15-Kilometer-Regel greift

Bayern überholt Hessen bei Impfquote pro Kopf

Von Thorsten Winter
11.01.2021
, 15:30
An diesem Montag treten die verschärften Corona-Vorgaben in Kraft. In vier Kreisen dürften die Menschen das zu spüren bekommen. Begleitend kommen überschaubare neue Corona-Daten, das ist aber die übliche „Montagsdelle“.

Die Impftrupps haben in Hessen seit Freitag fast 6000 weiteren Personen eine vorbeugende Spritze gegen das Coronavirus gegeben. Das geht aus aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts hervor. 8,6 von 1000 Hessinnen und Hessen sind demnach bisher geimpft. Einen höheren Anteil weisen unter den Flächenländern Schleswig-Holstein und nun auch Bayern im Westen sowie Mecklenburg-Vorpommern als Tabellenführer (15,6) und Sachsen-Anhalt auf. Allerdings liegen auch Berlin und Bremen sowie das Saarland liegen vor Hessen, Rheinland-Pfalz holt auf und kommt auf 7,3. Das ist ein Zehntel unter dem Durchschnitt im Bund.

Hessen über 80 Jahre sollen vom 19. Januar an geimpft werden und können sich vom 12. Januar an einen Termin sichern. Zudem verschickt das Land bald Menschen über 60 Jahre Gutscheine für FFP2-Masken. In den Genuss kommen auch Jüngere mit chronischen Erkrankungen. Rund 168.800 der insgesamt 310 700 pflegebedürftigen Personen sind 80 Jahre oder älter. 127.400 Pflegebedürftige ab 80 Jahren lebten nicht in Pflegeeinrichtungen, wie das Sozialministerium mitteilt.

Vier Landkreise in Hessen liegen über der Marke von 200 innerhalb der von sieben Tagen gemeldeten neuen positiven Corona-Tests unter 100.000 Einwohnern. In der Folge droht, dass die Menschen fortan die neue 15-Kilometer-Regel beachten müssen. Von bestimmten Ausnahmen wie Fahrten zur und von der Arbeit oder zum Arzt gilt der beschränkte Aktionsradius, wenn anhaltend binnen Wochenfrist mehr als 200 neue positive Corona-Tests in ihrem Landkreis eingelaufen sind. Der Landkreis Gießen etwa hat „stichprobenartige Kontrollen“ dazu angekündigt. Für die meisten Schülerinnen und Schüler gibt es keinen Unterricht in den Schulen. Von Dienstag an können Menschen über 80 einen Impftermin vereinbaren. Das Land schreibt sie an.

Begleitet werden die verschärften Vorgaben von überschaubaren neuen Corona-Zahlen für Hessen aus dem RKI. 561 bestätigte Corona-Infektionen sind demnach über Nacht hinzugekommen. Vor einer Woche waren 406, zum Sonntag hat das RKI noch 1366 neue Fälle und auch an den Tagen davor vierstellige Neuinfektionen gemeldet. Niedrigere Zahlen zu Wochenbeginn sind eher die Regel als die Ausnahme. Diese „Montagsdelle“ hängt mit dem Meldeverzug auf der Seite der Gesundheitsämter zusammen, zudem werten Labore an Wochenenden weniger Tests aus als unter der Woche, wie es heißt.

Nach 22 weiteren Todesfällen in Zusammenhang mit der Pandemie meldet das für die Seuchenbekämpfung zuständige Berliner Institut nun 30. Der bisherige Tageshöchstwert beträgt 134. Seit Beginn der Pandemie sind offiziell 3515 Menschen in Hessen an oder mit Covid-19 gestorben. Bis Anfang Dezember waren es 1268 gewesen. Die seit März bestätigten Fälle summieren sich auf 150.790 nach 88.000 zum 1. Dezember.

