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Eintracht Frankfurt

Störfeuer bei der Eintracht

Von Marc Heinrich, Frankfurt
 - 15:10
Wird sein Vertrag verlängert? Axel Hellmann, Finanzvorstand von Eintracht Frankfurt.

Es steht viel auf dem Spiel. Wenn der Aufsichtsrat der Eintracht Frankfurt Fußball AG an diesem Freitag zu seiner turnusgemäß letzten Sitzung vor dem Jahreswechsel zusammenkommt, wird es dem neunköpfigen Gremium an Themen, über die sich kontrovers diskutieren lässt, nicht mangeln. Die prekäre sportliche Situation vor der Heimpartie gegen den FC Bayern München bietet genug Gesprächsstoff, doch damit nicht genug: Die Frage, wer bei dem Klub künftig den Kurs vorgibt, steht zwar diesmal noch nicht offiziell auf der Tagesordnung, doch sie beschäftig längst die Kontrolleure der Aktiengesellschaft, die mit knapp 100 Millionen Euro Umsatz zu einem Wirtschaftsunternehmen geworden ist, dessen Bedeutung weit über die Stadt hinaus geht und dessen komplettes Führungspersonal innerhalb der kommenden Monate zur Wahl steht.

Im Januar wird der Verein Eintracht Frankfurt, der mit 62,9 Prozent größte Anteilseigner der AG, sein Präsidium neu bestimmen; Amtsinhaber Peter Fischer muss dabei nach 14 Jahren in Reiner Schäfer erstmals die Konkurrenz eines Herausforderers fürchten. Von Wilhelm Bender, dem Aufsichtsratsvorsitzenden, wird dagegen kolportiert, dass er nach vier Jahren nicht weitermachen und sich im kommenden Juni zurückziehen wird. Die Suche nach einem Nachfolger für ihn ist längst im Gange, Namen wie der des Frankfurter Privatbankiers und Ehrenbürgers Friedrich von Metzler und von Philip Holzer (Goldman Sachs) werden dabei besonders hoch gehandelt. Abtreten wird bald auch Heribert Bruchhagen: Der Vorstandsvorsitzende wird sich im Sommer 2016 in den Ruhestand verabschieden. Gute Chancen, seinen Posten zu übernehmen, werden Andreas Rettig zugeschrieben, der als Geschäftsführer noch bis 2015 bei der Deutschen Fußball Liga beschäftigt ist. Insgesamt gilt: Nichts Genaues weiß man nicht - und das sorgt in diesen Tagen, da sich bei der Eintracht nach vier Pflichtspielniederlagen ohnehin Nervosität breitmachte, für zusätzliche Unruhe.

Auf der Suche nach „Mister X“

Allein die Tatsache, dass an diesem Freitag bei der Zusammenkunft der Räte über eine vorzeitige Vertragsverlängerung von Axel Hellmann, dem zweiten Vorstandsmitglied, abgestimmt werden soll, ist gesichert. In einer Beschlussvorlage ist die Rede davon, den 43-Jährigen bis 2019 an die Eintracht zu binden. Hellmann, der zuvor als Jurist arbeitete, ist für die Abteilungen Finanzen, Personal, Ticketing und Merchandising zuständig, in denen es zuletzt viele Erfolgsmeldungen (Umsatzsteigerung, Befriedung der Fanszene, Etablierung von Eintracht-TV) zu verkaufen gab; ähnliches Geschick wird von ihm demnächst in den Verhandlungen mit der Stadt erwartet, wenn es darum geht, den Mietvertrag für das Stadion fortzuschreiben. Mit den derzeitigen Konditionen, die bis 2020 gelten, ist die Eintracht nicht glücklich. Sie zahlt mit bis zu acht Millionen Euro per annum deutlich mehr als mancher Mitbewerber in ähnlicher Situation und erhofft sich eine spürbare Entlastung ihres Budgets. Dass Hellmann in Bruchhagens Rolle schlüpfen wird, gilt als wenig wahrscheinlich.

