Leser und Redaktion testen

Das ist die beste Pizza Frankfurts

Von Peter Badenhop, Marco Dettweiler und Jacqueline Vogt
14.06.2021
, 13:40
Mehr als 4500 Leser haben für ihre Lieblingspizza gestimmt. Jetzt hat die Redaktion die drei Top-Pizzerien in Frankfurt auf Mozzarella und Tomate getestet – und den Sieger gekürt.

Für die meisten gastronomischen Betriebe war der Lockdown eine Belastung, den Pizzerien aber hat er einen Boom beschert – Grund genug für die Rhein-Main-Zeitung, auf die Suche nach der besten Pizza Frankfurts zu gehen und dabei auch auf das Urteil der Leser zurückzugreifen. Zum Auftakt unseres großen Pizza-Tests konnten zunächst die Redakteure ihre Frankfurter Lieblingspizzeria vorstellen, dann waren die Leser an der Reihe: Innerhalb weniger Tage erreichten uns Hunderte E-Mails, oft mit einer Formulierung wie „Die beste Pizza in Frankfurt gibt es natürlich ...“. In einem dritten Schritt haben wir dann eine Liste der am besten bewerteten Lokale zur Wahl gestellt.

Und nachdem mehr als 4500 Leser für ihre Lieblinge gestimmt haben, ist nun die Genuss-Fraktion der Redaktion losgezogen und hat die drei Top-Pizzerien noch einmal getestet, auf Mozzarella und Tomate, Salami und Schinken, Margherita und Spinaci. Beim Leserfavoriten „Da Cimino“, einem Studentenklassiker in Bockenheim mit jahrzehntelanger Tradition, sowie im „Giulio“ und im „Charly Braun“ (auch in der Schreibweise „Charly Brown“ bekannt) wurden unangekündigt Pizza-Klassiker bestellt, coronakonform auf Abstand und authentisch aus der Pizzaschachtel in nahe gelegenen Parks verspeist und gemeinsam bewertet.

Wahrscheinlich gibt es in der Stadt noch Dutzende weitere Pizzerien, die in dem Wettbewerb eine Chance verdient gehabt hätten, zumal die Kür natürlich auch von subjektiven Eindrücken, Zufall, Tagesform und vielleicht auch dem mehr oder weniger gut organisierten Werben um Stimmen der eigenen Kundschaft beeinflusst war. Für uns aber steht der Sieger nun fest. Aber lesen Sie selbst. Und schauen Sie unter www.faz.net/pizzatest im Video beim Testen zu.

„Da Cimino“: Der Geschmack der Achtziger

Diese Pizzeria an der Adalbertstraße in Bockenheim ist wie Tausende im Land: klein und unscheinbar, über dem Eingang ein Leuchtschild, an den Fenstern großflächige Cola-Reklame, innen ein Tresen, Stapel von Pizzakartons und ein Holzofen, der im Dauerbetrieb läuft. Auf der Karte steht eine Auswahl von mehr als 30 Pizzen und noch viel mehr Pastagerichten. Wer hier seine Pizza holt, der will keinen Firlefanz, nichts Ausgefallenes, keine Spielereien. Hier erwarten die Gäste einfaches, klassisches Pizza-Handwerk, keine Gourmet-küche. Und das bekommen sie auch – seit Jahrzehnten praktisch unverändert und mit nur wenigen Zugeständnissen an den Zeitgeist.

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Das beste Beispiel ist die Nummer 9. Mit ihrer bunten Mischung aus Salami, Champignons, Paprika, Peperoni, Oliven, Sardellen und Zwiebeln auf der üblichen Tomaten-Käse-Grundlage ist diese Pizza im Grunde eine Hommage an die Achtziger: Die dünnen Paprikastreifen sind nicht frisch, sondern süßsauer aus dem Glas und sorgen zusammen mit den Zwiebeln, der Salami, den schwarzen Oliven und den eingelegten grünen Peperoni, die jeder vom Griechen und aus der Antipasti-Theke im Supermarkt kennt, für ein rustikal-würziges Geschmacksbild, das nicht viele Nuancen zulässt, sondern ein intensives Ganzes bildet. Allein die Champignons sind eine Art Konzession an aktuellere kulinarische Vorlieben: Sie stammen nicht wie einst aus dem Glas, sondern sind frisch gehobelt – bleiben angesichts der anderen Deftigkeiten allerdings unter der Wahrnehmungsschwelle.

