Fluglärm und die Folgen

Von Flugzeugen um 5 Uhr geweckt

Von Hans Riebsamen, Frankfurt
06.09.2012
, 21:17
Frankfurts Oberbürgermeister geht auf Tuchfühlung mit seinen Bürgern. Er nächtigt bei den Lärmgeschädigten und verspricht ihnen Unterstützung.

Peter Feldmann, Frankfurts neuer SPD-Oberbürgermeister, ist am Donnerstag Morgen in einem fremden Bett aufgewacht. Und dies auch noch in aller Herrgottsfrühe, nämlich kurz nach 5 Uhr. Geweckt haben das Stadtoberhaupt nach eigenen Angaben Flugzeuge, die auf ihrem Anflug zum Frankfurter Flughafen eines nach dem anderen über sein Nachtquartier im Haus Bertha-von- Suttner-Straße im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen gedonnert sind. Für sie sei das Alltag, berichteten ihm Bewohner des vornehmen Lerchesbergs, denen die Flugzeuge zum täglichen Wecker geworden sind.

Feldmanns Gastgeber, das Ehepaar Schulte, hatte vor der Frankfurter Oberbürgermeisterwahl im März an zahlreiche Kommunalpolitiker eine Einladung für eine Übernachtung in ihrer Wohnung geschickt. Die Volksvertreter sollten einmal bei ihnen nächtigen, um einen authentischen Eindruck davon zu bekommen, wie es sich unter einer Flugschneise lebe. Der SPD-Kandidat war damals nach Angaben der Familie Schulte der Einzige gewesen, der auf das Angebot reagierte: Im Februar schlug er sein Nachtquartier in ihrer Wohnung auf und sprach mit dem Ehepaar sowie anderen lärmgeschädigten Anwohnern über Möglichkeiten eines besseren Schutzes. Er werde wiederkommen, wenn er Oberbürgermeister sei, hatte Feldmann damals versprochen. Nun hat er dieses Versprechen eingelöst.

Eine gute Nachbarschaft als Vorraussetzung für den ökonomischen Erfolg

Ein Oberbürgermeister ist keineswegs allmächtig. Und schon gar nicht, wenn er wie Feldmann weder im Stadtparlament noch im Magistrat über eine Mehrheit verfügt. Darauf hat Frankfurts Stadtoberhaupt am Donnerstag Morgen seine Gastgeber und zwei Vertreter der Bürgerinitiative „Stop Fluglärm“, die mit ihm frühstückten, hingewiesen. Er ist auch nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister bei seiner Forderung geblieben, dass das Nachtflugverbot am Abend und am Morgen um jeweils eine Stunde von 22 bis 6 Uhr verlängert werden müsse. Doch er kann weder eine Ausweitung der Nachtruhe am Flughafen noch die von ihm favorisierte Lärmobergrenzen von 55 Dezibel bei Normalverkehr und 75 Dezibel in den Spitzenzeiten einfach anordnen.

Allerdings nimmt Feldmann in Anspruch, dass er zumindest alle seine damaligen Versprechen eingelöst hat. Eines lautete, dass die Vertreter der Bürgerinitiativen gegen den Fluglärm angehört werden. Demnächst wird sich der Oberbürgermeister mit Vertretern der Initiativen in seinem Büro treffen und sich mit ihnen über gemeinsame Themen verständigen. Diese sollen in Gesprächen mit Abgesandten des Flughafenbetreibers Fraport und der Lufthansa erörtert werden. Fraport-Chef Stefan Schulte habe ihm zugesagt, dass sein Unternehmen gesprächsbereit sei. Eine gute Nachbarschaft zwischen Flughafen und Anwohnern ist nach Feldmanns Meinung Voraussetzung auch für den ökonomischen Erfolg der Fraport.

Eine „profilierte Persönlichkeit“ ist im Gespräch

Ferner wird Frankfurt nach Feldmanns Plänen einen Vertreter in die Fluglärmkommission schicken, der die Forderungen nach Lärmminderungen pointiert vertreten soll. Der bisherige Abgesandte Frankfurts geht in den Ruhestand, als Nachfolger ist laut Feldmann eine „profilierte Persönlichkeit“ im Gespräch. Laut Gesetz muss das Verkehrsministerium formal dem Frankfurter Vorschlag zustimmen.

Schon wahr gemacht hat Feldmann seine damalige Ankündigung, er werde als Oberbürgermeister in den Aufsichtsrat der Fraport eintreten. Am Donnerstag kam dieser zu einer Strategie-Klausur zusammen, heute findet eine reguläre Sitzung statt. Feldmann will erst einmal die Strukturen des Gremiums verstehen lernen. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass er seine Forderungen zur Lärmminderung in diesem Aufsichtsorgan zur Sprache bringen will. Darüber hinaus wird Frankfurt nach dem Willen seines neuen Oberbürgermeisters künftig in der Initiative Zukunft Rhein-Main mitarbeiten, der zahlreiche Umlandgemeinden angehören und die sich für eine Minderung des Fluglärms einsetzt. Als Ansprechpartner für Lärmgeschädigte hat Feldmann seinen Referenten Claudius Blindow bestimmt.

Quelle: F.A.Z.
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