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Eintracht-Frankfurt-Spieler

„Mit 32 lebt und spielt es sich leichter“

Von Marc Heinrich
 - 07:27

Sie sind seit 15 Jahren Profi. Was macht ein gelungenes Wintertrainingslager aus?

Wenn es ohne Verletzungen abläuft. Es ist das Allerwichtigste, dass alle gesund zurückkommen und an Bord sind, wenn die Punktspiele wieder beginnen. Ich hoffe, dass wir das auch hier schaffen. Wir trainieren sehr hart und intensiv, so wie es sein muss. In der nächsten Woche, nach der Rückkehr, können wir uns in Frankfurt kurz erholen, und dann wollen wir zum Rückrundenstart gegen den SC Freiburg Gas geben.

Was läuft anders ab als in der Sommervorbereitung?

Man hat vor allem weniger Zeit. Das schränkt die Möglichkeiten ein, und die Trainer konzentrieren sich eher auf einzelne Schwerpunkte. Unser letztes Bundesligamatch fand kurz vor Weihnachten statt, das ist ja nicht so lange her. Jetzt muss man sehen, dass die Abläufe schnell wieder funktionieren. Im Sommer sind die Umfänge höher, und bei uns kam da zuletzt die spezielle Konstellation hinzu, dass wir einen neuen Trainer bekommen hatten und wir uns erst kennenlernen mussten. Das fällt nun weg. Wir wissen, was wir aneinander haben. Daher geht es hier in Amerika um Details und das Feintuning.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Zwischenstand nach knapp einer Woche in Florida?

Wir haben zunächst analysiert, was wir in der Vorrunde gut und was wir nicht so gut gemacht haben . . .

. . . mit welchem Ergebnis?

Wir hatten ein paar richtig herausragende Spiele, was Intensität und Tempo betrifft. Man hat aber auch gesehen, dass wir Probleme bekommen, wenn wir weniger frisch sind. Welche taktischen Schlussfolgerungen wir daraus ziehen, werde ich nicht verraten, denn dann würden die Gegner sie ja auch kennen (lacht). Aber selbstverständlich üben wir, dass wir weiter Pressing-Situationen schaffen werden, um den Gegner rasch unter Druck zu setzen. Und gleichzeitig schauen wir, dass wir die richtigen Lösungen parat haben, um ins Gegenpressing zu kommen. Wir haben bislang sehr gut gearbeitet. Das Wetter passt, die Bedingungen sind exzellent, darauf lässt sich aufbauen.

Nach der Bundesliga-Hinrunde stand die Eintracht schon öfter top da. Dann wurden die Ergebnisse in der zweiten Saisonhälfte stets schlechter. Und dieses Mal?

Die Rückrunde ist immer härter. In allen Ligen auf der ganzen Welt ist es dann schwieriger, die Punkte zu holen. Die Konkurrenz kennt dich inzwischen und weiß, worin du gut bist und wo du Schwächen hast. Und Müdigkeit kommt im Laufe der Saison hinzu, Verletzungen werden oft ein Thema. Also braucht man einen Plan B, C und D. Wir alle wissen doch noch, dass die Eintracht 2016 fast abgestiegen wäre und in die Relegation musste. Auch deswegen ist schön, dass sich uns nun andere Perspektiven bieten. Wir haben 27 Punkte, das ist schon mal wichtig. Zufrieden sind wir damit aber nicht: Wir wollen alle mehr. Und mit jedem Punkt kommt Ruhe im sportlichen Bereich und im Umfeld hinzu, die notwendig ist, um etwas zu erreichen. Nur: Am 19. Januar geht es für uns bei Null wieder los.

Mit Sebastian Rode hat das Team einen defensiven Mittelfeldspieler mehr im Kader. Fürchten Sie um Ihren Platz?

Ich finde es gut, dass Sebastian aus Dortmund gekommen ist. Er strahlt Dynamik aus, hat einen guten Blick für die Situation und große Erfahrung. Sebastian bringt weitere Qualität in die Mannschaft.

