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Jubiläumsshow von Flic Flac

Punk, punkiger, Punxxx

Von Hans Riebsamen
Aktualisiert am 18.02.2020
 - 09:28
Purple Rain: Artistin Olha Peresadazur Bildergalerie
Flic Flac strapaziert seit 30 Jahren die Nerven der Zuschauer. Auch die Jubiläumsshow lebt von spektakulären Stunts, riskanter Artistik und schrägem Witz.

Junge Leute lieben Flic Flac. Das ist ein Zirkus nach ihrem Geschmack. Rockige Musik, punkiges Outfit, spektakuläre Aktionen. Auch Vegetarier, Tierrechtler, Klima-Bewegte und andere Weltenretter stehen, wenn auch oft nicht aus persönlicher Anschauung, sondern nur aus theoretischen Gründen, auf Flic Flac. Denn dieses fahrende Unternehmen verzichtet ganz auf Tiere und bezieht zudem Stellung gegen Rassisten, Trumpisten und andere unangenehme Zeitgenossen. Politische Korrektheit in Gammelklamotten. Doch ebenso angetan von diesem Zirkus, der jetzt seinen 30. Geburtstag feiert, sind die traditionellen Zirkusfreunde, für die Flic Flac ein Hoffnungsträger ist, der die Fackel der Manegenkunst, die allenthalben zu verglimmen droht, noch hoch hält.

Zugegeben, Umweltbewussten und den freitäglichen Schulschwänzern dürfte missfallen, dass die Jubiläumsshow von Flic Flac den Verbrennungsmotor feiert. Gleich zu Beginn der Vorstellungen im schwarz-gelben Zelt auf dem Festplatz am Ratsweg tauchen wie aus dem Nichts zwei Hell-Rider auf ihren Motorrädern auf und donnern über die Köpfe der Zuschauer hinweg – von der einen Seite des Chapiteaus zur anderen. Diese Burschen riskieren wahrlich jeden Abend Kopf und Kragen, wenn sie bei ihrem Flug einen Salto schlagen. Die PS-Orgie geht später weiter in einer Stahlkugel, in der acht Wahnsinnige auf Motocross-Maschinen zentimetergenau aneinander vorbeirasen.

„Punxxx“ heißt die Jubiläumsproduktion, die drei X sollen darauf hinweisen, dass diese Show noch mehr ist als XXL, nämlich das ultimative Zirkusvergnügen. Zu derartigen Extremen neigt Flic Flac schon immer, denn dieser Zirkus will gerade im Jubiläumsjahr frecher, spektakulärer, exzentrischer sein als die Konkurrenten. Was er tatsächlich ist, aber schon immer, seit die ehemaligen Artisten Benno und Lothar Kastein am 5. Oktober 1989 in Oberhausen Flic Flac aus der Taufe hoben. Vielmehr: Am Anfang, so heißt es, sollen die beiden Brüder es mit Zirkus-Romantik à la Roncalli versucht haben. Doch weil dessen Chef Bernhard Paul die Nostalgie-Nische schon besetzt hatte, wichen die Flic Flac-Gründer auf das punkige Feld der waghalsigen Sensationen im Schmuddellook aus – und kreierten damit eine Marke.

Tradition und Klassiker im trendigen Gewand

Heute buchen viele Zuschauer automatisch, wenn die Verrückten aus Bocholt in die Stadt kommen. Nicht wenige sind mit Flic Flac alt geworden, weshalb im Publikum mittlerweile schon einige Angegraute sitzen, die sich während der Darbietungen in ihre wilden Jahre zurückversetzt fühlen. Doch das Gros der Besucher ist jung oder fühlt sich zumindest so. Dabei sind einige Nummern auch im Jubiläumsprogramm durchaus Zirkusklassiker, die freilich in einer trendigen Verpackung daherkommen. Zum Beispiel der Jongleur Zdenek Polach, der mit mittelgroßen Bällen arbeitet und trotz seiner jungen Jahren ausgereift wirkt. Eine schöne Nummer, aber keine einzigartige.

Doch bei Flic Flac brillieren auch Künstler, die in einem ordentlichen Familienzirkus fehl am Platz wären, wie der schwule Clown David Eriksson in seinem lila Höschen und seinem lila Eimer. Dieser Schwede ist ein wahrlich frecher Spaßmacher, der mit seinem schrägen Witz die Grenze der Anzüglichkeit streift, aber nicht überschreitet. Der Mann kann sich exzellent bewegen, und überbrückt mit seinen kuriosen Einfällen sowie seiner Chuzpe die Umbaupausen. Für die Show bedeutet er die halbe Miete.

Gelungene Darbietung

Die artistisch schönste Darbietung – Hand auf Hand, Fuß auf Nacken – liefern drei Frauen aus der Ukraine, das Trio Three G. Scheinbar leicht wie ein Vogel fliegt ihr Frontgirl, hochgeschleudert von den Kolleginnen, durch die Luft, und landet nach einem Salto wieder sicher auf deren Händen. Das ist Akrobatik in Vollendung, auch wenn die Kunst der Ukrainerinnen nicht so spektakulär erscheint wie die der Helden am Reck.

Man hält den Atem an, wenn der Brasilianer Alex Michael weite Schwünge auf seiner Luftschaukel vollführt, dann losspringt und auf einem zweiten Trapez landet. Oder wenn die Italienerin Romy Meggiolaro an einem Seil über der Manege hängend Tücher auf beiden Füßen und Händen kreiseln lässt. Einen starken Eindruck hinterlässt auch Olha Peresada an der Pole-Stange, auf die während der Darbietung Purple Rain in Form von Musik und lila Wasser niederprasselt. So darf Flic Flac ruhig noch 30 Jahre fortfahren.

Flic Flac in Frankfurt

Flic Flac gastiert mit „Punxxx“ noch bis zum 1. März auf dem Festplatz am Ratsweg in Frankfurt.

Quelle: F.A.Z.
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