Betriebe in Existenznot

Handel fürchtet „fatale Folgen“ des Lockdowns

05.01.2021
, 22:32
Nach der Verlängerung des Corona-Lockdowns fürchten hessische Betriebe die wirtschaftlichen Folgen. Vor allem der Handel hat Sorgen.

Der hessische Handel hat die Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar kritisiert und vor dem Verlust
Tausender Arbeitsplätze gewarnt. In der Branche mache sich Ernüchterung breit, kritisierte Jochen Ruths, Präsident des
Handelsverbandes Hessen, am Dienstag. „Viele fühlen sich von der Landesregierung alleingelassen.“ Man brauche nun eine Perspektive.

Allein im ausgefallenen Weihnachtsgeschäft habe der hessische Einzelhandel rund eine halbe Milliarde Euro Umsatz verloren. Im gesamten Jahr 2020 seien es sogar rund 2,8 Milliarden Euro gewesen. Das könnten die Unternehmen nicht mehr ohne Hilfe kompensieren, so der Handelsverband. „Die Landesregierung muss für die notwendige Unterstützung sorgen“, forderte Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer des Verbandes.

Die zugesagten Hilfen für den hessischen Handel kämen aber nicht zur Auszahlung, weil die Zugangshürden viel zu kompliziert und zu hoch seien. Knapp zwei Drittel der Innenstadthändler sähen deshalb ihre Existenz gefährdet. Ein Großteil bemängele das Ausbleiben staatlicher Hilfen für die Branche, wie eine Umfrage des Verbandes gezeigt habe.

„Katastrophale Situation“

Der nun verschärfte Lockdown habe fatale Folgen für die Überlebensfähigkeit kleiner und mittelständiger Handelsunternehmen und gefährde so tausende Arbeitsplätze. „In dieser katastrophalen Situation muss die hessische Landesregierung die Nöte und Bedürfnisse der betroffenen Unternehmen verstehen“, sagte Tatjana Steinbrenner, Vizepräsidentin des Handelsverbandes Hessen. „Die Frage nach möglichen Hilfen muss immer wieder neu gestellt werden. Aktuell scheint die Strategie allein auf dem Prinzip Hoffnung zu bestehen.“

„Trumps Twitter-Nachrichten werden belächelt, aber wir sitzen vor den Bildschirmen, um in Pressekonferenzen die aktuellen Ideen unserer Landesregierung zu erfahren – ein Miteinander sieht für mich definitiv anders aus – die Landesregierung taucht immer wieder ab“, sagte Ruths. Der Handelsverband blicke mit Sorge auf die aktuelle Situation: Mit sehr schmerzlichen Mitteln, die große Teile des Handels sowie große Teile der Wirtschaft nachhaltig schädigen und teilweise zerstören würden, versuche man der Pandemie Herr zu werden. Doch wenn die Erfolge ausblieben, müsse man alle Vorgehen überprüfen und hinterfragen. „Die Landesregierung muss aufpassen, dass sie nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreibt“, warnte Ruths, „sie trägt die Verantwortung!“

Handelskammer fordert Fortsetzung der Hilfsprogramme

Robert Lippmann, Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertages, sagte, die Verlängerung des Lockdowns verschärfte die Existenznot bei vielen hessischen Betrieben. „Mit jedem Tag mehr wird der Lockdown härter, weil sich die wirtschaftlichen Auswirkungen summieren. Mittlerweile ist das Eigenkapital vielfach aufgezehrt, gerade in den wiederholt behördlich geschlossenen Branchen. Daher brauchen wir parallel zur Verlängerung des Lockdowns die Fortsetzung der bestehenden Hilfsprogramme. Diese müssen deutlich schneller ausgezahlt werden“, so Lippmann.

Die Einschränkung des Bewegungsradius in Corona-Hotspots in Hessen wären ihm zufolge eine drastische Maßnahme. „Auch mit Blick auf die unterschiedlichen Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Ministerpräsident Bouffier hat angekündigt, hier ausschließlich Tagesausflüge in den Blick zu nehmen.“ Insgesamt müsse sichergestellt sein, dass sich Personen und Waren im Wirtschaftsverkehr weiterhin frei bewegen könnten. „Beschäftigte müssen zu ihren Arbeitsstätten gelangen können, genauso wie Dienstleister zu ihren Kunden. Alles andere käme einem harten Lockdown für die gesamte Wirtschaft gleich“, sagte Lippmann.

„Corona-Hilfen müssen zielgenau sein“

Je länger die Corona-Krise dauere, desto zielgenauer müssten die Hilfen sein. „Die hessische Wirtschaft fordert den Bund erneut dazu auf, den steuerlichen Verlustrücktrag zu erweitern. Ein in Zeitraum und Höhe ausgeweiteter Verlustrücktrag wirkt präzise. Er verschafft den tatsächlich betroffenen Unternehmen Liquidität. Zudem unterstützt er gerade die Betriebe, die vor der Krise erfolgreich gewirtschaftet haben.“

Quelle: ddt.
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