Angriff auf Juden in Frankfurt

„Muss uns tief betroffen machen“

Von Tobias Rösmann
18.09.2018
, 17:28
Vor anderthalb Wochen ist ein Jude an der Frankfurter Hauptwache angegriffen worden. (Symbolbild)
Auf einer Mitgliederversammlung diskutiert die Frankfurrer FDP über den Angriff auf ein jüdisches Parteimitglied. Parteichef Lieb verurteilt die Straftat. Im Alltag sei der Einsatz jedes Einzelnen gegen antisemitische Äußerungen gefordert.
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Wegen eines Angriffs auf einen Juden in der Innenstadt hat die FDP-Mitgliederversammlung Montagabend über Antisemitismus in Frankfurt diskutiert. Vor knapp 70 Teilnehmern im Saalbau Bockenheim berichtete Parteichef Thorsten Lieb, dass es sich bei dem Opfer der Gewalttat um ein Mitglied der Jungen Liberalen handele. Der Parteifreund, dessen Namen er nicht nannte, sei vor anderthalb Wochen attackiert worden, weil er nachts um vier Uhr an der Hauptwache gesagt habe: „Ich bin Jude.“ Das sei „schrecklich und fürchterlich“. Jeder aufrechte Liberale habe „gegen Antisemitismus und für Religionsfreiheit“ einzutreten. Der Übergriff „muss uns tief, tief betroffen machen“.

Das jüdische FDP-Mitglied Michael Rubin trat mit Kippa ans Rednerpult. Ohne detailliert auf den Vorfall einzugehen, forderte er: „Alle Migranten müssen unsere Werte zu 100 Prozent akzeptieren.“ Dazu zählten das Existenzrecht Israels und das uneingeschränkte jüdische Leben in Deutschland. Trotzdem stünden immer noch Polizeiwagen vor jüdischen Kitas und Schulen sowie vor der Synagoge. „Es kann nicht sein, dass 73 Jahre nach der Ermordung des Frankfurter Mädchens Anne Frank jüdisches Leben in der Stadt wieder gefährdet ist“, sagte Rubin.

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Einsatz im Alltag gefordert

Auch frage er sich, warum sieben Monate lang ein Hakenkreuz an einer Hauswand in Niederrad toleriert worden sei – „obwohl wir Strafanzeige gestellt haben“. Nur weil das Hakenkreuz an der Wand leicht verändert dargestellt worden sei, habe zuerst geklärt werden müssen, ob es sich um ein Kunstwerk handele.

Die Generalsekretärin der Bundes-FDP Nicola Beer hatte extra einen Termin verschoben, um zu dem Thema zu sprechen. Sie kritisierte, nach Vorfällen wie dem an der Hauptwache werde „viel zu schnell nach institutionalisierten Lösungen gerufen“. Das diene auch dazu, das eigene Gewissen zu entlasten. „Es bedarf aber des Einsatzes jedes Einzelnen im Alltag.“

Latent antisemitische Äußerungen wie „Du siehst ja gar nicht jüdisch aus“ oder „Deine Eltern sind bestimmt reich“ dürften nicht toleriert werden. Der rechtspolitische Sprecher der Rathausfraktion Uwe Schulz sagte, Antisemitismus sei „nicht nur ein Problem von rechts“. Es gebe ihn auch von der politischen Linken und aus den Reihen der Migranten. „Das dürfen wir nicht verschweigen aus einer falsch verstandenen Multi-Kulti-Romantik heraus.“

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Quelle: F.A.Z.
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