Jüdisches Restaurant

Koscheres für jedermann

Von Hanna Koban
18.09.2021
, 11:49
Die drei Gründer des „Flowdeli“: Daniel und Mia Wittstock sowie Florian Große (von links)
Das Frankfurter „Flowdeli“ bietet außergewöhnliche Gerichte. Als einziges Restaurant in der Region setzt es nicht auf fleischige, sondern auf milchig-koschere Küche.

Wo, wenn nicht im Jüdischen Museum sollte man ein Restaurant mit koscheren Gerichten eröffnen? Die drei Gründer, Daniel und Mia Wittstock sowie Florian Große, haben dem Ganzen allerdings einen Kniff verliehen: Ihr Restaurant Flowdeli ist nämlich als Deli gestaltet, also einer Mischung aus Feinkostladen, Take-away und Restaurant. Diese Art von Delikatessenlokal stammt ursprünglich aus Amerika, wo jüdische Immigranten ihre Küche angeboten haben.

Das Frankfurter „Flowdeli“ bietet Gerichte mit osteuropäischen, orientalischen und israelischen Einflüssen. Außerdem setzt das Lokal, als einziges in der Rhein-Main-Region, nicht auf fleischige, sondern milchig-koschere Küche, also vegetarische Speisen und Fischgerichte. Die strengen Regeln für koscheres Kochen verbieten die Verarbeitung von Fleisch und Milchprodukten in einer Küche. Mit seinem Konzept gehörte das Flowdeli zu den Finalisten für den Frankfurter Gründerpreis.

Vielfalt koscherer Gerichte der Stadt näher bringen

Die drei Betreiber kommen alle aus der gehobenen Gastronomie und Hotellerie, haben in Sterne-Restaurants in Mainz, bei Freiburg, in Neuseeland und London gearbeitet. Die Idee, ein Deli zu eröffnen, sei in London entstanden, berichten sie. Sie wollten die Internationalität Londons, die sich ihrer Ansicht nach in Frankfurt widerspiegelt, aufgreifen. 2014 haben sie sich zunächst mit dem Catering-Unternehmen, „Flow the Kitchen“, selbständig gemacht. Als die Anfrage des Jüdischen Museums kam, ob sie nicht das Restaurant im Haus betreiben wollten, sahen sie „die Chance, unsere Idee eines Deli zu verwirklichen“.

Das Flowdeli hat im Oktober 2020 eröffnet. Durch den Lockdown im Winter sei es lange Zeit ruhig gewesen. Seit Juni finde man zur Mittagszeit aber kaum einen Platz, sagt Daniel Wittstock. Trotz Ferienzeit hätten sie schon einige Stammkunden aus den umliegenden Büros gewonnen. Beliebt ist das „Shakshuka“, ein Gericht aus pochierten Eiern, Tomaten und Paprika. Auch Klassiker wie Bagel mit Lachs sind im Angebot. Shabbat-Boxen bieten frisches Brot, Dips und Wein für jene, bei denen am Samstag, die Küche kalt bleibt und Picknick-Taschen in verschiedenen Größen sind für Ausflüge an den Main gedacht. Das Ziel der Gründer lautet: der Stadt die Vielfalt koscherer Gerichte näherzubringen – auch jenen, die ansonsten keinen stärkeren Bezug zum Judentum haben.

Quelle: F.A.Z.
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