Mit Politik und Bürgern

Deutsche Bahn sucht Dialog über Fernbahntunnel

Von Manfred Köhler
27.06.2022
, 16:59
Künftig eine Baustelle: Unter der linken, also der ganz südlichen Halle des Frankfurter Hauptbahnhofs und der angrenzenden Mannheimer Straße soll der Fernbahntunnel entstehen.
Die Züge sollen schneller werden, die Kapazität des Frankfurter Gleisnetzes soll um ein Fünftel wachsen: Die Deutsche Bahn sieht viele Argumente für den Bau eines Fernbahntunnels unter Frankfurt.
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Die Deutsche Bahn treibt das Projekt eines Fernbahntunnels mitsamt eines unterirdischen Bahnhofs in Frankfurt voran. Wie Gerd-Dietrich Bolte, der für die Infrastrukturprojekte in Hessen zuständige Manager der Deutsche-Bahn-Tochtergesellschaft DB Netz, am Montag berichtete, sind in der vergangenen Woche die Planungsarbeiten für das Vorhaben ausgeschrieben worden, und zwar anders als gewöhnlich zur Beschleunigung gleich alle drei Stufen der Planung auf einmal: die grobe Vorplanung, die detaillierte Entwurfs- und Genehmigungsplanung und auch schon die spätere Vorbereitung der Ausschreibung der Bauleistungen. Mit einer Vergabe der Planungsarbeiten wird für Ende 2023 oder Anfang 2024 gerechnet, für die Planung selbst mit weiteren acht bis zehn Jahren.

Zudem hat die Deutsche Bahn am Montag den Dialog mit der Politik und den Verbänden begonnen. Bundestagsabgeordnete, Vertreter des Landes, der Kommunen bis hin zu den Frankfurter Ortsbeiräten sowie von mehreren anderen Organisationen wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz waren eingeladen, sich im 31. Stockwerk des von der Deutschen Bahn gemieteten Silberturms in Frankfurt über das Bauprojekt zu informieren. Zugleich wurde darüber gesprochen, welche feste Form der Dialog bekommen soll und wie man die Bürger einbinden will. Die Planer wollen mit diesem Prozess vermeiden, dass es zu solch scharfen Auseinandersetzungen wie bei „Stuttgart 21“ kommt.

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Vier zusätzliche Bahnsteige

Sie lassen zugleich keinen Zweifel, dass der Fernbahntunnel unter Frankfurt Wirklichkeit wird. Zu überzeugend seien die Argumente dafür: der Tunnel soll nicht nur die Fahrzeit der Züge von und nach Hanau und weiter unter anderem nach Hamburg, Berlin und Hannover um etwa acht Minuten verkürzen, sondern auch und vor allem die Kapazitäten des Frankfurter Gleisnetzes um ein Fünftel erhöhen. So erhält der Hauptbahnhof mit der künftigen unterirdischen Station vier zusätzliche Bahnsteige. Bolte hob hervor, wegen der zentralen Lage Frankfurts lasse sich ohne den Fernverkehrstunnel der geplante Deutschlandtakt überhaupt nicht verwirklichen. Er sieht vor, dass die ICE künftig häufiger als bisher und zu leicht merkbaren Abfahrtzeiten in einem festen Takt durch Deutschland fahren.

Dem Argument, anstelle des Fernbahntunnels reiche der Ausbau des Frankfurter Südbahnhofs, begegnete Bolte mit dem Argument, vier zusätzliche Gleise dort würden den Abriss von ungefähr 50 Häusern in Sachsenhausen erfordern. Zudem sei am Südbahnhof überhaupt nicht der Platz für einen starken Auto-Anreiseverkehr, er sei auch nicht so gut an das S-Bahn-Netz angebunden.

Entschieden ist mit der vor einem Jahr veröffentlichten Machbarkeitsstudie, dass der Fernbahntunnel westlich der Camberger Brücke beginnen wird. Er wird dann südlich des Hauptbahnhofs verlaufen, die viergleisige unterirdische Station wird nach dem jetzigen Stand der Planungen zum Teil unter der südlichen der fünf Bahnhofshallen, zum Teil unter der daran angrenzenden Mannheimer Straße liegen. Damit ist sichergestellt, dass der Eisenbahnverkehr während der Bauarbeiten nicht wesentlich beeinträchtigt wird, jener der S-Bahn, die auf der Nordseite des Hauptbahnhofs verkehrt, überhaupt nicht.

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Im Osten zwei Ausfahrten

Die unterirdische Station wird eine Länge von 450 Metern haben, wie am Montag berichtet wurde, die Bahnsteige selbst werden 420 Meter lang sein. Sie werden unter anderem vom heutigen Querbahnsteig aus erreichbar sein, außerdem von einem neuen Fußgängertunnel quer unter den Gleisen, der zwischen dem westlichen Ende der Bahnhofshalle und dem Hafentunnel gegraben wird. Er wird damit auch eine neue Verbindung zwischen dem Gutleutviertel und dem Güterplatz schaffen.

Bild: F.A.Z.

Die Lage des unterirdischen Bahnhofs auf der Südseite ist auch deshalb geboten, weil die Gleise Richtung Osten dann in einem recht scharfen Knick Richtung Main verlaufen werden, um nicht die Hochhäuser an der Gallusanlage unterqueren zu müssen.

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Fest steht inzwischen auch, dass es im Osten zwei Ausfahrten geben wird, eine nördlich und eine südlich des Mains. So kann Hanau von den Zügen auf zwei Wegen erreicht werden. Dem Vernehmen nach gibt es Überlegungen, zur Vermeidung eines komplizierten unterirdischen Verzweigungsbauwerks in Höhe der EZB den Tunnel vollständig viergleisig auszuführen. Das wird aber während der genauen Planung entschieden. Die Bahn will unabhängig von den Planungen für den Fernbahntunnel vorab schon den Südbahnhof und den Hauptbahnhof weiter modernisieren, wie es am Montag weiter hieß.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Köhler, Manfred
Manfred Köhler
Ressortleiter der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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