Gesucht wird der „Mister X“ durch ein Quartett: Bender, Fischer, Holzer und Dietmar Schmid (ehemals BHF-Bank). Eine Frist, bis wann sie ihr Casting abgeschlossen haben sollen, gibt es nicht. Allerdings teilen die meisten Beteiligten - bis auf Bruchhagen - die Absicht, noch im Laufe dieser bislang so unerfreulich verlaufenen Saison zu einem verlässlichen Ergebnis zu kommen, damit der künftige starke Mann von Bruchhagen so schnell wie möglich in die Aufgabe eingearbeitet werden kann. „Es ist mir nicht so sympathisch, dass dieses Thema in so starkem Maße in den Vordergrund geschoben wird“, sagte Bruchhagen gegenüber der „Frankfurter Rundschau“. Und er fügte an: „Ich habe auf dieses Thema keine Lust, es ist mir zu früh.“

Alles „völliger Quatsch“

Spekulationen, wonach Bruno Hübner ein Opfer der personellen Neuausrichtung werden könnte, wurden von den aktuell handelnden Personen zurückgewiesen. Die „Sportbild“ hatte in ihrer jüngsten Ausgabe von einer bevorstehenden „Revolution der Bosse“ geschrieben und spekuliert, dass der Sportdirektor zu einem Team-Manager degradiert werden könnte, sollte der neue Vorstandsvorsitzende selbst die entsprechende Fußball-Kompetenz mitbringen. Bender bezeichnete die Mutmaßungen als „völligen Quatsch“. Vielmehr betonte der ehemalige Fraport-Chef, „dass wir Vertrauen in die Sportliche Leitung haben. Und es gibt keinen Anlass, daran zu zweifeln oder etwas daran zu ändern.“ Bruchhagen assistierte seinem Vorgesetzten verbal: „Wir haben erst im Frühjahr den Vertrag von Hübner verlängert. Wir haben vollstes Vertrauen in seine Kompetenz. Ohne jede Einschränkung.“

Hübner, am Donnerstag Zaungast beim Training der Profis, sagte, ihn ließen die Störfeuer kalt. Zumal er sich mittlerweile daran gewöhnt habe. Erst im August hatte er sich für seine Transferpolitik einen (öffentlichen) Rüffel Benders eingefangen. „Alles im grünen Bereich“, sagte der 53-Jährige, konnte sich dabei ein so vielsagendes wie süffisantes Lächeln aber nicht verkneifen. Hübner, der um die angespannte Lage des Teams weiß, in dessen Reihen er sich ausgesprochener Wertschätzung erfreut, ist Fußball-Fachmann genug, um in der jetzigen Phase nicht durch unbedachtes Zutun weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Sein Augenmerk galt knapp 48 Stunden vor dem Duell mit dem FC Bayern ausschließlich dem elften Bundesligaspieltag, an dem die Eintracht den Abstiegsrängen noch näher kommen könnte. Dennoch sprach Hübner von einer „attraktiven Aufgabe“. Beim möglichen Wiedersehen mit dem an die Isar abgewanderten Sebastian Rode bestehe „selbstverständlich“ die Möglichkeit, „dass man hoch verliert“, wenn die Bayern die Aufgabe „konzentriert angehen“. Sie „haben sich deutlich von allen anderen abgesetzt“ und brächten eine „riesige Qualität“ auf den Platz. Der Titelverteidiger sei in Deutschland und der Welt „das Maß aller Dinge. Es hat mich als Spieler immer gereizt, sich mit solchen Gegnern messen zu können.“ Diese Zweikampfstärke hat sich Hübner bis heute bewahrt. In seinem Job für die Eintracht kann er sie gut gebrauchen.

„Ich habe auf dieses Thema keine Lust, es ist mir zu früh.“ Eintracht-Vorstandschef Bruchhagen über seine Nachfolge
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heinrich, Marc
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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