Defensive Würzung: Backarbeiten im „Charlie Braun“
Defensive Würzung: Backarbeiten im „Charlie Braun“ Bild: Lakuntza, Nerea

Die Nummer 1, die Margherita, ist die Basis-Pizza des Hauses und ist vor allem eins: sehr würzig und salzig. Grund dafür ist der viele Käse, der die Tomatensoße darunter nur erahnen lässt. So aber verfügt die Pizza kaum über Säure oder Süße, und Kräuter sind auch nicht zu sehen. Dieser Käse-Schwerpunkt ist natürlich Geschmackssache, er führt aber dazu, dass der eigentlich gute Teig nur am Rand schmeckbar wird und die Stücke beim Abkühlen schnell fest und zäh werden und dann wie kalte, überbackene Brezeln schmecken.

Deutlich frischer und ausgeglichener schmeckt die Spinat-Pizza, die Nummer 29, die auf der gleichen Basis, aber mit viel weniger Käse gebacken wird. Die ordentliche Portion frischer, in großen Blättern belassener Spinat hebt diese Kreation auf ein anderes Niveau, allein ein Hauch Knoblauch könnte sie noch ein bisschen besser machen.

Fazit: Im „Da Cimino“ gibt es eine Auswahl einfacher, aber zuverlässig gebackener Pizzen. Wer klassische Schlichtheit statt moderner Extravaganz sucht, ist hier richtig. Das reicht für einen guten dritten Platz.

„Charly Braun“: Mittelklasse an der Habsburgerallee

Nein, die Pizzeria heißt „Charly Braun“. Und nicht „Charlie Brown“. Auch wenn Google konsequent das englische Wort anzeigt. Man erwartet eine Anspielung auf die Peanuts, doch es deutet vieles auf eine falsche Schreibweise hin. Denn nirgends ist ein Hinweis auf die Comicfigur zu finden. Von außen sieht das Lokal aus wie eine äußerst gewöhnliche und eigentlich wenig einladende Take-away-Pizzeria mit einer ausgeblichenen Markise. Hinter dem Schaufenster im Erdgeschoss eines Fünfzigerjahre-Wohnhauses stapeln sich die leeren Pizzakartons. Die Telefonnummer zum Bestellen ist in großen Zahlen auf das Schaufenster geklebt. Daneben steht: „Alle Gerichte auch zum Mitnehmen!“

Klassisches Handwerk: Belegarbeiten im „Da Cimino“
Klassisches Handwerk: Belegarbeiten im „Da Cimino“ Bild: Lakuntza, Nerea

Die Pizza jenseits dieses Ortes zu verzehren, das dürfte für die meisten Kunden ohnehin der übliche Weg sein. Draußen wäre Platz für ein paar Stehtische, deren Fehlen vermutlich den Corona-Regeln geschuldet ist. Gemütlich wäre der Stehplatz allerdings nicht, weil die Habsburgerallee direkt an „Charly Braun“ vorbeiführt. Also schnappt man sich am besten die Kartons und sucht sich ein schönes Plätzchen. Auf dem Weg dahin spekulieren wir, ob die Pizzen inklusive Karton kleiner sind als bei der getesteten Konkurrenz. Da haben wir wohl aus Versehen doch die „Kleinen“ mit 24 Zentimeter Durchmesser bestellt. Vor uns liegen die Margherita, die Caloveto und die Spinaci.

Nur der Spinat ragt heraus

Der Einstieg in „Charly Brauns“ Pizzawelt schmeckt so, wie er soll – aber auch nicht besser: ordentlich nach Käse und ein wenig nach Tomate. Auf dem Belag sind Spuren von getrockneten Kräutern zu erkennen. Der krosse Teig spielt ebenso in der Mittelklasse. Auf diesem Niveau geht es weiter. Die Caloveto ist um die Zutaten Salami, Schinken, Zwiebeln und Champignons ergänzt. Letztere sind nicht aus dem Glas, sondern frisch. Dafür sind Salami und Schinken Massenware, wie sie häufig in Pizzerien verwendet werden. Wieder finden sich Sprengsel von Kräutern.

Als Fußballspieler würde sich „Charly Braun“ in der Defensive wohlfühlen. Offensives Würzen mag man hier offenbar nicht. So ist die nächste Variante wohl eher zufällig ein Volltreffer: Die Pizza Spinaci glänzt mit ihrem Namensgeber. Der Spinat ist kaum gewürzt, schmeckt aber frisch und richtig schön nach Spinat. Der Belag aus Käse und passierten Tomaten bildet das richtige Geschmacksfundament. So darf eine Spinaci schmecken. Vielleicht sollte sich „Charly Braun“ häufiger auf eine gute Zutat verlassen, um die Mittelklasse verlassen zu können.

