Eintracht Frankfurt

Brav sind andere

Von Marc Heinrich, Frankfurt
31.03.2015
, 06:13
Raus mit der Emotion: Bei Stefan Aigner wechseln sich Frust und Freude ab.
Stefan Aigner gehört zu den Wenigen bei der Eintracht, die mit dem Verlauf der Rückrunde zufrieden sein könnten. Ist er aber nicht. Der Vorarbeiter will mehr. Und der Manager weitere Typen wie ihn.

Viele Wünsche sind bislang unerfüllt geblieben. Die zarten Hoffnungen im Lager der Eintracht, nach der Winterpause vom neunten Tabellenplatz aus den Abstand zu den verheißungsvolleren Regionen verkleinern zu können, ist einem nüchternen Realismus gewichen: In dieser Saison, die noch acht Spieltage bereithält, wird der Frankfurter Fußballklub mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die Qualifikation für das internationale Geschäft nicht mehr eingreifen. Dafür hat er sich zu viele Schwächephasen erlaubt. Nur fünf Konkurrenten stehen in der Rückrundentabelle schlechter da als das Team von Trainer Thomas Schaaf, das von neun Partien vier verlor, drei gewann, zweimal unentschieden spielte und so erst elf Punkte sammelte. Und mit Bayern, Dortmund, Gladbach und Leverkusen bekommt es die Mannschaft noch mit einem Quartett an Gegnern zu tun, gegen die sie sich nur an Tagen, an denen außergewöhnliche Leistungen gelingen, wird behaupten können. Viele davon gab es zuletzt nicht.

Auch Stefan Aigner ist nicht zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der zweiten Saisonhälfte. Wenn er allein auf seine persönliche Statistik schauen würde, könnte er mit den zurückliegenden Wochen gut leben. Er erzielte vier Treffer, bereitete vier Tore vor, präsentierte sich auf der rechten Mittelfeldposition aufmerksam und engagiert wie sonst keiner seiner Kollegen. Seine Pass-Quote, die Auskunft darüber gibt, wie gezielt er den Ball zum Nebenmann bringt, beträgt überdurchschnittliche 73 Prozent.

Hannover 96 buhlte um Aigner

Und doch sagt der 27-Jährige, der seine Rolle als Vorarbeiter der Mannschaft interpretiert und nicht so gerne über seine eigenen Errungenschaften (öffentlich) spricht: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, das ist unerklärlich.“ Aigner, der vor seinem Wechsel an den Main beim TSV 1860 München, Arminia Bielefeld und Wacker Burghausen unter Vertrag stand, sagte, er könne sich in seinem knapp zehnjährigen Profidasein an keine Mannschaft erinnern, die durch derartig wechselhafte Auftritte aufgefallen sei und sich dadurch das Leben selbst schwer machte. Für Sportdirektor Bruno Hübner, der das Wochenende ohne Bundesliga-Pflichten ein wenig zum Ausspannen nutzte, die Zeit aber auch verwendete, um die Kaderplanung der kommenden Runde voranzutreiben, liegt einer der Beweggründe für die regelmäßigen Auswärtsniederlagen im Charakter der Akteure begründet. „Unsere Spieler sind eher zu brav“, schlussfolgerte der 53-Jährige bei seiner Ursachenforschung, die er bei der Neuzusammensetzung des Teams, das in Sturm, Mittelfeld und Angriff jeweils um mindestens ein frisches Gesicht ergänzt werden soll, berücksichtigen möchte.

Für Investitionen stehen wohl rund fünf bis sieben Millionen Euro zur Verfügung, je nachdem, welche Optionen sich auch ergeben, wenn die offenen Fragen um den von Chelsea ausgeliehenen Lucas Piazon, den an Prag ausgeliehenen Václav Kadlec und den nahezu ausgemusterten Johannes Flum geklärt sind. Am Montag begann die Vorbereitung auf das viertletzte Heimspiel der Runde. An diesem Dienstag steht ein Test gegen die Amateure aus Niederrodenbach an (17.30 Uhr), am Samstag ist Hannover 96 zu Gast in der Arena: ein Konkurrent, der vor Monaten mit einem großzügigen Angebot um Aigner buhlte und ihn fast von der Eintracht losgeeist hätte. Wenn nicht der Vorstand sein Veto eingelegt hätte. Der Manager gehört intern zu seinen größten Fans: „Er gibt immer alles und ist als Typ einfach klasse.“ Eine Ausstiegsklausel soll der Bayer in seinem bis 2018 verlängerten Kontrakt anders als die vorherigen Leistungsträger Sebastian Jung oder Pirmin Schwegler nicht besitzen. Aigner, da legte sich Hübner beim Buhlen der Niedersachsen fest, „lassen wird nicht gehen“. Ganz im Gegenteil: Der Manager sucht mehr Typen wie ihn.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heinrich, Marc
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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