<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Filmfestival Nippon Connection

Mangas, Mordlust, Männersuche

Von Eva-Maria Magel
Aktualisiert am 29.05.2019
 - 19:43
Überflieger aus Japan: Ungewöhnliche Produktionen wie die Manga-Verfilmung „Inuyashiki“ zeigt das Frankfurter Filmfestival Nippon Connection.
Das 19. Filmfestival Nippon Connection zeigt neue Filme aus Japan. Dabei geht es vor allem um die ungewöhnlichen Blicke auf Gesellschaft und Kultur.

Wer ist eigentlich mehr „draußen“? Der Mann, der, weil seltsamerweise ein Ufo ihn überfällt, zum Superhelden mutiert? Die Frau, die sich, schwer depressiv, nicht aus dem Haus wagt? Der Eliteschuleabsolvent, der als Aushilfe in einem Bad landet, das sich als skurrile Mordstätte entpuppt? Außenseitern, in jeglicher Hinsicht, ist bis Sonntag der Schwerpunkt des japanischen Filmfestivals Nippon Connection in Frankfurt gewidmet.

Das fängt tatsächlich schon mit dem gestrigen Eröffnungsfilm an, einer nachdenklichen Komödie, die heute um 20 Uhr noch einmal im Mal seh’n Kino zu sehen ist. Nicht nur ist Akiko Oku, die unter anderem mit „Tremble all you want“ 2017 auch international Aufmerksamkeit erregt hat, eine der wenigen Frauen, die im japanischen Kinobetrieb Erfolg haben. Ihr Film „Marriage Hunting Beauty“ zeigt den Druck, der auf jungen Frauen lastet, die den gesellschaftlichen Ansprüchen und ihrem Wunsch nach Glück genügen möchten, an Takako, die auszieht, um einen Mann zu finden. Dass eine bezaubernde Frau, die ganz gut im Leben steht, Außenseiterin ist, weil sie mit 30 noch nicht verheiratet ist, erzeugt urkomische und ein wenig melancholische Szenen.

Überhaupt gibt es viel Nachdenkliches, Gefühlsreiches in der diesjährigen Festivalausgabe. „And your Bird can sing“ von Sho Miyake etwa, die Geschichte einer jungen Frau und zweier Männer, die zwischen Clubnächten und intensiven Momenten an die Grenzen von Freundschaft und Liebe geraten. Oder „Another World“ von Shingo Gima, der drei Freunde zeigt, die auf dem Land leben. Einer als Autohändler mit merkwürdiger Verwandtschaft, einer als armer Köhler, was trotz der modernen Kleidung archaische Bilder erzeugt, einer kommt zurück als traumatisierter Soldat. Gima erzählt nur vermeintlich schlicht alltägliche Tragödien mit humoristischen Lichtpunkten.

Professionalisiertes Festival

Unerwartete Ausbrüche des digital bearbeiteten Surrealen, Mischungen aus Realfilm und Zeichentrick, plötzliche Genrewechsel oder eine betont schlichte, fast amateurhaft anmutende Bildsprache, wenn es um Gefühle geht, umgekehrt aber aus der Film- und Theatertradition gespeiste, fast bühnenartige Inszenierungen sind Besonderheiten des japanischen Films, die nicht nur die Dauergäste des Festivals faszinieren. Seit im Jahr 2000 zum ersten Mal Studenten aktuelles japanisches Kino nach Frankfurt geholt haben, weil es sonst nicht zu sehen war, hat sich nicht nur das Festival, wiewohl weiterhin ehrenamtlich betrieben und chronisch klamm, professionalisiert.

Dass heute Produktionen wie „Ramen Shop“, der dieses Jahr bei Nippon Connection läuft, auch regulär in die Kinos kommen, hat durchaus auch mit der Aufmerksamkeit zu tun, die Nippon Connection seit fast zwei Jahrzehnten auf das japanische Kino lenkt, Verleiher und Produzenten schauen dort gerne vorbei. Denn in nur fünf Tagen zeigt das Festival konzentriert in mehr als 100 Filmen die Vielfalt der japanischen Produktion: in „Nippon Cinema“ die etablierten Filme mit großem Budget, bei „Nippon Visions“ Erstlingsfilme und ungewöhnliche Blicke aus dem Low-Budget-Segment, Trends wie die Realverfilmungen von populären Mangas und in „Nippon Docs“, jetzt eine Reihe mit eigenem Preis, die Dokumentarfilmproduktion, die es, trotz starken Wachstums, schwer hat in Japan. Diesmal geht es dort um Sterbebegleitung und Beerdigungen, um Kindersoldaten im Zweiten Weltkrieg auf Okinawa, um einen Pappkartonsammler, der Geldbörsen herstellt und für einen Workshop sogar extra anreist. Viele der Regisseure sind schon mehrfach bei Nippon Connection vertreten gewesen, denn trotz der hohen Produktionszahlen ist der japanische Markt auch begrenzt – und das Festival will auch Entwicklungen begleiten. Vor allem da, wo es um die ungewöhnlichen Blicke auf Gesellschaft und Kultur geht.

Sogar der Samurai Mokunoshin ist in doppelter Hinsicht ein Außenseiter, herrenlos lebt er bei Bauern, bis ihn ein älterer Samurai anheuert – doch brechen die beiden nicht auf. Wie einsam das Töten macht, welche Traumata es auslöst, erzählt Shinya Tsukamoto in seinem jüngsten Film „Killing“, einem Samuraifilm der etwas anderen Art. Tsukamoto spielt nicht nur den älteren Samurai, er ist auch der Gewinner des diesjährigen Nippon Honor Awards, der am letzten Festivalabend, dem 2. Juni, vergeben wird. Ein Gespräch mit ihm am Sonntag gehört zum ausgedehnten Rahmenprogramm: Es soll viele geben, die nur der Workshops, Konzerte und Nudelsuppen wegen zum Festival kommen. Andere hingegen buchen im teilweise schon ausverkauften Kinoprogramm, was gerade kommt. Vielleicht nicht die schlechteste Art, sich der Wundertüte Japan-Film zu nähern.

Nippon Connection

Nippon Connection findet bis 2. Juni an verschiedenen Spielstätten in Frankfurt statt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Magel, Eva-Maria
Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
Twitter
  Zur Startseite

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.