Frankfurt Fashion Week

Die Stadt will Mode

EIN KOMMENTAR Von Patricia Andreae
19.03.2022
, 11:30
Die Stadt Frankfurt will an der Fashion Week festhalten. Ob sich dort weiterhin Labels wie Susumu Ai & Friends wie noch bei der Ausgabe im Januar 2022 präsentieren werden, bleibt abzuwarten.
Trotz des Abzugs der Premium-Messen soll es eine Frankfurt Fashion Week geben. Sie soll internationale Textilmessen und lokale Mode verbinden - ein Spagat.
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Der Name bleibt: Es wird eine Frankfurt Fashion Week geben – schließlich hat man sich die Marke einiges kosten lassen. Nun soll sie wenigstens einmal im Jahr im Juni stattfinden und damit nicht wie zuvor angekündigt parallel zum Berliner Original, das man ursprünglich an den Main hatte transferieren wollen. Der Versuch ist gescheitert, weil die Modemesse-Organisatoren sich vom offenbar doch nicht so armen Berlin haben zurücklocken lassen. Eine Blamage für die Messe Frankfurt und deren Aufsichtsratschef, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der sich von seiner Parteifreundin Franziska Giffey ausstechen ließ.

Wohl deshalb hält er an seinem Mantra „Frankfurt kann Mode“ fest. Doch wie soll sich der Anspruch erfüllen lassen, den der Name „Fashion Week“ nahelegt, in dem ein Hauch von Mailand, Paris und New York mitschwingt? Internationale Textilmessen und lokale Modekompetenz sind die Säulen, auf denen man aufbauen will. Das klingt nach einem Spagat.

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Allerdings hat Frankfurt in Sachen Mode mehr zu bieten, als mancher vor der ersten Veranstaltung im vergangenen Sommer vermutet hätte. Dies nun zu bündeln und sichtbar zu machen wäre ein sinnvoller Beitrag zur Förderung der wenig beachteten Kreativwirtschaft. Und vielleicht ist es auch gut, einen Rahmen zu schaffen für die Textilmessen, die nicht auch noch verloren gehen dürfen. Verbindungen zu Design und Mode herzustellen scheint vernünftig.

Noch offen ist aber die Frage, aus welchem Topf all die angekündigten Shows, Ausstellungen und sonstigen Events finanziert werden sollen. Das, was von den einst bereitgestellten zehn Millionen Euro übrig ist, wird wohl nicht lange reichen. Es wird allerhand Kreativität in der ganzen Stadt brauchen, sonst besteht die Gefahr, dass die Frankfurt Fashion Week nur ein Opernplatzfest mit Modenschauen wird. Noch klingt es eher so, als klammere man sich an das Projekt und rufe daher: Die Frankfurt Fashion Week ist tot – es lebe die Frankfurt Fashion Week.

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Quelle: F.A.Z
Autorenporträt / Andreae, Patricia (cp.)
Patricia Andreae
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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