Umfrage unter jungen Leuten

Angst vor der Zukunft wegen Corona

Von Sascha Zoske
10.12.2020
, 15:26
Der Pandemie-Frust unter jungen Menschen ist groß: Das zeigt eine Umfrage von Forschern der Unis Frankfurt und Hildesheim. Trotzdem halten sich die meisten an die Regeln. Von einer „Corona-Jugend“ wollen die Forscher nichts wissen.

Die Corona-Pandemie weckt Zukunftsängste bei vielen jungen Menschen. Das bestätigt die zweite bundesweite Online-Befragung „JuCo2“, deren Ergebnisse am Donnerstag veröffentlicht worden sind. Forscher der Universitäten Frankfurt und Hildesheim haben die jungen Leute befragt. Eine erste Studie dieser Art hatte es im Frühjahr geben.

Befragt haben sie mehr als 7.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 30 Jahren. Zwei Drittel von ihnen befanden sich in einer Ausbildung oder im Studium. Nahezu die Hälfte gab an, wegen der Corona-Krise Angst vor der Zukunft zu haben. Ein Drittel fühlte sich nach eigenem Bekunden einsam und belastet; rund 80 Prozent vermissten soziale Kontakte und Freizeitaktivität als Ausgleich zum Lernen. Viele fürchten zudem um Nebenjobs und finanzielle Unterstützung im Studium.

„Lernen zu Hause unglaublich schwergefallen“

Die Teilnehmer konnten auch Kommentare abgeben. Manche empfinden das Jahr 2020 als Zeitverschwendung, als ein Jahr im Wartezustand. Andere schreiben vom Lernen allein zu Hause, das ihnen „unglaublich schwergefallen“ sei, oder von belastenden psychischen Problemen in der Familie; wie „emotional ermüdend“ es sei, sich in der Schule ohne ausreichend Abstand unter vielen bewegen und dabei konzentriert für die nächste Klassenarbeit lernen zu müssen; wie einsam sie ohne ihre Freunde seien und „ohne alles, was Spaß macht“.

Trotzdem äußerten nur zehn Prozent der Befragten Zweifel an den Corona-Schutzvorgaben. Mehr als zwei Drittel halten die Regeln für sinnvoll und folgen ihnen. Allerdings forderten viele von ihnen, junge Menschen beim Ausarbeiten der Vorschriften stärker einzubeziehen. Fast 65 Prozent hatten den Eindruck, dass die Politiker wenig oder gar nicht auf die Sorgen der Jüngeren achteten.

Einige erleben stärkeren Zusammenhalt

Einige Umfrageteilnehmer konnten der Situation Gutes abgewinnen: Sie erlebten mehr sozialen Zusammenhalt und spürten, wie wichtig Zuwendung für ihre soziale und emotionale Entwicklung sei. „Für manche Jugendliche ist das Verwiesen-Sein auf die Familie und den häuslichen Raum ein Geschenk“, sagt die Frankfurter Familienforscherin Sabine Andresen. „Für andere kann die Situation aber sehr belastend sein, vor allem wenn auch für die Eltern das soziale Umfeld wegfällt und Unterstützungsnetzwerke nicht mehr wie bisher funktionieren“.

Die Rede von der „Coro­na-Jugend“, für die die Pandemie zu einer prägenden Erfahrung werden könnte, lehnen die Autoren der Studie vehement ab. „Wir halten diese Einschätzung für verfrüht, wenn nicht für politisch fatal. Denn noch haben wir es jugendpolitisch in der Hand, ob junge Menschen die Zeit der Corona-Pandemie als verlorene Zeit ansehen werden und ob sie sich als verlorene Jugendzeit in ihre generationale Erfahrung einschreiben wird.“

Link zur Publikation: : https://dx.doi.org/10.18442/163

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Zoske, Sascha
Sascha Zoske
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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