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Endlich schnelles Internet

Brexit macht Beine

Von Thorsten Winter
 - 05:01

Eine Oase der Ruhe inmitten der Großstadt. Herrlich – vor allem in Frankfurt, wo doch Plätze dieser Art im Schatten der Bankentürme rar sind. Weniger herrlich ist es, wider Willen in einer Oase der Ruhe den Arbeitsalltag zu erleben. Abgehängt zu sein, während um einen herum der Verkehr tost. Und erfolglos zu versuchen, am Geschwindigkeitsrausch der anderen teilzuhaben. Jener Zeitgenossen, die im Internet in den Genuss Hunderter Megabit kommen. Diese Nöte kennen Daniel Nicolai und Caroline Winter zur Genüge. „Mitten im Herzen Frankfurts sind nur Geschwindigkeiten aus dem letzten Jahrhundert darstellbar“, klagte Nicolai als Intendant des English Theatre im Mai vergangenen Jahres.

Da lagen hinter ihm und Öffentlichkeitsarbeiterin Winter diverse Anläufe, in der deutschen Internethauptstadt an ein schnelles Netz angedockt zu werden. Doch seit ein paar Tagen sind Nicolai und Winter dienstlich online nicht mehr im Schneckentempo unterwegs. Gerade noch rechtzeitig vor der nahenden Abstimmung im britischen Unterhaus über den Brexit: Gilt das English Theatre im Wettbewerb um die Ansiedlung von Firmen aus dem Vereinigten Königreich doch als weicher Standortfaktor. Da macht sich ein lahmes Netz nicht gut.

Glasfasern zum Greifen nahe

Ob Deutsche Telekom, Vodafone oder andere Branchenspieler: Alle hatten sie vor nicht allzu langer Zeit abgewinkt. Ein solcher Zugang sei nicht möglich, hieß es. Obwohl in der Nachbarschaft rasend schnell gesurft wird. Denn welche Bank leistet sich schon langsame Netze? Zumal der Standort gegenüber der alten EZB von Glasfaserkabeln, also den Lebensadern des schnellen Internets, nur so durchzogen ist. Das größte englischsprachige Theater in Kontinentaleuropa war zwar mittendrin, aber doch nur Zaungast, wenn es um schnelles Surfen ging.

Immerhin hat der Mangel den Theatermachern zu kreativen Höhenflügen der anderen Art verholfen. Auf der Suche nach schnellen Netzen wurden sie bei Mitarbeitern fündig, die daheim in Darmstadt oder anderswo die Daten für die Theater-Homepage hochluden. Diesem Zweck dienten auch Fahrten von Winter per Rad zum Stadtmarketing-Büro, in dem sie dann einen zuvor bestückten USB-Stick zückte. Dank dieser Velo-Trips durch die halbe Stadt musste sich um ihre Fitness keine Gedanken machen.

Colt sei dank

Doch dies änderte nichts daran, dass das langsame Netz dem Image schadete. Gästen aus dem Ausland bedeuten zu müssen, ja nicht das W-Lan im Theater zu überlasten – einfach peinlich. Vom immer wichtiger werdenden Eintrittskartenverkauf über das Internet gar nicht zu reden. „Der Kontakt zu unserem Kernpublikum, das sind mehr als 70.000 Menschen in der Region, und der gesamte Kartenverkauf sind von der Internetverbindung abhängig“, gibt Nicolai zu bedenken. Und dann die ruckeligen Echtzeitverbindungen zu Theaterproben in London – noch ein Ärgernis.

All das haben Nicolai und Winter in dieser Zeitung vor gut sieben Monaten kundgetan. Und sind auf offene Ohren gestoßen. Ein Telekom-Konzern hat ihnen jetzt zum ersehnten Anschluss verholfen. Aber nicht der Riese aus Bonn. Sondern Colt. Das Kürzel steht für City of London Telecommunications.

Quelle: F.A.Z.
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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