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Bienen in Stadtnähe

Am Flughafen brummt die Imkerei

Von Lioba Sixel
Aktualisiert am 06.03.2020
 - 15:37
Zwölf Bienenvölker des Instituts für Bienenkunde leben in der Nähe der Start-und-Lande-Bahnen am Flughafen.
Gute Lebensbedingungen und wenige Schadstoffe im Honig: 300 Meter von Start- und Landebahnen des Frankfurter Flughafens entfernt summen die Bienen. Die Stadtnähe hat Vorteile für die Insekten.

Sobald die Temperaturen frühlingshaft werden, fliegen am Flughafen nicht mehr nur Flugzeuge. Zwölf Bienenvölker des Instituts für Bienenkunde leben nur etwa 300 Meter von Start- und Landebahnen entfernt in ihren Bienenkästen. Die Distanz reicht aus, um einander im Flugverkehr nicht in die Quere zu kommen. Mit im Sommer etwa 60.000 bis 80.000 Bienen je Stamm sind die Insekten den Maschinen auch zumindest zahlenmäßig deutlich überlegen. Aber nur knapp ein Viertel der Honigbienen überwintert im Bienenstock, bis die Temperaturen milder werden und das Volk wie jedes Jahr wieder stark wächst.

Unter der Abdeckung ihrer Bienenstöcke liegen sie dicht an dicht, Honigbiene neben Honigbiene. In ihrer Mitte ruht die Königin, denn dort ist es warm, etwa 25 Grad. Zu sehen sind allerdings nur die Bienen, die ganz außen in der obersten Ebene des Bienenstocks sitzen. Sie bilden einen Kreis, die sogenannte Wintertraube, um sich gegenseitig bestmöglich zu wärmen. Wenn der Deckel des Bienenkastens geöffnet wird, fliegen einzelne von ihnen kurz hoch, verlassen ihr Zuhause mit den Honigwaben aber nicht.

„Der Fluglärm ist für die Bienen kein Problem, sie haben kein Gehör wie wir Menschen“, sagt Beate Springer. Sie ist Imkerin im Institut für Bienenkunde der Goethe-Universität. Erschütterungen dagegen könnten sie theoretisch spüren, allerdings liegen Start- und Landebahnen weit genug entfernt. Seit 2006 leben die summenden Blütenbestäuber schon auf dem Fraport-Gelände. Ihre Bienenstöcke stehen auf einer weiten, unbewirtschafteten Wiese. „Dort hat sich eine schöne Flora gebildet“, sagt Bernd Grünewald, Leiter des Bieneninstituts mit Sitz in Oberursel. „Es gibt eine hohe Diversität von Blütenpflanzen am Flughafen.“ Zum einen sei Fraport darauf bedacht, die Grünflächen auf dem Betriebsgelände zu bepflanzen, zum anderen würden keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Emissionsrückstände sind gering

Bei der Ansiedlung der Bienen am Flughafen kooperieren der Betreiber Fraport und das Bieneninstitut. In einer Langzeitstudie untersuchen sie gemeinsam die Emissionsrückstände von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) im Honig. Diese Verbindungen entstehen beim Verbrennen fossiler Brennstoffe, sind also unter anderem in Abgasen von Autos und Flugzeugen enthalten. Sie werden aber auch beim Grillen im Garten erzeugt. Die Studie vergleicht die PAK-Rückstände im Honig der Bienen am Flughafen mit denen im Honig von zwei Bienenvölkern an anderen Standorten: an der Autobahn 5 in Niederursel und im ländlichen Hintertaunus.

