Bar am Schwedlersee geöffnet

Sunny hat einen Traum

Von Alexander Jürgs
Aktualisiert am 15.08.2020
 - 12:00
Idyll im Hafenviertel: Katharina Waschbüsch hat das Lokal am Schwedlersee übernommen.
Die bei Nachtschwärmern so beliebte Bar am Schwedlersee in Frankfurt hat nach langem Umbau wieder geöffnet – und eine neue Betreiberin.

Erst kam Corona, dann haben sich die Sanierungsarbeiten länger gezogen als gedacht. Jetzt aber muss alles ganz schnell gehen. Katharina Waschbüsch, in hellblauer Sommerhose, schwarzem T-Shirt, die Haare zum Dutt gesteckt, ist im Stress. Für den Abend musste sie noch Personal auftreiben. An der Holzterrasse wird geschraubt. Und die weißen Decken müssen auch noch auf die Tische. Nur noch ein paar Stunden, dann eröffnet am Freitagabend das Herzensprojekt, in das sie so viel Arbeit gesteckt hat: die von Grund auf renovierte Bar am Schwedlersee.

Das Naturidyll liegt im Frankfurter Osten, zwischen Hanauer Landstraße und Gewerbehafen. Waschbüsch, die von allen nur „Sunny“ genannt wird, ist die neue Pächterin des Lokals. „Ich kenne keinen schöneren Ort in Frankfurt“, sagt sie. Dem Restaurant ihre eigene Handschrift zu verpassen, das sei für sie ein Lebenstraum.

Ein leichtes Erbe tritt Waschbüsch, die in Hanau viele Jahre als Restaurantleiterin gearbeitet und auch schon Techno-Partys organisiert hat, dabei nicht an. Denn die Bar am See hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der außergewöhnlichsten Ausgeh-Adressen der Stadt entwickelt. Hipster, Künstler und Menschen aus der Kreativbranche pilgerten regelmäßig gen Osten. Wenn auf der Holzveranda die „Lazy“-Partys gefeiert wurden, bei denen die Discjockeys eine wilde Mischung aus Soul, Reggae und Hiphop auflegten, standen die Leute schon früh abends Schlange. Als sich in der Szene herumgesprochen hatte, dass der Vertrag mit dem langjährigen Pächter des Lokals nicht verlängert werden sollte, waren viele enttäuscht.

Sanierung für 70.000 Euro

Der künstlich angelegte See, der ursprünglich einmal ein weiteres Becken des Osthafens werden sollte, gehört einem Verein: dem 1891 gegründeten Ersten Frankfurter Schwimmclub. Seit 100 Jahren schon wird der See als Clubbad genutzt. Schwimmen gehen dürfen dort nur Vereinsmitglieder, das Lokal steht jedoch schon lange für jedermann offen. 70.000 Euro hat der Verein nun in dessen Sanierung gesteckt, davon wurden das benötigte Material für den Umbau, neues Holz für die Terrasse und neue Elektrik gekauft. Die eigentlichen Arbeiten, die so umfangreich waren, dass sie gut zwei Monate länger gedauert haben als geplant, hat Waschbüsch mit ihrem Team erledigt. Weil sich der Umbau verzögerte, startet sie nun so spät in die Sommersaison.

„Wir wollen keine Kopie der alten Bar sein“, sagt die Zweiunddreißigjährige. Die Speisekarte hat sie gehörig umgekrempelt. Statt einer orientalisch inspirierten Küche wie beim Vorgänger setzt Waschbüsch auf Gutbürgerliches, „aber mit Anspruch“. Handkäs’, Gref-Völsings-Würste und Apfelwein soll es bei ihr geben, aber auch Pasta mit grünem Spargel oder Mango-Mozzarella-Salat. Einen Mittagstisch will sie regelmäßig anbieten. Geöffnet ist das Lokal, außer am Montag, immer von elf bis 22 Uhr, die Küche pausiert aber zwischen 15 und 17 Uhr.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Jürgs, Alexander
Alexander Jürgs
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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