Eintracht Frankfurt

Welche Verunsicherung?

Von Ralf Weitbrecht, Frankfurt
04.11.2014
, 06:00
Der Niederlagenserie und dem bedrückend schweren Programm in den nächsten Wochen zum Trotz: Das Wort Abstiegskampf kommt bei Eintracht-Trainer Schaaf nicht vor.

Der prominenteste Trainingsbeobachter hat große Bedenken. „O je, die Bayern kommen“, sagt Dragoslav Stepanovic. „Und dann ist auch noch Sportpresseball. Da hat die Eintracht schon immer verloren.“ Déjà-vu im Frankfurter Stadtwald. Stepanovic, der einstige Trainer der Eintracht (1991 bis 1993 sowie von April bis Dezember 1996), hat wieder mehr Zeit, um bei seiner alten Liebe vorbeizuschauen. Das Engagement beim FK Radnicki Niš ist beendet. „Ich habe kein Geld bekommen und einen Schlussstrich gezogen“, sagt er am Montag beim Training. „Vielleicht ruft ja eines Tages jemand an und will mich als Nationaltrainer haben.“ Großen Illusionen freilich gibt sich Stepanovic nicht hin. „Ich bin nicht im Zirkel der Kandidaten“, gibt er zu.

Illusionen, Hoffnungen, Erwartungen: Für Thomas Schaaf, den aktuellen Coach der Frankfurter Eintracht, ist es eine Mischung aus vielem, die seine Arbeit so spannend macht. Die vordringlichste Frage, die sich in diesen trüben Novembertagen stellt: Schafft der 53 Jahre alte Fußballlehrer die Wende? Verhindert er den schrittweisen Absturz der Eintracht in die Abstiegszone? Das Wort Abstiegskampf wollte Schaaf zum Auftakt einer herausfordernden Trainingswoche am Montag nicht direkt in den Mund nehmen. Vielmehr sagte er: „Je näher man an diese Region rankommt, desto dichter ist man drin.“

Keine Spekulationen bei Schaaf

Noch immer sind es die zurückliegenden drei Bundesligaspiele, die dem Frankfurter Trainer Kopfschmerzen bereiten. „Wir haben es in den drei vergangenen Partien versäumt, Punkte zu holen. Darüber müssen wir uns ärgern.“ Tatsächlich hätte die Ausbeute in Paderborn, gegen Stuttgart sowie jüngst in Hannover anders ausfallen können. Doch das ist Geschichte. Null Punkte zuletzt, zwölf insgesamt. Noch ist die Eintracht damit Zwölfter im Tabellenklassement. Doch nicht nur Dragoslav Stepanovic rechnet damit, dass es auch in den nächsten Prüfungen gegen die Bayern, in Mönchengladbach sowie gegen Dortmund keine weiteren Punkte gibt.

Thomas Schaaf will sich an derartigen Spekulationen nicht beteiligen. Sein Credo: „Wir müssen weiter daran arbeiten, unsere Fehler zu minimieren. Aus Hannover hätten wir gerne den einen Punkt mitgenommen“, sagte er über den Lapsus von Innenverteidiger Alexander Madlung, dem kurz vor Schluss das spielentscheidende Eigentor unterlief. Angesprochen auf eine mögliche Verunsicherung bei seinen Spielern, erwiderte Schaaf: „Ich sehe keine Verunsicherung.“ Unterstützung erhielt Schaaf in seiner Einschätzung von einem aus seinem Talentschuppen: Der 18 Jahre alte David Kinsombi, beim 0:1 in Hannover erstmals in der Bundesliga als Linksverteidiger für die Eintracht am Ball, machte sich und den Kollegen Mut: „Es wird bessere Zeiten geben. Wir sind dazu in der Lage, in den kommenden Spielen etwas mitzunehmen, auch wenn es schwer wird.“

„Bayern sind das Maß aller Dinge“

Unstrittig ist: Gegen die Bayern, die sich an diesem Samstag von 15.30 Uhr an in der seit Wochen ausverkauften Frankfurter Arena vorstellen, wird es besonders schwer. Schaaf muss nicht nur weiterhin auf seine halbe verletzte Stammmannschaft verzichten, sondern auch darauf achten, die rechte Balance zwischen Jugend und Erfahrung sowie die passende taktische Ausrichtung gegen den Branchenprimus zu finden. „Die Bayern sind das Maß aller Dinge“, sagte Schaaf. „Nicht nur in Deutschland und Europa, sondern vielleicht sogar in der Welt. Doch umso mehr können wir uns gegen sie beweisen.“ Ein kleiner Lichtblick: Auf Haris Seferovic kann Schaaf gegen die Bayern wieder zurückgreifen. Der Schweizer Stürmer ist nach seiner Sperre, die er wegen Schiedsrichterbeleidigung beim 4:5 gegen Stuttgart erhalten hatte, wieder spielberechtigt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weitbrecht, Ralf
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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