Eintracht-Kommentar

Erstaunliche Klasse

EIN KOMMENTAR Von Uwe Marx
26.09.2012
, 18:10
Eintracht-Trainer Veh weiß: Die Saison ist noch lang
Das mitreißende 3:3 gegen Borussia Dortmund hat eine Qualität zu Tage gefördert, die bisher nur angedeutet worden war. Der Weg der Frankfurter Eintracht ist der richtige - unabhängig von Einzelergebnissen.

Nach vier Spielen der neuen Saison in der Fußball-Bundesliga waren so viele neue Stärken des Aufsteigers Eintracht Frankfurt bekannt, dass im fünften nicht gleich mit einer weiteren gerechnet werden durfte. Das wäre ein bisschen viel verlangt gewesen nach deutlichen Fortschritten auf den Feldern fußballerische Attraktivität und taktische Flexibilität. Und doch hat das mitreißende 3:3 gegen Borussia Dortmund eine Qualität zu Tage gefördert, die bisher nur angedeutet worden war. Erst jetzt ist sicher, dass sie zur Grundausstattung des famosen Tabellenzweiten gehört. Dass die Eintracht Spiele drehen kann, hat sie am ersten Spieltag gezeigt, als sie ein 0:1 gegen Bayer Leverkusen in ein 2:1 verwandelte und den Anfang machte mit ihrer erstaunlichen Erfolgsserie.

Gegen Dortmund wurde diese Fähigkeit gleichzeitig bestätigt und weit übertroffen. Ein 0:2 aufzuholen und anschließend noch ein 2:3, das zeugt von erstaunlicher Klasse und großer mentaler Stabilität. Beides hat seinen Ursprung in einer Grundidee von Fußball, die der Trainer vorgegeben hat, die den Spielern inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen ist - und an der in jeder Lage festgehalten wird: In Frankfurt soll schnell und offensiv gespielt werden, komme, was da wolle. Und wenn es ein mehrmaliger Rückstand gegen den deutschen Meister ist.

Saison ist noch lang

Diese Haltung funktioniert allerdings nur, wenn der Trainer sie unbeirrt vertritt und die Spieler sich in ihr wohl fühlen. Beides ist der Fall. Das findet sich manchmal auch in Kommentaren wie nach dem Spektakel gegen Dortmund, die erst einmal kokett klingen, aber ernst gemeint sind. Man müsse eben auch mal eine hohe Niederlage riskieren, wenn man sich für eine attraktive Spielweise entscheide. Mittelfeldspieler Sebastian Rode sprach beispielhaft von einem 3:4, Armin Veh, wenn auch mit einem breiten Grinsen, von einem 0:5. So viel Risikobereitschaft müsse schon sein. Dass diese Rechnung gegen Dortmund aufgegangen ist, gehört zu den schönsten Seiten des neuen Frankfurter Fußballspätsommers.

Aber die Saison ist noch lang, und es werden Spiele kommen, die einen anderen Verlauf nehmen als das am Dienstag. Veh und den Seinen ist zuzutrauen, dass sie dann trotzdem an ihrer Linie festhalten würden. Deshalb ist ihnen zu wünschen, dass die Partie gegen Dortmund neben dem verdienten Punktgewinn einen weiteren, einen längerfristigen Ertrag einbringt: nämlich das belastbare Vertrauen von allen Seiten, dass dieser Weg der richtige ist - unabhängig von Einzelergebnissen. Eine kurze Rückbesinnung auf das 3:3 gegen den BVB dürfte dabei ganz hilfreich sein. Dieses Spiel ist es wert, sich lange daran zu erinnern.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Marx, Uwe
Uwe Marx
Redakteur in der Wirtschaft.
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