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FAZ plus ArtikelAnstieg der Pachtgebühren

Wenn die Zinsen die Rente auffressen

Von Rainer Schulze
Aktualisiert am 08.04.2020
 - 14:33
Hohe Bodenpreise und wenige freie Flächen in Hessen – das treibt auch die Pachtgebühren in die Höhe. (Archivbild)
Wer sich ein Grundstück nicht leisten kann, war früher mit dem Erbpacht-Modell gut bedient. Mit den Bodenpreisen sind jedoch auch die Pachtgebühren rasant gestiegen. Das ist nicht im Sinne des Erfinders. Doch die Politik ist zerstritten.

Manfred Raab, Jahrgang 1961, sagt über sich, er sei ein „bodenständiger“ Mensch. Das stimmt: Er wohnt im alten Haus seiner Eltern an einer Sackgasse in Praunheim. Als die nach dem Krieg nach Frankfurt kamen, quartierte man sie in einer Behelfsbaracke ein. 1956 bauten sie an gleicher Stelle mit Hilfe der Stadt ein Häuschen in Erbpacht. 66 Jahre lang überwies die Familie treu und pünktlich die Pachtgebühr für das Grundstück, zuletzt 860 Euro im Jahr. Doch nun musste Raab das Erbbaurecht verlängern, und zwar zu den aktuell geltenden Konditionen. Jetzt zahlt er 7200 Euro, das entspricht einer Steigerung von mehr als 800 Prozent. Wie er sich das leisten soll, wenn er in zwei Jahren in den Ruhestand tritt, weiß Raab noch nicht. „Uns wird der Teppich unter den Füßen weggezogen.“

Die Erbpachtzinsen sind in Frankfurt in den vergangenen Jahren sehr stark gestiegen. Bei Gerhard Glotz war es ähnlich. Als er das Erbbaurecht für sein Haus in Sachsenhausen, das nach 99 Jahren abgelaufen war, verlängern wollte, fiel er aus allen Wolken. Statt wie bisher 2640 Euro sollte er nun jedes Jahr 17 640 Euro an Erbpachtzinsen an die Stadt zahlen. Das ist eine Steigerung um 670 Prozent. Hinzu kam eine Grunderwerbssteuer von fast 20 000 Euro. „Das kann sich kein normaler Mensch mehr leisten.“

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Quelle: F.A.Z.
Rainer Schulze - Portraitaufnahme für das Blaue Buch
Rainer Schulze
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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