Fair-Play-Preis in Wiesbaden

Fair gewinnt

Von Leonhard Kazda
24.03.2018
, 08:18
Ausgezeichnet: Lisa Theresa Hauser überzeugte die Jury durch die selbstlose Weitergabe ihres Skistocks an Vanessa Hinz.
Die österreichische Biathletin Lisa Theresa Hauser und die Rugby-Abteilung des USV Potsdam werden im Biebricher Schloss für vorbildliches Verhalten ausgezeichnet.
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Nachdenklich Stimmendes, ein festlicher Rahmen, klassische Klänge und strahlende Preisträger – das hat in der Rotunde des Schlosses Biebrich schon fast Tradition. Seit 2011 verleihen dort der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Verband Deutscher Sportjournalisten den Fair-Play-Preis. Am Donnerstag lächelte die Gewinnerin des Preises für das Jahr 2017 nur per Videobotschaft in die Schar der Gäste, die im klassizistischen Raum des Schlosses Platz genommen hatten.

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Die österreichische Biathletin Lisa Theresa Hauser ließ sich entschuldigen, da sie derzeit weit weg ist: in Westsibirien, beim Biathlon-Weltcup in Tjumen. Der Grund, warum die Jury Hauser zur Preisträgerin kürte, liegt etwas mehr als ein Jahr zurück: Beim Weltcup-Massenstart in Oberhof im Januar 2017 war die Tirolerin versehentlich auf den Stock der Deutschen Vanessa Hinz getreten. Dieser blieb liegen. Hauser, die in der Phase nach dem Start neben ihrer Konkurrentin lief, reichte spontan ihren eigenen Stock hinüber, so dass Hinz das Rennen ungehindert fortsetzen konnte. Die Österreicherin lief mit nur halber Schubkraft weiter und stürzte später auch noch – da war ihr freilich zuvor ebenfalls ein Stock weitergereicht worden, wie man auf den Videoaufnahmen ihres Sturzes erkennen kann.

Qual der Wahl für die Jury

„Die Jury hat in diesem Jahr Neuland betreten“, sagte Professor Manfred Lämmer, der Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Olympischen Akademie und Jury-Vorsitzender des Fair-Play-Preises. Erstmals sei eine Wintersportlerin ausgezeichnet worden. Und erstmals eine Österreicherin. Dabei hatte die Jury wohl die Qual der Wahl. „Die Zahl der eingereichten Vorschläge ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen“, sagte Lämmer. „Wir hätten leicht einen zweiten und einen dritten Platz vergeben können.“ Die Mehrzahl der Vorschläge sei dabei freilich aus dem Bereich des Fußballs gekommen.

Lämmers Äußerung konnte auch als kleine Replik auf die Preisverleihung des vergangenen Jahres verstanden werden, als Niko Kovac, der Trainer des Fußball-Bundesligaklubs Eintracht Frankfurt, diesen Preis erhalten hatte, weil er beim Relegations-Rückspiel zwischen dem 1. FC Nürnberg und der Eintracht im Mai 2016 Spieler des „Clubs“ tröstend in den Arm genommen hatte, da sie den Aufstieg in die Bundesliga verpasst hatten.

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Aufgabe aller Sieghoffnungen

Die Weitergabe eines Skistocks und die damit verbundene Aufgabe aller Sieghoffnungen der Lisa Theresa Hauser wirkte da schon viel weniger selbstverständlich als die mitfühlende Geste des Profitrainers. „Sie hat den eigenen Erfolg weit von sich gewiesen, um ihrer Konkurrentin ein gutes Rennen zu ermöglichen“, sagte Gudrun Doll-Tepper, Vorsitzende der Deutschen Olympischen Akademie und Vizepräsidentin des DOSB, in ihrer Laudatio.

Es gab auch strahlende Preisträger, die in der Rotunde des Schlosses anwesend waren. Denn der Sonderpreis, der Personen und Initiativen für faires Verhalten und die Wertevermittlung durch Sport verliehen wird, ging an die Rugby-Abteilung des Universitäts Sport Vereins (USV) Potsdam, weil sie schon zum 15. Mal den Sanssouci-Pokal für Jugendmannschaften unter dem Motto „Rugby spielen gegen rechte Gewalt und Langeweile“ ausgerichtet hatte. Die Abordnung aus Potsdam nahm die Trophäe freudig entgegen. Das langjährige Engagement für respektvollen Umgang bei dem Jugendturnier auf und neben dem Platz wurde von der Jury als preiswürdig erachtet.

Zuvor hatte ein sehr erfolgreicher Mann des Sports bei den Biebricher Schlossgesprächen genau diesen Aspekt als Kerngedanken herausgestellt, wie sich Fairness besser im Sport verankern lässt: Jürgen Wagner, der ehemalige Trainer der Beachvolleyball-Weltmeister und Olympiasieger Julius Brink und Jonas Reckermann sowie Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, nannte die Jugend als den wichtigsten Transporteur des Gedankens. „Es liegt daran, wie man diese Werte vermittelt, wie wir sie bei Kindern und Jugendlichen festsetzen können“, sagte Wagner. „Dann hätten wir viel weniger Probleme mit Fair Play.“ Dass dies in Potsdam recht gut funktioniert, zeigte ein Mädchen aus dem U-12-Rugbyteam des USV. Auf dem kurzen Video, das Eindrücke von dem Turnier vermittelte, sagte sie keck: „Ohne Fair Play wäre das hier eine Prügelei. Kein Sport halt.“

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Quelle: F.A.Z.
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