U-Bahn durch Bad Homburg

Aussteigen an der Saalburgchaussee

Von Bernhard Biener
16.08.2020
, 08:00
Bisher ist die Station Bad Homburg-Gonzenheim der vorletzte Halt der Linie U2.
Die Fahrgast-Lobby setzt auf die Schiene. Aus ihrer Sicht soll die U-Bahn-Linie 2 nicht am Bahnhof enden.
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Man darf den Vorschlag kühn nennen. Die Fahrgast-Lobby Hochtaunus, die sich seit 2003 für die Interessen von Bus- und Bahnfahrern einsetzt, möchte die U-Bahn-Linie 2 verlängern. Bei diesem Stichwort denken die Bad Homburger zuerst an den beschlossenen Bau des Streckenabschnitts von der heutigen Endhaltestelle in Gonzenheim bis zum Bad Homburger Bahnhof. Ein auch von der Fahrgast-Lobby immer unterstütztes Vorhaben. Doch ihr Sprecher Bernd Vorlaeufer-Germer will es dabei nicht belassen: „Die Verbindung zum Bahnhof darf nicht das Ende für eine zukunftsträchtige Weiterentwicklung bleiben.“ Die U-Bahn solle bis nach Dornholzhausen reichen.

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Es gehe um die Anbindung der nördlichen Stadtteile Bad Homburgs wie des Gartenfelds, sagt Dietrich Andernacht. „Sie sind am dichtesten besiedelt, haben aber keinen Schienenanschluss.“ Man habe sich viele Varianten angeschaut und sei auf eine Linie gekommen, die in einem Bogen an dem Oberurseler Stadtteil Oberstedten vorbei nach Dornholzhausen führe. Sie quert nach dem Bad Homburger Bahnhof die Urseler Straße und den Dornbach, verläuft an der Niederstedter Straße entlang, um dann auf die B 456 einzuschwenken. Die U-Bahn-Strecke würde etwa in Höhe der Fußgängerbrücke am Fuß der Saalburgchaussee enden.

Viele Einwände möglich

Die Fahrgast-Lobby sieht den richtigen Zeitpunkt gekommen, um über eine Ausweitung der Schienenverbindungen zu reden. Mit der beschlossenen U-Bahn-Verlängerung werde der Bad Homburger Bahnhof zu einem Verkehrsknoten, dessen Bedeutung mit der Regionaltangente West noch steigen werde. „Dabei darf die Stadt Bad Homburg nicht zu kurz kommen“, sagt Helmut Lind, der sich auch im Fahrgastverband Pro Bahn engagiert. „Nach dem Motto: Man kommt vom Bahnhof aus überall hin, nur nicht nach Eichenstahl.“ Nicht zuletzt die Kommunalwahl im März bietet aus Sicht der Akteure eine Gelegenheit, das Thema in die Politik zu tragen. Zwar sind sie alle politisch engagiert, heben jedoch den überparteilichen Charakter hervor. Vorlaeufer-Germer (Die Linke) ist Bad Homburger Stadtverordneter und als Nachrücker in den Kreistag zurückgekehrt, Andernacht gehört für die Linke dem Oberurseler Magistrat an und Lind ist Beisitzer im Oberurseler FDP-Vorstand. Ausgetauscht haben sie sich zudem mit Walter Söhnlein. Der ehemalige Bad Homburger CDU-Stadtverordnete setzt sich seit Jahrzehnten für den Nahverkehr ein.

Söhnlein gehörte zu jenen, die sich immer wieder Gedanken über eine U-BahnLinie mitten durch Bad Homburg gemacht hatten, nachdem die neue Frankfurter Stadtbahn 1971 in Gonzenheim endete. Denn die alte, von Frankfurt kommende Straßenbahnlinie 25 hatte einst weiter die Louisenstraße hinauf bis zum Marktplatz geführt, wo man bis 1935 sogar in die Saalburgbahn umsteigen konnte. Doch alle seit 1972 diskutierten Trassenvarianten seien heute entweder zugebaut oder durch einen erforderlichen Tunnel viel zu teuer, sagt Vorlaeufer-Germer. Der jetzt gewählte Vorschlag habe den Charme, außer dem Bad Homburger Norden auch Oberstedten wenigstens an einer Stelle anzubinden. Der Stadtteil wird nicht von der U 3 erreicht, die sonst das ganze Oberurseler Stadtgebiet durchquert.

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Auch gegen den Vorschlag der Fahrgast-Lobby lassen sich auf Anhieb viele Einwände formulieren. So würde die U-Bahn über die stauträchtige Peters-Pneu-Renova (PPR)-Kreuzung in Dornholzhausen führen, an der gerade neue Häuser die verfügbare Fläche weiter eingeengt haben. Vielleicht lasse sich der letzte Abschnitt eingleisig führen, sagt Andernacht, und spricht von einem „Fly over“ über die PPR-Kreuzung. Eine Brückenlösung war auch schon einmal für die Straße selbst geprüft worden. Wenn es bessere Vorschläge für die Anbindung des Bad Homburger Nordens gebe, nehme man die gern auf, so Vorlaeufer-Germer. Es gehe um eine Zukunftsperspektive und kein Projekt für die nächsten fünf Jahre.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Biener, Bernhard
Bernhard Biener
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.
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