„Ich gehöre ins 19. Jahrhundert“

Frankfurt und ich, Folge 4: Der Anatom Helmut Wicht, 27.10.2017



Helmut Wicht hat beinahe sein gesamtes Leben an der Universität verbracht. In grauer Vorzeit habe er mal Biologie studiert, sagt er. Über den ein oder anderen Umweg kam er dann zu seinem Job an der Senckenbergischen Anatomie der Frankfurter Goethe-Universität. Dort lehrt er bis heute Semester um Semester heranwachsenden Ärzten, wie der menschliche Körper aufgebaut ist. Wachsam schreitet er dabei zwischen den Studierenden umher, die sich in Gruppen um die Leichname im Präpariersaal der Uni-Klinik versammeln. Hier und da steht er mit Rat zur Seite, während sich die angehenden Mediziner Schicht um Schicht durch die präparierten Körper schneiden. Pudelwohl fühle er sich dabei. Die Anatomie sei für ihn ohnehin das schönste Fach, so Wicht.

Video: F.A.Z.

Noch länger als die Anatomie begleitet Wicht aber eine andere Leidenschaft. Seit seinem 17. Lebensjahr fährt er Motorrad. Damit aber nicht genug. In seiner Freizeit schraubt er alte Maschinen aus den 1920er und 30er Jahren auseinander und baut sie anschließend fahrtüchtig wieder zusammen – Anatomie rückwärts sozusagen.

Die Lieblingsorte

Worte und Bilder haben Helmut Wicht schon immer fasziniert. Als deskriptives Fach und durch die Nähe zur Philosophie bot die Anatomie dem sprachverliebten Wicht die beste Möglichkeit, sich auch auf diesem Gebiet zu entfalten. Eines seiner literarischen Vorbilder ist Arthur Schopenhauer. Deshalb kommt er immer wieder gerne auf den Frankfurter Hauptfriedhof, um dem gefeierten Philosophen an dessen Grab zu gedenken.

Der Lieblingsplatz in 360°: Hauptfriedhof


Idee & Konzept: Andreas Krobok
Redaktion: Matthias Alexander, Andreas Krobok
Video: Daniel Blum, Andreas Brand, Kathrin Jakob, Johannes Krenzer
Multimedia: Carsten Feig

26.10.2017
Quelle: F.A.Z.