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Flughafen

Genehmigung für Terminal 3 auch ohne S-Bahn-Anschluss

Von Hans Riebsamen, Rainer Schulze und Helmut Schwan, Frankfurt
 - 23:21
Plan mit einigen Unklarheiten: So soll das Terminal 3 im Süden des Frankfurter Flughafens nach den Vorstellungen von Fraport einmal aussehen.

Das Frankfurter Planungsdezernat sieht trotz des fehlenden S-Bahn-Anschlusses keinen Grund, die Baugenehmigung für das Flughafen-Terminal 3 zu versagen. Die SPD-Fraktion im Römer hatte das Amt aufgerufen, den Bescheid zu verweigern, weil die Erschließung nicht gesichert sei. Das Bauvorhaben sei aber zu genehmigen, sofern der Antrag der Fraport AG mit dem Planfeststellungsbeschluss übereinstimme, hieß es dazu jetzt aus dem Dezernat. In diesem Fall habe der Bauherr einen Rechtsanspruch auf die Genehmigung.

Fraport will den Bauantrag einem Sprecher zufolge im September einreichen; er werde den Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses entsprechen. Nach den Plänen sollen die Arbeiten für den ersten Bauabschnitt, auch „Modul“ genannt, 2015 beginnen und die ersten Fluggäste sechs Jahre später dort abgefertigt werden.

Anschluss über neue Passagierbahn

Der Planfeststellungsbeschluss für den Flughafen-Ausbau umfasst das Terminal 3 in allen Aspekten. Im mehrjährigen Genehmigungsverfahren war die Verkehrsanbindung des Terminals geprüft worden, die über eine eigene Autobahnabfahrt gewährleistet sein soll. Der S-Bahn-Anschluss wurde zwar „nachrichtlich“ aufgenommen, ist aber keine zwingende Auflage. Zwar ersetzt das bei besonders komplexen Infrastrukturvorhaben übliche Planfeststellungsverfahren für Hochbauten nicht die Baugenehmigung. Es schafft aber Baurecht und ist insofern vergleichbar mit einem Bebauungsplan. Hält sich ein Bauherr an dessen Bestimmungen, hat er einen Anspruch auf Genehmigung.

Fraport will das neue Terminal über eine zusätzliche Strecke der Passagierbahn „Skyline“ mit den beiden anderen Abfertigungskomplexen sowie dem ICE-Bahnhof vernetzen. Außerdem verwies ein Unternehmenssprecher gestern auf den neuen Autobahnanschluss. Dieser werde rechtzeitig fertig, zudem würden genügend zusätzliche Parkflächen geschaffen.

RMV warnt vor Dauerstau

Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sei wegen der langen Wege und Umsteigezeiten unattraktiv, meint zu diesen Überlegungen der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling; er befürchtet, dass die meisten Fluggäste mit dem Auto anreisen würden. „Fraport legt hier erneut eine Planung vor, die die gesellschaftlichen Kosten des Flughafenbaus in Form des zunehmenden Autoverkehrs ungebremst auf die Allgemeinheit überwälzt“, sagte Oesterling, der einen direkten Anschluss des Terminals an die Riedbahn durch eine Verschwenkung der Eisenbahntrasse fordert. Bis zu einer entsprechenden „Nachbesserung“ solle das Planungsdezernat die Genehmigung zurückstellen.

Auch nach Ansicht von Knut Ringat, dem Chef des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), benötigt das dritte Terminal einen eigenen S-Bahn-Anschluss. Der Regionalbahnhof am Terminal 1 stoße schon jetzt an seine Grenzen, mehr Fahrgäste seien kaum zu bewältigen. Mehrfach hat der RMV-Geschäftsführer in diesem Zusammenhang vor einem Dauerstau rund um das Frankfurter Kreuz gewarnt. Die Passagiere, die das Terminal 3 nutzten, würden bei einem fehlenden S-Bahn-Anschluss in ihrer Masse mit dem Auto kommen und müssten den Weg über das Frankfurter Kreuz nehmen, das einen solchen Ansturm nicht verkraften könne.

Problem mit S-Bahn schon lange bekannt

So sieht das auch Frankfurts Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen). Er bezeichnet den Verzicht auf einen S-Anschluss als große Schwachstelle des Planfeststellungsbeschlusses für die Flughafenerweiterung. Es sei aberwitzig von der Fraport zu glauben, man könne mit einem Bus-Shuttle vom Terminal 3 zum Bahnhof Zeppelinheim die Schwierigkeiten lösen.

Das Problem des fehlenden S-Bahn-Anschlusses ist Majer zufolge allen Beteiligten von Anfang an bekannt gewesen. Es sei denn auch im Verfahren heftig diskutiert worden; er und die Grünen hätten immer auf den Mangel hingewiesen. Im Grunde genommen hätten damals alle gewusst, dass ein Terminal 3 ohne S-Bahn-Anschluss nicht funktionieren könne. Für Majer ist jetzt das Land Hessen am Zug, die Initiative für eine ergänzende Verkehrsplanung, also einen S-Bahn-Anschluss, müsse von der Landesregierung ausgehen. Allerdings habe Wiesbaden in den vergangenen Jahren leider keine Anstrengungen erkennen lassen.

Erschwert wird das Verkehrsproblem am Terminal 3 noch dadurch, dass eine S-Bahn-Strecke dorthin erst gebaut werden kann, wenn die geplante neue ICE-Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim fertig ist. Vorgesehen ist eine Abzweigung an der nach Mannheim führenden Bahnroute. Möglich ist das aber nur, wenn die Fernzüge auf der geplanten Neubaustrecke fahren können. Wann und ob überhaupt dieses mehr als zwei Milliarden Euro teure Projekt in Angriff genommen wird, ist völlig offen. Dafür müsste auch Einigung darüber erzielt werden, wie Darmstadt an die Strecke angebunden wird.

Eine S-Bahn-Trasse zum Terminal 3 könnte erst gebaut werden, wenn die geplante neue ICE-Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim fertig ist.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Riebsamen, Hans (rieb.)
Hans Riebsamen
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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Rainer Schulze
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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