CDU in Frankfurt

Der Schneider-Effekt

EIN KOMMENTAR Von Martin Benninghoff
12.01.2022
, 22:12
Macht Platz für einen Nachfolger: CDU-Politiker Jan Schneider
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Die Frankfurter CDU sucht einen neuen Parteichef. Dass der Ehrenvorsitzende Udo Corts nun die Kandidatensuche moderiert, ist ein kluger Schachzug. Doch wie lange hält der Frieden?
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In der CDU gab es zuletzt den Merz-Effekt. Egal, wie man zu dem Sauerländer Friedrich Merz steht, am Ende war man froh, dass die Partei mit dessen Sieg bei der Mitgliederbefragung nach vorne schauen kann – und die Zeit der entnervenden Wahlniederlagenanalysen in den Hintergrund rückt. In Frankfurt dürfte das Phänomen künftig als Schneider-Effekt gerühmt werden. Denn dass der Kreisvorsitzende Jan Schneider ab­tritt und einem Nachfolger Platz macht, löst die Lähmung, in der sich die Partei seit der verpatzten Bundestagswahl befindet. Für die Erklärung hat er sich zwar reichlich Zeit genommen, aber sie kommt gerade noch rechtzeitig, um die Kandidatensuche vor dem Parteitag im März vernünftig über die Bühne zu bringen.

Dass der Ehrenvorsitzende Udo Corts die Gespräche mit den möglichen Kandidaten führen soll, ist ein geschickter Schachzug. Corts ist über die Flügel hinweg ein respektierter Ehrenvorsitzender, der mit allen Interessenten für die Nachfolge Schneiders ins Gespräch kommen kann. Sein Wort als interner „Bundespräsident“ hat Gewicht. Nicht nur sein Wort, sondern die bloße Anwesenheit diszipliniert das Führungspersonal und die möglichen Anwärter, die sich wahrlich nicht alle grün sind. Nicht unproblematisch ist allerdings, dass Uwe Becker Teil der „Findungskommission“ ist, da er selbst zum Kreis der Kandidaten gehört. Das könnte Wasser auf die Mühlen derer sein, die hinter politischen Sondierungen Hinterzimmermauscheleien wittern, so auch sicherlich bei dieser.

An deren Adresse sei aber gesagt, dass nicht jede Sondierung – und eine solche ist die Kandidatensuche – auf offener Bühne stattfinden muss. Vertrauensvolle Gespräche kann man sogar oftmals besser hinter verschlossenen Türen führen. Allerdings sollte die CDU im zweiten Schritt dafür sorgen, dass der Personalvorschlag oder die Vorschläge bis zum Parteitag und dann erst recht bei der Wahl selbst möglichst offen diskutiert werden. Und nicht zuletzt auch die Inhalte, denn eine Frage ist unbeantwortet: Wie will die CDU künftig wieder Wahlen gewinnen?

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Quelle: F.A.Z.
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