Sie haben Ihren Vertrag vorzeitig um eine Spielzeit bis Mitte 2020 verlängert. Sind die Jahre der beruflichen Wanderschaft vorbei?

Als ich vor der vergangenen Saison aus Rennes nach Frankfurt gewechselt bin, habe ich mich im September leider verletzt. Anschließend habe ich nicht so in die Spur gefunden, wie ich es wollte: Ich habe gespielt, dann war ich wieder draußen. Dadurch gab es für mich keine Konstanz. Das war Pech. Ich brauchte schon immer zwei Monate oder sechs bis sieben Spiele, um so in Schwung zu kommen, dass die Leute sehen konnten, zu was ich wirklich im Stande bin. Aber ich habe mich deswegen nicht hängen lassen, sondern habe weiter alles gegeben, um die Mannschaft zu unterstützen. Es gab immer Anfragen anderer Klubs, ob ich Frankfurt nicht verlassen wollte. Ich hätte im Sommer 2018 gehen können, wenn ich gewollt hätte. Doch das war nie meine Absicht. Ich wusste, ich konnte für die Eintracht noch mehr bringen und wollte mich nicht mit einem „So-la-la“-Gefühl verabschieden. Ich habe gelernt, geduldiger zu sein. Als 23-Jähriger wäre ich gegangen, denn da wollte ich jede Minute auf dem Platz stehen. Das Warten in Frankfurt hat sich aber gelohnt: Die Eintracht passt perfekt zu mir. Und diese Saison läuft viel besser.

Sie haben bis auf Spanien in allen Top-Ligen Europas gespielt. Wie gut ist die Bundesliga im Vergleich?

Sie ist eine Liga für junge Spieler. Sie ist spannend. Die Stadien sind voll. Man erlebt viele Emotionen. Im internationalen Prestige liegt sie hinter der Premier League, aber für mich sie dennoch am attraktivsten. Was in Deutschland in Sachen Nachwuchsarbeit geleistet wird, ist toll. Selbst die jungen Engländer wie Jadon Sancho oder Reiss Nelson wurden davon angezogen, und nun können sie in Dortmund und Hoffenheim zeigen, was sie drauf haben. In der Bundesliga sind die Vereine bestens organisiert, aber sie können mit Ausnahme des FC Bayern mal nicht ohne weiteres einen Spieler für 50, 60 oder 70 Millionen Euro verpflichten. Es gibt keine Investoren, die das große Geld zur Verfügung stellen. Also sind alle bemüht, Talente zu finden und zu entwickeln. Das finde ich super.

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Was erwartet Adi Hütter von Ihnen?

Ich muss den Jungs helfen. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass im Training die Intensität immer hoch ist, dass jeder versucht, alles an Leistung, was in ihm steckt, auf den Platz zu bringen. Ich gebe ihnen Tipps und stehe bei Fragen zur Verfügung. Das ist wichtig, denn sie sind die Zukunft der Eintracht.

Sie sprechen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch. Keiner redet in der international besetzen Eintracht-Mannschaft auf dem Platz so viel wie Sie. Fehlt Ihnen nicht manchmal die Luft zum Laufen?

Nein, nein (lacht). In der Kabine geht es bei uns tatsächlich multilingual zu. Aber auf dem Platz sind alle meine Kommandos auf Deutsch. Und das versteht dann auch jeder.

Die Offensiv-Power der Eintracht ist ein Trumpf. Wie gelingt es Ihnen als Sechser, dass der Blick für die Defensive nicht zu kurz kommt?

Ich sage den Jungs immer: Wenn ihr nach hinten mitarbeitet, werdet ihr durch Tore für uns vorne belohnt. Und wissen Sie was? Sie machen es! Da braucht es gar nicht viele Worte. Wenn unsere Angreifer die gegnerischen Verteidiger immer wieder anlaufen und attackieren, machen sie sie dadurch müde und setzten sie unter Stress – dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fehler passiert, den einer von uns nutzen kann.

