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Wiederaufbau des Goetheturms

Ein Wahrzeichen kehrt zurück

Von Mechthild Harting
 - 19:58
Das Modell des neuen Goetheturms auf dem Bauplatz für den Turm.

Der Wiederaufbau des Goetheturms kann bald beginnen. Der Magistrat der Stadt hat Bau und Finanzierung dieses Wahrzeichens der Stadt beschlossen. Im September müssen noch die Stadtverordneten zustimmen. „Danach kann mit dem Bau bald begonnen werden“, teilte die Stadt mit. Die Stadtregierung hatte bereits im Frühjahr angekündigt, noch in diesem Jahr mit dem Wiederaufbau beginnen und zum Goetheturmfest im Mai 2020 den rund 43 Meter hohen Holzturm wieder eröffnen zu wollen.

Der Turm war in der Nacht auf den 12. Oktober 2017 vollständig niedergebrannt, er ist einem Brandstifter zum Opfer gefallen. Die Vernichtung des Turms hatte in der Bevölkerung große Bestürzung ausgelöst. Denn viele Frankfurter haben sehr persönliche Erinnerungen an den Goetheturm. Er war ein beliebte Ausflugziel am Rand des Stadtwalds mit einem einmaligen Blick auf Frankfurt. Eine Online-Umfrage ergab, dass sich die Mehrheit der Frankfurter – nämlich 78 Prozent der Umfrage-Teilnehmer – einen möglichst originalgetreuen Wiederaufbau wünschten.

Eine vollständig originalgetreue Rekonstruktion des 1931 errichteten Turms ist, wie Baudezernent Jan Schneider (CDU) bereits im Frühjahr mitgeteilt hatte, nicht möglich. Dem würden aktuelle Normen widersprechen. So darf das Holz des Turms beispielsweise nicht, wie beim Original, mit Teeröl imprägniert werden. Um das Holz – es soll hauptsächlich Edelkastanie und Eiche verwendet werden – dennoch vor Feuchtigkeit zu schützen, werden an einigen Stellen Stahlelemente verbaut. Sie seien später nicht sichtbar, heißt es. Änderungen gegenüber dem historischen Vorbild betreffen auch andere Details und Materialien, Treppen und Podeste müssen an geltende Vorschriften angepasst werden. Und einzelne Bauteile sollen künftig leichter ausgetauscht werden können, so dass der Turm für kleinere Reparaturen nicht gesperrt und eingerüstet werden muss. „Er lässt sich künftig einfacher sanieren und instand halten“, sagte Schneider. Für die letzte Sanierung war der Turm fast vier Jahre lang, bis zum Frühjahr 2014, geschlossen gewesen.

Kein Unterschied zum abgebrannten Original

Äußerlich soll sich die Neuauflage jedoch nicht von dem vor knapp zwei Jahren abgebrannten Original unterscheiden. „Der neue Goetheturm sieht genauso aus wie der alte“, sagte Schneider. Dem Wunsch der Bürger entsprechend werde eine hölzerne Fachwerk-Konstruktion auf den bestehenden Fundamenten geplant.

Die Rekonstruktion soll rund 2,4 Millionen Euro kosten, etwa 2,1 Millionen Euro muss die Versicherung zahlen. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, aber auch die Gestaltung der Freianlage, muss die Stadt bezahlen. Unter anderem sollen neun Bäume neu gepflanzt werden. Bürger hatten fast 200.000 Euro für den Wiederaufbau gespendet. Der Betrag soll nun in diese Gestaltung rund um den Turm fließen.

Für Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) bekommt der Frankfurter Stadtwald mit dem Wiederaufbau sein Wahrzeichen zurück. Ihrer Ansicht nach zeigt die Spendenbereitschaft, wie stark sich die Frankfurter mit dem Turm identifizieren. Schließlich hat früher jedes Frankfurter Kind in seiner Schulzeit einmal einen Ausflug zum Goetheturm gemacht und auf dem angrenzenden Spielplatz getobt. Oder man war mit dem Eltern sonntags dorthin spaziert und in die dazugehörige Gastwirtschaft eingekehrt. Der Turm war aber auch lange Zeit ein Treffpunkt für Liebespaare. Erst nachdem der Turm nachts abgeschlossen wurde, eignete sich die Örtlichkeit nicht mehr für ein beschauliches Rendezvous. „Der Goetheturm ist für uns Frankfurter eine Herzensangelegenheit“, fasste es Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zusammen.

Quelle: F.A.Z.
Mechthild Harting - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Mechthild Harting
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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