aigner. Der Rechtsaußen war in Hannover der beste Frankfurter, muss sich in dieser Woche jedoch überraschend das gelbe Leibchen der Reserve überziehen. Auf keinen Fall werden die angeschlagenen Martin Lanig und Aleksandar Ignjovski gegen den deutschen Rekordmeister von Beginn an dabei sein. Sie absolvierten am Mittwoch eine Laufeinheit mit Reha-Trainer Michael Fabacher.

Eine Statistik macht Hoffnung

So langsam krabbeln die Eintracht-Spieler aus ihrem Tief – zumindest im Training. Und auch mental wirken sie nicht mehr so angeschlagen: „Es heißt, das Spiel gegen die Bayern ist das leichteste des Jahres“, sagt Innenverteidiger Alexander Madlung. „Wir haben nichts zu verlieren.“ Das haben auch die Profis von Werder Bremen gedacht, 0:6 verloren und eine Woche später war der Trainer weg. „Stimmt schon, aber daran denke ich nicht.“ Der Kopfballspezialist gibt sich unbeeindruckt von der Negativserie der Eintracht: „Ich habe nicht das Gefühl, dass uns das nachhängt. Wir haben einen Job zu tun, darauf konzentrieren wir uns.“ Sein Kollege Marco Russ hatte noch in Hanover gesagt: „Wir haben in den letzten Jahren gegen die Bayern zuhause oft gut ausgesehen. Warum soll uns das nicht wieder gelingen? Wir müssen die Aufgabe selbstbewusst angehen.“

Ein bisschen Selbstbewusstsein kann eine Statistik vermitteln: Thomas Schaaf hat als Trainer schon zehnmal gegen die Bayern gewonnen, davon in der Bundesliga acht Mal. Nur Otto Rehhagel (18) und Erich Ribbeck (10) kamen auf mehr Bundesligasiege gegen die Münchner. Ansonsten ist die Eintracht noch effektiver als der FC Bayern. Sie benötigt acht Torschussversuche für einen Treffer, die Münchner brauchen neun. Der Rekordmeister hat aber auch schon 192 Torschüsse abgegeben, die Hessen nur 126. Viel deutlicher als in der Offensivkraft (23:17 Tore) fällt der Unterschied in der Abwehrarbeit aus. Die Münchner mussten bisher nur drei Gegentore hinnehmen, die Frankfurter 19. Viel spricht nicht für einen Außenseitererfolg der Eintracht, aber die Chance, sich an den Münchner aufzurichten, besteht, wenn die Frankfurter die richtige Einstellung finden.

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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