FAZ plus ArtikelFernbahntunnel Frankfurt

Warum es 20 Jahre bis zum ersten Zug dauert

Von Ralf Euler, Frankfurt
14.07.2021
, 08:00
Ein neuer Tunnel soll Entlastung bringen: Das Gleisvorfeld des Frankfurter Hauptbahnhofs.
In Frankfurt soll ein Teil des Fernbahnverkehrs spätestens 2040 unter der Erde rollen. Die Freude über das Milliardenprojekt ist groß. Aber warum dauert das eigentlich so lange?

Das Auto ist und bleibt der Deutschen liebstes Verkehrsmittel. Für den Juni dieses Jahres meldete das Kraftfahrtbundesamt rund 274.000 Neuzulassungen; ein Viertel mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Zahl der Kraftfahrzeuge auf den Straßen der Republik nimmt weiter zu, die Zahl der Personenwagen je 1000 Menschen lag im Jahr 2010 bei 504 und wird Ende dieses Jahres Prognosen zufolge 580 erreichen. Die Analyse der Neuzulassungsdaten zeigt aber auch, dass, nach Jahren, in denen der durchschnittliche Neuwagenkäufer immer älter wurde, nun vor allem jüngere Menschen wieder den Wert eines eigenen Autos zu schätzen wissen. Anders als die Fridays-for-Future-Bewegung und die allgegenwärtigen Debatten über Klimawandel und Luftverschmutzung vermuten lassen, kommen Busse, Bahnen und Fahrräder selbst beim mobilen Nachwuchs offensichtlich nicht besonders gut an.

Allerdings stellt sich die Frage, worin der anhaltende Trend zum eigenen Kraftfahrzeug in erster Linie begründet sein könnte. Ist es der durch die Corona-Beschränkungen verstärkte Drang junger Menschen zu möglichst großer Bewegungsfreiheit, verbunden mit dem in allen Altersschichten verbreiteten Hang zur Bequemlichkeit? Oder ist es vielleicht eher der Mangel an attraktiven Alternativen - an ausreichenden, schnellen, zuverlässigen und preisgünstigen Bus- und Bahnangeboten und reizvollen Radwegeverbindungen, der die Jugend nach Erreichen der Volljährigkeit wieder vermehrt ans Steuer eines eigenen Kraftfahrzeugs treibt? Zumal die stetig wachsende Zahl neuer Automodelle mit Elektroantrieb den trügerischen Eindruck erwecken könnte, das individuell-motorisierte Fahrerlebnis sei ohne negativen Einfluss auf die Umwelt und folglich ohne schlechtes Gewissen vorstellbar.

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Quelle: F.A.S.
Ralf Euler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ralf Euler
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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