Fazit: „Charly Braun“ serviert ordentliche und günstige Pizzen. Aber um den recht großen Abstand zum Erstplatzierten zu verringern, müssten die Macher mehr Spinaci wagen. Rang zwei.

„Giulio“: Diese Pizza sollte der Standard sein

Wer in beliebten Küstenorten die besten Restaurants sucht, findet sie öfter in Seitenstraßen ohne Meerblick als direkt an der Promenade. Wenn eine ähnliche ungeschriebene Regel für Frankfurt hieße, die gute Pizza solle man nicht in der bei Touristen beliebten Innenstadt suchen, dann wäre der Standort der Pizzeria „Giulio“ ideal: unweit des Zoos, aber von diesem so weit entfernt, dass sie Tierpark-Besuchern nicht ins Auge fällt, das Lokal eingeschnitten in eine Fassade grauer Wohnblocks, angeklebt an eine Trinkhalle, vom Verkehr umtost, wie geschaffen, um übersehen zu werden. Schaut man genauer hin, sieht man ein ansprechend gestaltetes Fenster, freundliches Mobiliar, ein paar Dinge, die einen herzhaft ausgedrückten Sinn für Schönheit zeigen, von den Tomatenkonserven bis zum Basilikumtopf.

So sieht eine Siegerin aus: Die beste Pizza der Stadt gibt es im „Giulio“.
So sieht eine Siegerin aus: Die beste Pizza der Stadt gibt es im „Giulio“. Bild: Lakuntza, Nerea

Ungeduldig darf man nicht sein, wenn man bei „Giulio“ auf eine Pizza wartet; der Pizzabäcker hat ordentlich zu tun. Um die Mittagszeit arbeitet er große Mengen an Vorbestellungen ab, beim Warten kann man sich die Zeit damit vertreiben, aus der Beobachtung der Abholenden eine Typologie der „Giulio“-Kundschaft zu erstellen. Das ist wie oft im Leben leichter gedacht als getan, das Bild ist bunt.

Erfreulich eindeutig ist es dagegen bei den Pizzen: Sie sind gut. Im idealen Pizza-Land wäre, was in dieser Küche gebacken wird, der Standard, Abweichungen nach unten gäbe es selten, höchstens noch einige nach oben.

Auf der „Giulio“-Karte stehen 15 Pizzen, was eine nicht kleine, aber auch nicht vertrauenerschütternd große Auswahl ist. Die Margherita mit einem gut gewürzten, dünn aufgetragenen Tomaten-Käse-Belag mit zusätzlich ein paar Tupfen halb geschmolzenem Mozzarella, frischem Basilikum und Kirschtomaten überzeugt mit einem schönen Frische-Ton, die Vegtariana ist gut wegen des marinierten Grillgemüses darauf. In Erinnerung blieben vor allem die Auberginen, die am Ende mit genau der richtigen Mischung aus räucherig gebräunt und noch saftig auf dem Teig lagen. Parade-Pizza des Hauses ist jene mit Tomaten, Mozzarella, Rucola, einem kräftigen Rinderschinken und Parmesan. Bis auf die ersten beiden sind alle Zutaten nach dem Backen auf den Fladen gelegt worden. Wer diese Art von Pizza mag, wird zufrieden sein, wer nicht, kann sich an der ordentlichen Qualität erfreuen.

Top ist der Teig der „Giulio“-Pizzen, kross und sehr aromatisch, mit großen unregelmäßigen Poren, was gemeinhin auf die Verwendung geringer Mengen von Hefe und lange Teig-Ruhe hinweist.

Fazit: Im „Giulio“ werden Pizzen ein gutes Stück oberhalb des Durchschnitts serviert, zu Preisen, die das nicht erwarten lassen (bis zehn Euro). Hier kann man wenig falsch machen, im Redaktionstest kommt „Giulio“ auf Platz eins.

Kross und sehr aromatisch: Teigarbeiten im „Giulio“
Kross und sehr aromatisch: Teigarbeiten im „Giulio“ Bild: Lakuntza, Nerea
Quelle: F.A.Z./dme.
Peter Badenhop - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Badenhop
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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Autorenporträt / Vogt, Jacqueline (jv.)
Jacqueline Vogt
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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