Eintracht Frankfurt

Stressfreier Sommerschlussverkauf

Von Marc Heinrich
Aktualisiert am 28.08.2012
 - 19:10
Auf der Suche nach Halt: Rob Friend ist bei der Eintracht ins Abseits geraten.
Trainer Veh braucht Stürmer Friend nicht mehr. Doch der Kanadier scheint sich mit seiner gut dotierten Rolle als Reservist abzufinden. Eintracht soll auch Hoffenheim ärgern.

So, wie es ist, kann es bleiben. Sagt Armin Veh und hat dabei nicht nur die Arbeitsatmosphäre im Sinn, die ihm nach dem geglückten Bundesligastart am sonnigen Dienstagvormittag keinen Grund zum Klagen gab. Auch das Aufgebot der Eintracht wird sich allem Anschein nach nicht in diesem Spätsommer mehr verändern: „Es sieht nicht danach aus“, sagte der Frankfurter Trainer und wirkte dabei so, als könne er mit dem Status quo leben: „Der Kader steht, es passt.“

Im vergangenen Jahr hatte der Verein in der Schlussphase der Transferperiode kräftig zugeschlagen und auf den letzten Drücker Mohamadou Idrissou und Rob Friend verpflichtet. Das Duo spielt für Veh keine Rolle mehr: Idrissou ist vor Wochen an den 1.FC Kaiserslautern abgegeben worden, Friend wird nicht einmal mehr als Ersatzspieler berücksichtigt. Unter den vielen Geschäften, die Sportdirektor Bruno Hübner in den zurückliegenden Monaten abschloss, gehören die Deals mit den beiden Stürmern nicht zu den erfolgreichsten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Friend bis zum Ende der Wechselfrist an diesem Freitag einen neuen Arbeitgeber findet, sind gering. Es gab lose Anfragen aus Asien, doch nichts Konkretes. Der Kanadier habe signalisiert, so Hübner, seinen (ordentlich dotierten) Vertrag bei der Eintracht, der sich durch den Aufstieg per Option bis 2014 verlängerte, fortzusetzen. „Rob Friend kennt seine Situation“, sagte Veh da. Er habe ihm wiederholt nahegelegt, sich ein anderes Team zu suchen, wenn er zu mehr Einsatzzeit kommen möchte. Doch bislang fruchtete das Zureden nicht, scheint der Blick auf den Kontoauszug den Ärger über das Reservistendasein verschwinden zu lassen.

Auf einem ordentlichen Weg

Für die Eintracht lief Friend in der zweiten Liga 13 Mal auf, erzielte dabei zwei Treffer - und beide Seiten hatten sich das Engagement erfolgreicher vorgestellt. Friend sagte: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“ Veh sieht es ähnlich und bescheinigte dem 31-Jährigen, „dass er immer anständig trainiert und sich nicht hängen lässt“. Er habe aber nicht die Absicht, ihn in die Startelf zu integrieren oder als Auswechselspieler zu nominieren, „weil ich denke, dass er uns nicht weiterhelfen kann“. Es fehle dem ehemaligen Hertha-Profi vor allem an Tempo, Beweglichkeit und der Bereitschaft, defensiv mitzuarbeiten: „Es passt halt nicht“, sagte Veh, der inzwischen nicht mehr glaubt, dass es Friend gelingen könnte, „mir im Training etwas anzubieten, so dass ich überzeugt bin, dass er uns weiterhilft“. Spekulationen, wonach die Eintracht noch einen weiteren Stürmer anheuern könnte und dabei ein Auge auf den Kolumbianer Adrian Ramos von HerthaBSC geworfen haben sollte, dementierte Veh: „Er ist nicht zu finanzieren.“ Allenfalls, wenn es wider Erwarten doch gelingen sollte, Friend bis zum Wochenende von der Gehaltsliste zu streichen, würden er, Hübner und Vorstandschef Heribert Bruchhagen die Lage noch einmal neu analysieren. „Einfallen würde mir sicher der ein oder andere“, so Veh.

Sportlich wähnte er sein Team, so wie es in der Vorbereitung zueinandergefunden hat, ohnehin auf einem ordentlichen Weg. „Man hat gesehen, dass wir Fußball spielen können.“ Stolz empfinde er angesichts des Siegs gegen Leverkusen keinen, aber Erleichterung. Gegen die TSG Hoffenheim an diesem Samstag werde die Eintracht ihre offensivere Ausrichtung beibehalten, aber versuchen, die gegen Bayer anfangs wacklige Abwehr zu stabilisieren, „damit wir nicht ins offene Messer laufen“. Er werde seine Spieler „fordern und fördern“, dass sie ihre sehenswerten Ansätze im Kurzpassspiel fortsetzen. „Das ist der Stil, den wir prägen wollen. Auch wenn es mal auf die Mütze geben sollte. Lange Bälle wird es keine geben.“ Die Kraichgauer schätzte Veh als Mannschaft ein, die sich Hoffnungen auf einen internationalen Platz machen dürften, „sie haben die Qualität dazu“. Hoffenheim gehöre zu den Großen der Liga, so dass es vermessen sei, bei einem Gastspiel am zweiten Spieltag vom Wunsch nach einem Auswärtssieg zu sprechen, „aber ärgern wollen wir sie auf jeden Fall.“

Mithelfen soll dann auch wieder Carlos Zambrano. Der Verteidiger, gerade 23 Jahre alt und erst seit knapp einer Woche im Trikot der Eintracht unterwegs, hinterließ gegen Bayer eine souveränen Eindruck. „Ganz schön abgeklärt“, fand Veh den Auftritt des vom FC St. Pauli abgeworbenen Peruaners, der sich ohne spürbare Anlaufschwierigkeiten an die Arbeit machte - und kommende Woche schon wieder weg ist, weil er vom nationalen Verband zu den Länderspielen in Lima gegen Venezuela und Argentinien angefordert wurde. Am Dienstag konnte Zambrano den Ball nicht laufen lassen, sondern trabte am Rand der Übungsplätze mit Reha-Trainer Michael Fabacher entlang. Den Abwehrmann plagten Beschwerden im Bein, von denen er vor und unmittelbar nach dem Spiel gegen Leverkusen nichts mitbekommen hatte. Erst beim Autofahren in den Tagen danach, verspürte er ein Ziehen im Oberschenkel, das die Betreuer aus der medizinischen Abteilung als unkomplizierte Muskelverhärtung diagnostizierten. Sie verordneten ihm trotzdem zur Besserung eine schöpferische Pause, auf dass er schon bald wieder Gas geben kann - abseits, aber vor allem auf dem Fußballfeld.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heinrich, Marc
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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