Dichtere Taktung

RMV baut Angebot trotz Pandemie aus

Von Mechthild Harting
06.11.2020
, 17:23
„Ein riesengroßes Anliegen“: S-Bahnen im Ballungsraum sollen nach den Zielen des RMV künftig pünktlicher fahren.
Häufiger längere Züge einsetzen für mehr Sicherheitsgefühl: Trotz Corona-Krise sollen zum Fahrplanwechsel mehrere Regionalzüge im Rhein-Main-Gebiet im dichteren Takt fahren. Das Ziel des RMV bleibt pünktlichere S-Bahnen.
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Der Rhein-Main-Verkehrsverbund will trotz der Corona-Krise sein Angebot weiter ausbauen. Wie RMV-Geschäftsführer Klaus Ringat am Freitag mitteilte, hält der Verkehrsverbund im aktuellen, „hoffentlich temporären“ Lockdown am vollen Fahrplanangebot fest und will zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember noch häufiger längere Züge einsetzen, um das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu erhöhen. Zudem fahren künftig mehrere Regionallinien auf der Schiene in einem dichteren Takt, und es wird neue Schnellbuslinien geben. „Wenn wir jetzt Leistungen kürzen, braucht es Jahre, das Leistungsangebot wieder hochzufahren“, sagte Ringat.

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Die Auslastung in Bussen und Bahnen liege derzeit bei 65 Prozent. Ringat erwartet, dass es „noch zwei bis drei Jahre“ dauern werde, ehe der Rhein-Main-Verkehrsverbund wieder die Fahrgastzahlen habe wie vor Corona. Nach Ende der Pandemie werde sich die Nachfrage erholen, allerdings müsse der RMV sensibel auf Veränderungen reagieren. Berücksichtigt werden müsse, dass künftig sicher mehr Menschen im Homeoffice arbeiteten.

Der RMV hatte Ende August mit einem „Prepaid-Rabatt“ darauf reagiert, da sich Monatskarten für viele nicht mehr rentieren. Wer auf seinem Kundenkonto 40 Euro einzahlt, erhält beim Kauf jeder Fahrkarte 20 Prozent Rabatt. Das Angebot komme gut an, so der RMV. Mehr als 7000 Fahrgäste nutzten es bereits. Insgesamt habe die Corona-Krise gezeigt, dass der öffentliche Nahverkehr systemrelevant sei. Das von Bund und Land bereitgestellte Geld reiche, um die Liquidität der Verkehrsunternehmen zu sichern.

„Sorgenkind“ bleibt die S2

Für den Ballungsraum hat der RMV das Ziel, künftig pünktlicher zu fahren. „Das ist in Bezug auf die S-Bahnen ein riesengroßes Anliegen“, sagte Ringat und machte damit deutlich, dass er um die häufigen Klagen wegen der zum Teil erheblichen Verspätungen weiß. Der RMV setze bereits 14 zusätzliche Fahrzeuge ein, sieben weitere folgten bis Februar 2023. Entscheidend sei, dass die S-Bahnen am Ausgangsbahnhof pünktlich starteten. Dafür sei die „überschlagene Wende“ maßgeblich. Das heißt, an der Endhaltestelle muss ein weiterer Zug bereitstehen, um pünktlich losfahren zu können. Für die S1 von Wiesbaden nach Rödermark sowie die S8 von Wiesbaden nach Hanau werde bereits so verfahren. Das steigere die Abfahrtspünktlichkeit von 90 beziehungsweise 96 auf 98 Prozent. „Sorgenkind“ bleibe die S2 von Niedernhausen nach Dietzenbach, dort müsse baulich einiges verändert werden. In zwei bis drei Jahren gebe es auch dort die „überschlagene Wende“.

Zum Fahrplanwechsel weitet der RMV den 30-Minuten-Takt auf Regionalbahnverbindungen in Mittel- und Osthessen aus, etwa von Marburg nach Gießen und von Gießen nach Fulda. Zusätzlich werden drei neue Schnellbuslinien, sogenannte X-Bus-Linien, in Mittelhessen geschaffen. Die Busse fahren zwischen 6 und 22Uhr mindestens im Stundentakt, um das Angebot im ländlichen Raum zu verbessern. Die X-Bus-Linien, die erste wurde 2014 als Pilotversuch gestartet, haben sich Ringat zufolge auch im Ballungsraum bewährt. Das Netz wächst zum neuen Fahrplan auf insgesamt 22 Linien. Vor Corona hätten mehr als 25000 Fahrgäste dieses Angebot genutzt, das seien mehr als 1000 Personen pro Linie und Tag.

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Quelle: F.A.Z.
Mechthild Harting - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Mechthild Harting
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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