An allen drei Standorten ließen sich Rückstände von PAK im Honig nachweisen, sagt Grünewald. Wider Erwarten unterschieden sich auch die Konzentrationen nicht. Allerdings seien sie verschwindend gering; sie lägen deutlich unter den für Nahrungsmittel festgesetzten Grenzwerten und seien auch für Tiere unschädlich. „Die Bienenvölker haben sich an allen drei Standorten gleich entwickelt“, sagt Grünewald. „Der Honig am Flughafen und an der Autobahn ist, wie auch im Hochtaunus, sehr gut.“ Überall in der Natur gelangten Rückstände von Emissionen in das Grundwasser und lagerten sich langfristig im Boden ab. Leichtflüchtige Substanzen und Feinstäube dagegen seien im Honig nicht nachweisbar gewesen, sagt der Leiter des Bieneninstituts. „Der Flughafen ist ein guter Standort für Bienen.“

Nicht selten finden Honigbienen an Orten ein Zuhause, an denen man es nicht unbedingt erwarten würde – abgesehen von Flughäfen und Autobahnen beispielsweise in Industrieparks. Der Pharmakonzern Sanofi etwa hält fünf Bienenvölker auf dem Gelände des Industrieparks Höchst. Beete wurden nach Angaben eines Unternehmenssprechers bienen- und insektenfreundlich bepflanzt. Tests hätten gezeigt, dass der Honig mit keinerlei Schadstoffen belastet sei.

Die Honigbiene hungert oft

Innenstädte haben sich längst als Lebensraum der Honigbiene bewährt. „In der Stadt haben es Wildbienen und auch die Honigbiene gut, denn sie finden immer ausreichend Nahrung und sehr abwechslungsreiche Nahrung“, sagt Alix Roosen, zertifizierte Demeter-Imkerin und Agraringenieurin. Sie selbst hat 30 Bienenstöcke im Rhein-Main-Gebiet, unter anderem in Frankfurt.

„In der offenen Agrarlandschaft hungert die Honigbiene oft“, erläutert Roosen. „Die größten Probleme für Honigbienen und Bienen dort allgemein sind der Mangel an Nistplätzen, Futter und der Einsatz von Giften.“ Es gebe nämlich immer weniger Ackerbegleitflora. Intensive Landwirtschaft, häufiges Mähen und vor allem Monokulturen verknappten die Bienennahrung. Raps beispielsweise blühe nur einmal im Jahr, die restliche Zeit liege das Feld brach.

Stadt- und Landhonig sind gleich gut

Die Honigbiene ernährt sich von Nektar und Pollen, dafür sind Blütenpflanzen nötig. In der Landwirtschaft werden außerdem oft starke Pflanzenschutzmittel eingesetzt, deren Spuren sich letztlich im Honig wiederfinden. „Die Honigbienen bilden in ihrem Stock unsere Kulturlandschaft ab“, sagt Roosen. „An ihrem Beispiel wird ganz klar spürbar, welche Wirkung wir Menschen auf die Natur haben.“ Jeder Einzelne könne die Natur auch positiv beeinflussen. Und dafür müssten nicht unbedingt Bienen in der Stadt gehalten werden. Als Referentin des Vereins Stadtbienen erklärt sie das auch ihren Kursteilnehmern, die sie an das Imkern heranführt. „Honigbienen halten ist keine Umweltschutzmaßnahme. Man rettet keine Insekten oder Bienen, indem man selbst Honigbienen hält. Dafür braucht es Lebensraum“, sagt sie. „Da kann jeder etwas tun und helfen: Lebensraum für Insekten im Garten schaffen und bewusster Lebensmittel einkaufen. Also regional und in Bio-Qualität.“

Auch Grünewald betont, es komme auf den genauen Standort an. Der Honig von Bienen in der Stadt und Bienen auf dem Land sei gleich gut und verträglich für den Menschen. Entscheidend sei die ausreichende Versorgung mit Nektar und Pollen und auch, ob und in welchem Maß Pflanzenschutzmittel eingesetzt würden.

Am Flughafen zumindest ist die Pflanzenvielfalt groß – und es gibt genug Platz für Flieger aller Art, egal ob groß und metallisch oder klein und gestreift.

Quelle: F.A.Z.
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