Geldautomaten-Betrug

Der Kunde tippt, der Betrüger liest mit

Von Katharina Iskandar
11.06.2007
, 15:27
„Skimming“ ist eine neue Art von Betrug am Geldautomaten. Kundendaten werden ausgespäht, indem die Täter eigene Karteneinzüge und Tastaturen an den Automaten anbringen. In Frankfurt sind schon mehr als 500 Fälle bekannt geworden.
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Es war nichts Auffälliges an dem Geldautomaten, der in der Außenwand eines Bankhauses an der Konstablerwache eingelassen war. Nichts, was die Kunden hätte stutzig machen müssen. Sie haben wie üblich ihre Karte in das Lesegerät gesteckt, die PIN eingegeben.

Dass ihre Daten just in diesem Moment per W-Lan an einen Unbekannten gesendet wurde, der mit seinem Laptop womöglich nur wenige Meter nebenan im Café gesessen hat, konnten die Bankkunden nicht ahnen. Das Gaunerstück flog wenige Tage später auf: Da waren ihre Konten schon leergeräumt.

Polizei: Die Fallzahlen steigen stetig

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„Skimming“ – das Wort bedeutet Abschöpfen – nennt die Polizei diese Art von Betrug. Kundendaten werden ausgespäht, indem die Täter eigene Karteneinzüge und Tastaturen an den Automaten anbringen. Sobald die Karte eingeschoben wird, werden die auf dem Magnetstreifen gespeicherten Kontodaten abgelesen und per Funk an die Täter übermittelt, ebenso wie die auf der falschen Tastatur eingegebene PIN. Anschließend werden die Kontodaten auf Kartenrohlinge, sogenannte White Plastics kopiert. Danach ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Täter davon Gebrauch machen.

Mehr als 500 Fälle hat es laut Polizei schon in Frankfurt gegeben, die meisten an jenem Automaten an der Konstablerwache. Im gesamten Bundesgebiet wurden im vergangenen Jahr 2990 Skimming-Taten gezählt – rund 26 Prozent mehr als noch 2005. „Die Fallzahlen steigen stetig“, sagt Reinhold Hepp, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Die aufgesetzten Lesegeräte und Tastaturen seien in der Regel so gut nachgebaut, dass es dem Laien kaum auffalle.

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In fast allen Frankfurter Fällen wurden Geldautomaten manipuliert, die sich an Außenfassaden befinden und nicht mit einer eigenen Kamera überwacht werden. Erst kürzlich hat die Polizei zwei Rumänen festgenommen, die offenbar zu einer international operierenden Skimming-Bande gehören. Sie hatten sich in den frühen Morgenstunden an dem Automaten an der Konstablerwache zu schaffen gemacht. Nur dank der Kameras, die an dem Platz aufgestellt sind, konnten die Täter später ermittelt werden. „Ein Glücksfall“, sagt Gerhard Ruhl vom zuständigen Kommissariat für bargeldlosen Zahlungsverkehr. Videoüberwachung sei für die Ermittler „die einzige Chance, um den Banden auf die Schliche zu kommen“.

Aufklärung durch Aufkleber

Obwohl mittlerweile die Polizeibehörden fast aller europäischen Länder nach den Skimming-Banden fahnden, gibt es nur wenig Informationen über die Tätergruppen. Fest stehe, dass sie fast ausnahmslos aus Rumänien kämen, sagt Ruhl. Durch den Austausch mit ausländischen Behörden wüssten die Ermittler außerdem, dass die Banden durch ganz Europa reisten. Unklar ist der Polizei, wie die Täter es schaffen, die Apparaturen originalgetreu nachzubauen. Die Beamten vermuten, dass sie ausgemusterte Automaten aufkaufen und die einzelnen Bauteile kopieren. „Irgendwie müssen die ja herausfinden, wie die Automaten im Einzelnen beschaffen sind“, meint Ruhl.

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Mittlerweile sind auch die Banken wachsam geworden. Die Frankfurter Sparkasse hat Blenden an den Karteneinzügen einbauen lassen, so dass erst gar kein Aufsatz montiert werden kann. Zudem, sagt Sparkassen-Sprecher Sven Matthiesen, habe man Aufkleber angebracht, um die Kunden zu warnen. Die Deutsche Bank überprüft nach Angaben von Unternehmenssprecher Michael Lermer ihre Automaten regelmäßig und klärt die Kunden mit Broschüren über Skimming auf. Dazu gehöre auch die Information, „dass der Kunde, wenn er nachweislich Opfer von Skimming wird, nicht haftet“.

Schutz vor Betrug am Automaten

Vor dem Geldabholen kurz die Umgebung betrachten. Vorsichtig sein, wenn jemand Kunden am Geldautomaten beobachtet oder sich mit einem Laptop in unmittelbarer Nähe aufhält.

Die äußere Beschaffenheit des Geldautomaten prüfen: Stimmen beispielsweise der Farbton, das Material des Karteneinzugs oder der Tastatur nicht mit dem des Automaten überein, könnte das ein Anzeichen für Skimming sein. Gleiches gilt, wenn der Automat alt wirkt, der Karteneinzug aber neu.

Im Zweifelsfall an den Apparaturen rütteln. Die falschen Kartenschlitze und Tastaturen sind in der Regel nur mit Klebeband befestigt. Bei Auffälligkeiten sofort die Polizei verständigen.

Den Automaten vor dem Geldabheben auch nach versteckten Kameras absuchen: Manche Skimmer filmen die PIN-Eingabe mit. Die Minikameras sind meistens am oberen Balken direkt über dem Eingabefeld angebracht, manchmal auch außerhalb des Automaten, etwa an Broschürenständern.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Iskandar, Katharina
Katharina Iskandar
Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.
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