Landkreis Fulda der Hotspot

Der Landkreis Fulda ist derzeit von der Pandemie in Hessen am stärksten betroffen. Das Sozialministerium weist 359 binnen Wochenfrist gemeldete positive Tests unter 100.000 Einwohnern dort aus. Die zweithöchste Inzidenz in Hessen hat der Vogelsberg mit 273, gefolgt von Kreis Limburg-Weilburg mit 265 und dem Landkreis Gießen mit 250. In beiden Kreisen müssen die Menschen nun den beschränkten Aktionsradius beachten. Im Vogelsberg greift die 15-Kilometer-Regel zusätzlich zu den nächtlichen Ausgangssperren und den ganztägigen öffentlichen Alkoholverboten frühestens von Mittwoch an.

Der Kreis Fulda wartet noch ab. „Es ist mitnichten so, dass sich dann niemand mehr weiter als 15 Kilometer von seinem Wohnsitz entfernen darf“, zitiert der Kreis seinen Landrat Bernd Woide am Montag. Ausschließliches Ziel der 15-Kilometer-Regel sei es, den Tagestourismus einzuschränken, um dadurch an den jeweiligen touristischen Orten Kontakte zu reduzieren. „Im Landkreis Fulda betrifft das in erster Linie den Besucherandrang in der Rhön, speziell auf der Wasserkuppe. Diese Kontaktreduzierung haben wir am Wochenende ganz konkret durch die Sperrung von Straßen und Parkplätzen erreicht“, so Woide. Gesundheitsdezernent Federick Schmitt lässt zu den Ursachen der hohen Inzidenz wissen, „ dass die überwiegende Zahl der Ansteckungen zumeist im privaten Umfeld beziehungsweise sehr häufig im selben Haushalt erfolgt ist“.

Alle anderen Kreise mit Ausnahme von Hersfeld-Rotenburg sowie alle kreisfreien Städte liegen ziemlich weit entfernt von der Inzidenz-Marke 200, wobei Offenbach nach einem Anstieg auf 185 kommt. Eine weitere Ausnahme bildet die Stadt Hanau; dort gelten weiter verschärfte Vorgaben, anders als im Main-Kinzig-Kreis, dem die Stadt angehört.

Die teils verschärften Corona-Regeln gelten zunächst bis zum 31. Januar. Demnach dürfen sich künftig nur noch Angehörige eines Haushalts mit maximal einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person im öffentlichen Raum treffen. Bislang galt, dass der Aufenthalt im öffentlichen Raum nur alleine, mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes bis zu einer Gruppengröße von höchstens fünf Menschen gestattet ist. Dazugehörige Kinder bis zum Alter von einschließlich 14 Jahren blieben unberücksichtigt, das ist künftig nicht mehr so. Für Schülerinnen und Schüler fällt der Unterricht im Klassenzimmer wegen der Pandemie bis Ende Januar weitgehend weg. Nach dem Beschluss des Corona-Kabinetts der Landesregierung müssen die Kinder der Klassen 1 bis 6 bis zum 31. Januar zum Lernen nicht an die Schulen kommen.

In Corona-Hotspots mit einer anhaltend hohen Sieben-Tages-Inzidenz von mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner mussten die Kommunen bislang schon nächtliche Ausgangsbeschränkungen erlassen. Von Montag an sollen dort auch touristische Tagesausflüge unterbunden werden. Für Menschen, die in einem Corona-Hotspot leben, wird die Bewegungsfreiheit für Freizeitaktivitäten auf einen Radius von 15 Kilometer rund um die Wohnanschrift beschränkt, wie die Deutsche Presse-Agentur weiter erläutert. Die Regelung gilt ausdrücklich nicht für den Weg zur Arbeit oder beispielsweise für einen längeren Weg zum Arzt.

Zahlreiche Geschäfte bleiben ebenso geschlossen wie Freizeit- und Kultureinrichtungen, Friseure eingeschlossen. Es gilt eine weitreichende Maskenpflicht, unter anderem in Geschäften, Bussen und Bahnen sowie in einigen Fußgängerzonen. Besuche in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen bleiben unter strengen Vorgaben möglich, so die dpa weiter.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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