Deutsches Filminstitut

Ein Spielplatz nur für Kino und Film

Von Eva-Maria Magel
13.01.2021
, 13:36
Das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum baut die frühkindliche kulturelle Bildung aus. Der „Filmspielplatz“ soll ab 2021 als Online-Plattform zugänglich sein.

Die Domain ist schon gesichert. Der „Filmspielplatz“ soll im Laufe des Jahres 2021 das Licht der Welt erblicken – als Online-Plattform. Zusammen mit der Deutschen Kinemathek Berlin wird das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum (DFF) damit erstmals auf einer digitalen, öffentlich zugänglichen Plattform Filmbildung für die Jüngsten anbieten.

Und im Grunde auch für die Erwachsenen. Sie können dort mit Kindern zwischen drei Jahren und dem Grundschulalter zehn Kurzfilme verschiedener Genres aus der gesamten Kinogeschichte ansehen, sie selbst analysieren und zu Hause eigene Filme mit Hilfe von Videoanleitungen drehen. Und schneiden lernen können sie auch. Bis zum Herbst soll dazu auch eine Moodle-Lernplattform in den „Filmspielplatz“ eingebettet werden, auf der Eltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen sowie andere Vermittlungspersonen sich fortbilden und austauschen können. Der Bestand an Kurzfilmen kann noch wachsen, die Rechte für seine Nutzung sind für eine längere Laufzeit gesichert. 143.000 Euro hat die Kulturstiftung des Bundes den Projektpartnern aus dem Förderprogramm „Dive in“ für neue Wege der Digitalisierung in Kulturinstitutionen bewilligt.

Ein Glücksfall, gerade jetzt, da viele Projekte, die vom engen Miteinander und Austausch leben, pausieren oder ins Digitale umgebaut werden mussten. „Die kulturelle Bildung nicht abbrechen zu lassen war uns sehr wichtig“, erläutert Christine Kopf, Leiterin der Abteilung Filmbildung und Ko-Verantwortliche für die strategische Entwicklung des DFF. Was zusammengehört.

Nicht nur Zeichentrick für Kinder

Denn in den vergangenen sieben Jahren hat gerade die Filmbildung am DFF einen enormen, auch internationalen Aufschwung genommen. Mittlerweile ist ein Frankfurter Erfolgsmodell international geworden: der MiniFilmclub, wie ihn Pioniere, unter anderem die Frankfurter Kita Grüne Soße in Sachsenhausen, über Jahre hinweg und in enger Kooperation des DFF mit Erziehern, Filmkünstlern und Kindern in Frankfurt erarbeitet haben. Entstanden sind Handreichungen, Methodik und nicht zuletzt eine Filmsammlung, die Grundlagen des Film- und Medienverständnisses schon für die Jüngsten bildet. Die Kinder kommen ins Kino, in kleinen Gruppen, lernen den Ort, seine Geschichte und Geschichten, das Material, Licht, Klang und Effekte kennen. Und das Kino kommt regelmäßig in die Kitas, wo die Kinder wiederum anderen Kindern das Filmerlebnis nahebringen. Wobei damit nicht eingängige Zeichentrickfilme gemeint sind, wie sie stundenlang in den Kinderprogrammen laufen.

Die Kinder des MiniFilmclubs schauen Experimentalfilme und frühe Stummfilme, sie kennen sich mit Musikfilm und Avantgarde aus, alles in Kurzfilmlänge und geeignet, ihnen schon früh ein Verständnis für das Medium zu vermitteln – zusätzlich zum ästhetischen Vergnügen. Sprachförderung, Musik und Rhythmik, Kommunikation, Analysefähigkeit, Gruppendynamik, ästhetische Bildung, all das kommt in der Filmbildung mit.

