Stumpfeldt neuer Chef

Doppelspitze der Frankfurter Grünen wieder komplett

Von Mechthild Harting
04.12.2021
, 16:29
Neuer Ko-Vorsitzender der Frankfurter Grünen: Götz von Stumpfeldt
Mit knapp 52 Prozent der Stimmen haben die Frankfurter Grünen Götz von Stumpfeldt zu ihrem Ko-Vorsitzenden gewählt. Der Politologe bildet mit Julia Frank die neue Doppelspitze.
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Die Frankfurter Grünen haben an diesem Samstag Götz von Stumpfeldt zum neuen Vorsitzenden ihrer Partei gewählt. Der 56 Jahre alte Politikwissenschaftler erhielt 84 von 163 abgegebenen Stimmen. Damit wurde er mit knapp 52 Prozent der Stimmen gewählt und bildet fortan zusammen mit Julia Frank das Sprecherteam der Grünen in Frankfurt. Klaus Lengefeld, der sich ebenfalls um den Posten des Parteisprechers beworben hatte, erhielt dagegen nur 62 oder 38 Prozent der Stimmen. Acht Mitglieder stimmten mit Nein, neun enthielten sich der Stimme.

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Die Wahl für den zweiten Sprecherposten war notwendig geworden, nachdem der im Juni gewählte Daniel Frank, der zufällig den gleichen Familiennamen trägt wie Sprecherin Julia Frank, überraschend Anfang Oktober zurückgetreten war. Er hatte sich in alkoholisiertem Zustand auf einer Party am Abend der für die Frankfurter Grünen sehr erfolgreichen Bundestagswahl „grenzüberschreitend“ gegenüber Parteimitgliedern verhalten. Die Frankfurter Grünen haben aus diesem Anlass damit begonnen, ein Sexismus-Statut zu erarbeiten.

Im Mainzer Umweltministerium tätig

In Person von Stumpfeldt haben die Grünen zwar einen relativen Frankfurt-Neuling gewählt. Stumpfeldt wohnt erst seit zweieinhalb Jahren in Sachsenhausen, doch hinter ihm liegt eine längere ehrenamtliche und hauptberufliche Parteikarriere. Zuletzt war er im rheinland-pfälzischen Umweltministerium tätig. Derzeit arbeitet er bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Stumpfeldt lobte den in Frankfurt ausgehandelten Koalitionsvertrag von Grünen, SPD, FDP und Volt sowie die „starke und bunte Fraktion“, die es seitens der Grünen im Römer gebe. Doch die im Koalitionsvertrag benannten Ziele „müssen auch wir als Partei umsetzen“, sagt Stumpfeldt in seiner Bewerbungsrede. „Das wird kein Spaziergang“, stattdessen erwarte er „harte gesellschaftliche Auseinandersetzungen“. Umso wichtiger sei die enge Zusammenarbeit von Parteivorstand, Stadtteilgruppen und Ortsbeiräten, so wie es Julia Frank bereits angestoßen habe.

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Nach seiner „Herzensangelegenheit“ befragt, kündigte Stumpfeldt an, sich für ein „klares Monitoring“ einzusetzen, um die Ergebnisse der Klimaschutzziele auf den Emissionsausstoß transparent zu machen. Und nach der Wahl ergänzte er: „Ich möchte für euch ein guter Vorsitzender sein.“

Nouripour sieht „Historisches“

Zuvor hatte Bundestagsabgeordneter Omid Nouripour über die Verhandlungen für den Koalitionsvertrag in Berlin berichtet und bei den Mitgliedern um Zustimmung geworben. Im Vertrag sei viel „Großartiges und Historisches“ enthalten, sagte Nouripour. Er verwies darauf, dass erstmals ein Rüstungskontrollgesetz verabredet sei.

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Aber er wisse auch, dass gerade beim Thema Verkehr mehr notwendig sei als verabredet, um das 1,5-Grad-Klimaziel zu erreichen. Es sei nun Aufgabe der Grünen-Verkehrspolitiker in der Fraktion „hart dagegen zu halten“, wenn die FDP sich nicht an Verabredungen halten sollte. Dass sich der designierte Verkehrsminister Volker Wissing direkt nach seiner Nominierung durch die FDP für die Interessen der Autofahrer ausgesprochen habe, „war ein Foul“.

Die Grünen-Fraktion werde künftig jedes Mal bei einem solchen Verhalten aufmerken und reagieren. Als Koalition müsse man versuchen, Kompromisse zu finden, die für alle eine tragbare Lösung darstellten und dies auch so „zu verkaufen“, damit Vertrauen entstehen könne. „Das ist die Grundlage für die Zusammenarbeit in den nächsten vier Jahren.“

Quelle: FAZ.NET
Mechthild Harting - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Mechthild Harting
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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