F.A.Z.-Hauptwache

Kreuzungen, Krisen, Klammergriff

Von Marie Lisa Kehler
Aktualisiert am 05.08.2020
 - 06:06
Der Umsatz des Flughafenbetreibers Fraport ist im ersten Halbjahr fast um die Hälfte eingebrochen – auf  910,6 Millionen Euro.
Eine Verkehrsinsel wird zum Biergarten, der Flughafenbetreiber Fraport schreibt tiefrote Zahlen und Unternehmen setzen auf digitale Bewerbungsgespräche. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, steht in der F.A.Z.-Hauptwache.

Guten Morgen,
zugegeben, manchmal muss man suchen, um zwischen all den schlechten Nachrichten auch eine gute zu finden. Unser Autor Oliver Bock hat gesucht. Schließlich gehört genau das zu seinem Beruf. Und er hat eine gefunden. Und zwar dort, wo er sie am wenigsten erwartet hätte. Mitten auf einer Verkehrsinsel in Wiesbaden. Diesen ungewöhnlichen Ort haben vier Gastronomen gewählt, um sich gemeinsam aus der Coronakrise herauszukämpfen. Sie betreiben auf der Verkehrsinsel gemeinsam einen Biergarten. Pardon, einen „Kiezgarten“ – so nämlich haben sie ihr gemeinsames Projekt getauft. Das Prinzip ist einfach: Die Gäste können sich ihr Essen in den drei beteiligten Speiserestaurants per Telefon bestellen, abholen und am Tisch verzehren. Getränke gibt es im Kiezgarten selbst – und das Hintergrundrauschen einer Bundesstraße ist auch inklusive. Wohl bekomms.

Diese etwas skurrile Corona-Nachricht aus Wiesbaden sollte helfen, die nächste besser zu verdauen. Aber es ist ja nicht unsere Aufgabe, harte Fakten butterweich zu verpacken. Also machen wir es wie unser Experte für den Frankfurter Flughafen, Jochen Remmert, und sagen einfach gerade heraus, was gerade am Flughafen los ist. Sehr viel – und gleichzeitig zu wenig. Die Fraport AG hat angekündigt, zwischen 3000 und 4000 Stellen am Standort Frankfurt zu streichen. Grund ist die denkbar schlechte Halbjahresbilanz des Konzerns. Der Umsatz ist fast um die Hälfte eingebrochen – nämlich auf 910,6 Millionen Euro. 80 Prozent weniger Passagiere im Vergleich zum Vorjahreszeitraum meldet Fraport zudem. Das alles führe dazu, dass gespart werden muss, wie Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender, deutlich macht. Der Stellenabbau soll durch „sozialverträgliche Maßnahmen“ geschehen. Aber auch betriebsbedingte Kündigungen sind laut Schulte nicht ausgeschlossen.

Von den Kündigungen zu den „Neueinstellungen“. Das Rekrutieren neuer Bewerber stellt viele Unternehmen in der Region nämlich seit einigen Monaten vor große Herausforderungen. Es gilt, Stellen zu besetzen, obwohl die komplette Belegschaft im Homeoffice ist. Manch ein Unternehmen ist auf digitale Bewerbungsgespräche umgestiegen. Eine Umgewöhnung für alle, wie unsere Volontärin Anna Vollmer schreibt. Da fällt beispielsweise der obligatorische Händedruck weg. Und der ist von Bewerbern oft gefürchtet, von Personalern manchmal aber geliebt. Zumindest von denen der alten Schule. Denn ein Händedruck kann ihrer Überzeugung nach mehr über eine Person aussagen als Anschreiben und Lebenslauf zusammen. Ein zu fester Händedruck wird schnell als „Dominanzverhalten“ ausgelegt, ein zu zaghafter als fehlendes Durchsetzungsvermögen. Zu feuchte Hände deuten auf Aufregung hin, zu trockene auf – ähm – auf was eigentlich genau? Eincreme-Faulheit? Zumindest das Spiel „Reiche-mir-die-Hand-und-ich-sage-dir-wer-du-bist“ entfällt, wenn Unternehmen zu virtuellen Bewerbungsgesprächen einladen. Zum Glück. Und es gibt laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC noch weitere Vorteile. Diese will das Verfahren auch in Zukunft beibehalten. Das spare nämlich Zeit – und Geld.

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Und außerdem hoffen Artisten des Tigerpalasts auf mehr Nähe, wird in Offenbach, Wiesbaden und Niedernhausen weiter versucht, einen Anstieg der Corona-Fallzahlen zu verhindern, erzählt der Schlagzeuger der Band „The New Roses“ wieso es ihm und seinen Bandmitgliedern gerade so schwer fällt, neue Songs zu schreiben.

Bleiben Sie gesund,

Marie Lisa Kehler

Wetter

Heute gibt es viel Sonnenschein, und die Temperaturen steigen auf 31 Grad. Bis zum Wochenende sind 35 Grad möglich.

Geburtstag haben heute

Carl Martin Welcker, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Frankfurt (60)
Joachim Valentin, Theologe, Direktor des Hauses am Dom, Vorsitzender des Frankfurter Rats der Religionen, Träger der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt (55)
Holger Krick, Geschäftsführer des Finken-Verlags, Oberursel (51)
Stefan Schad, Geschäftsführer des Klinikverbunds Frankfurt-Main-Taunus
sowie der Kliniken des Main-Taunus-Kreises, Hofheim (38).

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kehler, Marie-Lisa
Marie Lisa Kehler
Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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