Wie eng Kunst, Pädagogik und Erlebnis miteinander verzahnt sind und wie genau differenziert Räume, Aufmerksamkeitsspannen und Wahrnehmung von Kindern nebst vielen anderen Aspekten berücksichtigt werden müssen, haben im Oktober, teilweise in Präsenz, zum großen Teil aber digital, gut 50 Filmwissenschaftler, Pädagogen, Kinobetreiber und Vermittler beim Frankfurter „Forum Frühkindliche Filmbildung“ diskutiert. Abschluss und Startrampe zugleich: Denn das Frankfurter Modellprojekt ist in den vergangenen drei Jahren zu einer ganzen Modellreihe namens „MiniFilmclub – Filmbildung für Vorschulkinder bundesweit“ geworden. Nun soll es weitere Städte umfassen. Der Standort Nürnberg sei „gerade noch vor dem Lockdown durchgekommen“, sagt Kopf. Kitas in Oberhausen und Bochum haben fertige Verträge und sollen starten, demnächst sollen weitere Städte hinzukommen. In Frankfurt selbst können bis zu sechs Kitas im Jahr am DFF teilnehmen, viele sind über Jahre hinweg dabei. „Wir hoffen, noch ein weiteres Frankfurter Kino zu gewinnen, denn mehr kann das DFF nicht anbieten“, sagt Kopf. Die Kitas zahlen die Kosten für das Projekt selbst. Mittlerweile gibt es das Fachbuch „Filmästhetik und Kinomagie – Erfahrungen mit dem MiniFilmclub“. Das Kurzfilmprogramm, mit dem der Club arbeitet, liegt als Filmedition vor und ist um etliche Werke erweitert worden.

Förderung durch die Europäische Union

„Wir haben im Pandemie-Jahr beweisen müssen, dass wir enorm flexibel sind“, so Kopf. Das sei gelungen, wenn auch nicht ohne Verluste: „Da die Gruppen aus Qualitätsgründen sehr klein sind, konnten wir mit acht Kindern ins Kino gehen.“ Vieles habe auch im Freien stattgefunden. Aber derzeit sei kein direktes Arbeiten möglich. „Wir haben festgestellt, dass die Kitas sich sehr freuen, wenn wir ihnen digitale Angebote an die Hand geben. Wir haben aber auch Exemplare der Laterna magica in die Einrichtungen geschickt“, erläutert Kopf. Eine Lehre sei, dass nicht alles ins Digitale verlagert werden könne, hybrides Arbeiten aber durchaus möglich sei. Die „außerschulischen Lernorte“ seien extrem wichtig, so Kopf. Und der Ort oder der Raum selbst, als „dritter Erzieher“, spiele ebenfalls eine große Rolle. Das falle derzeit weg.

Das Jahr 2020 hat nicht nur in dieser Hinsicht eine Zäsur markiert. Mit dem zweijährigen Projekt „Cinémini“, gefördert aus Mitteln der Europäischen Union, hatte das DFF mit internationalen Partnern schon von Beginn an auf Digitalität gesetzt. Es besteht aus einem online abrufbaren Katalog von 16 Kurzfilmen sowie Aktivitätskarten. Der Link ist an die beteiligten Kitas weitergegeben, er wird dieser Tage freigeschaltet.

Mit der Fortsetzung „Cinémini 2“ übernimmt das DFF nun auch die Projektkoordination und hat dafür zusammen mit seinen Partnern ein weiteres Mal Fördergelder der Europäischen Union in Höhe von gut 370.000 Euro eingeworben. Ziel soll es sein, möglichst vielen Kindern zwischen drei und sechs Jahren in ganz Europa Kurzfilme und Begleitmaterial zur Verfügung zu stellen. Parallel dazu gibt es Training für Pädagogen und Vermittler. Partner sind unter anderem das EYE Filmmuseum in den Niederlanden, das Österreichische Filmmuseum und die European Children’s Film Association.

Weitere Informationen zum Angebot gibt es unter dff.film/bildung.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Magel, Eva-Maria
Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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