Fettsucht

Wenn alle Diätpläne versagen, kann nur der Chirurg helfen

06.06.2004
, 20:26
Extremes Übergewicht macht den Alltag für die Betroffenen zur Qual. Oft können sie kaum aufstehen, bewegen sich nur noch kriechend zwischen Bett und Toilette. Müssen solche Menschen ins Krankenhaus, rückt mitunter die Feuerwehr an, um sie über das Fenster aus ihrer Wohnung zu holen.
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Extremes Übergewicht macht den Alltag für die Betroffenen zur Qual. Oft können sie kaum aufstehen, bewegen sich nur noch kriechend zwischen Bett und Toilette. Müssen solche Menschen ins Krankenhaus, rückt mitunter die Feuerwehr an, um sie über das Fenster aus ihrer Wohnung zu holen. "Manchmal werden die Patienten mit dem Lastwagen gebracht", berichtet Hermann Lampe, plastischer Chirurg am Frankfurter Bethanienkrankenhaus. Erschreckenderweise nehme die Zahl außergewöhnlich dicker Menschen mit einem Body Mass Index jenseits von 40 zu. Jeder hundertste Bürger in Deutschland leide an einer lebensbedrohlichen Adipositas. Gefährlich sei es zum Beispiel schon, wenn eine 1,60 Meter große Frau 104 Kilogramm wiege.

Solchen Patienten soll in dem am Samstag eröffneten Adipositas-Zentrum in Frankfurt geholfen werden. In der neuen Einrichtung der Diakoniekliniken am Bethanienkrankenhaus (Anmeldung unter der Telefonnummer 069/4608-448) sind neben Psychotherapeuten und Ernährungsberatern auch Internisten und Chirurgen tätig, um eine ganzheitliche Behandlung zu ermöglichen. Lampe, Mitinitiator des Zentrums, weist darauf hin, daß die Einrichtung nicht nur für besonders dicke Menschen gedacht sei, sondern für alle Übergewichtigen. Angesprochen seien somit 30 Prozent der Bevölkerung. Übergewichtig ist per Definition, wer es auf einen Body Mass Index zwischen 25 und 30 bringt, bei 1,60 Metern beispielsweise 76 Kilogramm wiegt. Der Index errechnet sich aus dem Körpergewicht geteilt durch die Körpergröße im Quadrat. Eine Adipositas beginnt bei einem Wert jenseits der 30.

Die meisten Übergewichtigen haben eine lange Leidenszeit mit zahlreichen vergeblichen Abnehmversuchen hinter sich, haben es mit der "Brigitte"- oder Atkins-Diät probiert, tagelang nur hartgekochte Eier gegessen oder sogar gefastet. Der Zeiger der Waage ging aber immer nur kurzfristig nach unten. Denn während einer Abmagerungskur kreisen die Gedanken von Fettsüchtigen um den Tag X, an dem Lieblingsspeisen wie Eiscreme, Currywurst und Pommes endlich wieder erlaubt sind. Doch mit den alten Lebensgewohnheiten kommt auch das ursprüngliche Gewicht bald zurück.

Die 1,70 Meter große Achtunddreißigjährige, die in anderthalb Jahren von 132 auf 72 Kilogramm abspeckte, ist eine absolute Ausnahme. Sie hat es alleine geschafft und ihr Eßverhalten langfristig komplett umgestellt. Und einem 48 Jahre alten Mann, der sein Gewicht von 150 Kilogramm um mehr als die Hälfte reduzierte, gab eine neue Liebe die Kraft zum Durchhalten.

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Aber die meisten Patienten mit schwerer Adipositas sind süchtig nach Essen und kommen aus dieser Abhängigkeit alleine nicht heraus. Sie brauchen psychologische Unterstützung. So trifft Lampe immer wieder Frauen und Männer, für die das Essen der einzige Lebensinhalt ist: "Wenn Sie mir das auch noch nehmen, ist alles nur noch schrecklich", bekommt er dann zu hören. Könne auch ein Therapeut nichts ausrichten, seien die Chirurgen gefordert, sagt der Arzt. Die gängigste operative Methode ist es nach seiner Auskunft, ein sogenanntes Magenband einzusetzen. Dieses aus Silikon bestehende Band werde um den ersten Teil des Magens gelegt, um diesen so zu verkleinern, daß der Patient schon nach kleinsten Portionen, einer Tasse Suppe etwa, satt sei. Eine andere Möglichkeit bestehe darin, operativ Teile des Magens und Dünndarms so auszuschalten, daß diese nicht mehr mit Nahrung in Kontakt kämen, erklärt Lampe.

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Auch jene, denen es gelingt, ihre Pfunde loszuwerden, kommen oft nicht umhin, einen Chirurgen aufzusuchen. Denn wenn das Fett weg ist, legt sich die Haut in Falten wie ein schlotternder Mantel. Mit der steigenden Zahl sehr dicker Menschen ist daher auch die Nachfrage nach hautanpassenden Operationen gestiegen. Bei der Frau, die 60 Kilo abgenommen hatte, wurden Oberschenkel, Bauch, Gesäß und Brust gestrafft. Und um den Körper des Achtundvierzigjährigen wieder ansehnlich zu machen, waren gleich zwei Operationen erforderlich. Sogar die Brustwarzen mußten verpflanzt werden. BRIGITTE ROTH

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