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Pilzbefall und Trockenheit

Das Sterben der Stadtbäume

Von Mechthild Harting
 - 18:42
Schwarzer Baumtod: Abgeplatzte Rinde und dunkle Flecken am Stamm sind die typischen Zeichen der Rußrindenkrankheit.

Wegen der anhaltenden Trockenheit verzichtet die Stadt Frankfurt in den nächsten Wochen darauf, Bäume an Straßen und in Parks nachzupflanzen. Dabei wäre das dringend nötig. Denn die Stadt muss derzeit rund doppelt so viele Bäume fällen wie in den Vorjahren. Die Bäume, einige davon sind bis zu hundert Jahre alt, sind nicht mehr zu retten. Nach dem heißen und trockenen Sommer 2018 sind inzwischen viele Bäume krank, von Schädlingen befallen, oder sie sterben wegen des Wassermangels einfach ab.

Allein im großen und bei den Frankfurtern äußerst beliebten Grüneburgpark im Westend stehen aktuell 40 Bäume auf der Liste der Gehölze, die gefällt werden müssen. Vier Ahornbäume, die die für den Menschen gefährliche Rußrindenkrankheit hatten, sind bereits gefällt worden. In den kommenden Tagen folgen 36 weitere Bäume, darunter Fichten und Buchen, die eigentlich als robust gelten, ein 45 Jahre alter Amerikanischer Tulpenbaum und eine 64 Jahre alte Scheinzypresse.

Fünfmal so viele Bäume abgeholzt

„Wir machen uns große Sorgen um unsere Baumbestände“, sagt die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen). Die Dezernentin weist darauf hin, dass der Grüneburgpark nur ein Beispiel für die Entwicklung sei, die sich in allen Grünanlagen beobachten lasse. So seien im Heinrich-Kraft-Park im Riederwald in den vergangenen Monaten mehr als fünfmal so viele Bäume abgeholzt worden wie sonst. Diese seien krank gewesen und hätten eine Gefahr für die Besucher dargestellt, da sie nicht mehr standsicher gewesen seien. Auch im Stadtwald müssen ganze Bestände gefällt werden, dort wütet der Borkenkäfer.

In anderen Teilen des Rhein-Main-Gebiets kämpfen Städte und Kreise ebenfalls gegen das Sterben der Bäume, vor allem in den Wäldern. In Darmstadt hat der Magistrat deswegen entschieden, einen Runden Tisch „Wald“ ins Leben zu rufen. Im Oktober soll der seine Arbeit aufnehmen, denn im Darmstädter Westwald gelingt es derzeit nicht einmal mehr, neu gepflanzte Bäume großzuziehen, es sei denn, diese werden im Wald gewässert.

„Das Einzige, was uns retten würde, das wäre Regen, Regen, Regen“, sagt Heilig. Frankfurt fehlten drei bis vier Monate Niederschlag. Zudem sei die Stadt, und dort insbesondere das Westend, im vergangenen Jahr im Schnitt der wärmste Ort in Deutschland gewesen. „Der Klimawandel ist da, und wir stecken mittendrin.“ Konsequenzen will Heilig in Absprache mit Grünflächenamtschef Stephan Heldmann insofern ziehen, als dass die Stadt künftig beim Aufforsten verstärkt auf neue Baumarten setzen wird, die Hitze und Trockenheit, aber auch die für Mitteleuropa typischen Spätfröste besser vertragen. Zu diesen neuen Baumarten zählen der aus Nordamerika stammende Amberbaum, die Ungarische Eiche oder Ulmenarten, die gegen die Ulmenkrankheit resistent sind. Auch der Feldahorn habe sich als tauglich erwiesen.

Rußrindenkrankheit breitet sich aus

Schon seit einigen Jahren beobachtet das Grünflächenamt, dass die vor Jahrzehnten noch häufig gepflanzten Robinien die heißen, trockenen Sommer in der Stadt nicht mehr gut vertragen. „Dass wir durch die Rußrindenkrankheit plötzlich Ahornbäume in so drastischer Zahl verlieren würden, damit war auch nicht zu rechnen“, sagt Heilig. Und ergänzt: „Wir gehen mit den Fällungen nicht leicht um.“

Das Grünflächenamt mit seinen 25 Baumpflegern und Baumkontrolleuren, die die 200.000 Bäume der Stadt im Blick haben, beobachtete jede Veränderung genau. Heilig stellte in Aussicht, die Stadt werde weitere Kontrolleure einstellen, um rechtzeitig handeln zu können. Zudem sei es sinnvoll, dass die Pfleger die Bäume über einen längeren Zeitraum beobachteten. So könnten sie einschätzen, ob es sich noch lohne, den Baum zurückzuschneiden. Wie das Grünflächenamt mitteilte, sind im ersten Halbjahr 2019 bereits zwei Millionen Euro für Baumarbeiten inklusive Fällungen ausgegeben worden. Im ersten Halbjahr 2018 habe das Amt nur 1,2 Millionen Euro aufbringen müssen.

Der Verzicht auf die Pflanzung von Jungbäumen ist eine weitere Reaktion auf den fehlenden Regen. Die Stadt gießt die 500 bis 1500 Jungbäume, die jedes Jahr gepflanzt werden, in der Regel die ersten fünf Jahre. Im vergangenen Jahr mussten die jungen Bäume extrem häufig gegossen werden. Und selbst die etwas ältere Baumgeneration benötigte Extrarationen an Wasser. Am Ende musste die Stadt fast eine halbe Million Euro nur für das zusätzliche Wässern aufbringen.

Um nicht noch weitere Jungbäume in Dauerpflege nehmen zu müssen, wird das Grünflächenamt voraussichtlich erst wieder im Herbst neue Bäume pflanzen, um die in diesem Jahr entstandenen Lücken im Bestand zu schließen. „Wiederanpflanzungen ergeben im Augenblick keinen Sinn“, sagt Heilig. Denn ohne ausgiebiges Wässern „haben junge Bäume keine Überlebenschancen“.

Quelle: F.A.Z.
Mechthild Harting - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Mechthild Harting
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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