Sie werden 33 Jahre alt. Und Ihre Laufwerte sind besser als die der jüngeren Kollegen. Wie geht das?

Das Wichtigste ist: Ich habe Spaß und keinen anderen Druck mehr. Als ich jünger war, hatte ich viele Dinge im Kopf: Ich wollte in der Schweizer Nationalmannschaft meinen Weg gehen, an der EM und WM teilnehmen, viel Geld verdienen und ein Star werden. Wenn man 32 Jahre alt und klar im Kopf ist, denkt man anders. Dann lebt und spielt es sich leichter. Ich erlebe gerade als Spieler mein letztes oder vorletztes Winter-Trainingslager. Da gebe ich alles dafür, dass es ein gutes wird. Und ich weiß jetzt schon, dass ich es vermissen werde, wenn ich mal nicht mehr aktiv bin.

Was kommt dann: die Anschlusslaufbahn als Trainer oder Manager?

Mal sehen. Ich kann fast nur im Fußball bleiben. Ich empfinde so viel Liebe für diesen Sport, da würde es mir sehr schwer fallen, mich mit etwas anderem zu beschäftigen. Ich mag auch das Kollektivgefühl, das es im Fußball gibt, den Austausch mit den Mitspielern und dem Staff. Alleine in einem Büro sitzen zu müssen, ist keine Vorstellung, die mir so gefällt.

Auch Makoto Hasebe scheint nicht zu altern und in der Form seines Lebens. Was hat Trainer Hütter mit Ihnen beiden gemacht, dass Sie so fit sind?

Makoto ist ein phantastischer Profi. Training, Ernährung, Pflege, Lebensgewohnheiten – er ordnet alles dem Ziel unter, beim Spiel in bester Verfassung aufzulaufen. Das gleiche gilt für mich. Junge Spieler können zwei, drei Wochen im Sommer Party machen und sind dann zum Saisonstart trotzdem voll da. Das geht bei uns nicht mehr, wir müssen auf unseren Körper anders achten. Was uns beiden inzwischen zugutekommt: Wir sind nicht mehr in der Nationalmannschaft. Das spart viele Reisen und bedeutet weniger Strapazen. Und wir haben schon einiges erlebt, da können wir jetzt viel mit Auge machen. Auch auf David Abraham trifft das zu. Hütter will, dass wir in jedem Training intensiv zur Sache gehen. Er will Qualität sehen, lässt aber auch Zeit zur Erholung.

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Zweimal das Pokalfinale erreicht und in der Europa League in der K.o.-Runde: Ist die Eintracht schon ein deutsches Spitzenteam?

Als Spitzenteam kann sich eine Mannschaft bezeichnen, die über Jahre in der Tabelle unter den „Top 6“ dabei war. Auch Hoffenheim hat das noch nicht geschafft, Leipzig ebenfalls nicht, und wir müssen auch nachlegen. Bayern München, Dortmund oder Leverkusen sind uns noch einiges voraus und haben sich ganz andere Möglichkeiten erarbeitet. Wir kämpfen darum, auch nach oben zu kommen. Das Entscheidende ist für mich: Die Leute sollen eine Truppe von Eintracht-Jungs zu sehen bekommen, die immer alles geben und das Trikot mit Stolz tragen. Wer als Spieler zu Eintracht Frankfurt kommt, sollte das nicht tun, um die internationalen Vorzüge der Stadt zu genießen, sondern um den Verein voran zu bringen. Das habe ich auch Gonçalo Paciencia, Lucas Torro oder Evan Ndicka erklärt. Es kommt der Tag, an dem Makoto Hasebe, David Abraham oder ich nicht mehr dabei sind, und dann sind sie es, die den Spirit, den dieses Team heute auszeichnet, weiter tragen müssen.

Das Gespräch führte Marc Heinrich.

Quelle: F.A.Z.
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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