In Frankfurt und Darmstadt

Personen attackieren abermals Polizisten mit Flaschen und Eiern

Von Inga Janović
01.11.2020
, 15:39
An der Frankfurter Hauptwache und in Darmstadt haben am Samstagabend wieder Personen Polizisten angegriffen. Bereits am Freitagabend waren Beamte an der Zeil beworfen worden.

Nach den Ausschreitungen in der Nacht zum Samstag ist es auch am folgenden Abend in der Frankfurter Innenstadt zu Zusammenstößen zwischen Polizei und zumeist jungen Männern gekommen. Es gab mehrere Festnahmen, zudem konnte die Polizei einen Verdächtigen ermitteln, der schon am Freitag einen Polizisten angegriffen haben soll.

In der Nacht zum Samstag waren noch einmal Hunderte Menschen in der City unterwegs, zu beobachten war bei lauen Temperaturen eine Art Korso. Über Zeil, Fressgass’ und die Nebenstraßen liefen die Gruppen auf und ab, einige trugen Halloween-Kostüme. Die Mehrheit schien nicht so stark betrunken wie in mancher Sommernacht, das Alkoholverbot wirkte zumindest teilweise. Alle strebten irgendwohin, so, als gebe es trotz der geschlossenen Clubs und allen übrigen Einschränkungen doch irgendwo etwas zu verpassen. In den Lokalen am Opernplatz war bis kurz vor Mitternacht viel los, und die Terrassen der Bars an der Fressgass’ waren zeitweise voll wie im Sommer. In einer rückten die Gäste ihre Stühle, wohin sie wollten, hier schien es keine Corona-Auflagen zu geben. Und niemanden, der das korrigierte.

„Jetzt geht es los“

Derweil standen an der Konstablerwache junge Männer, die offenkundig warteten, auf Dealer, Kunden, Kumpels – und wohl auch die nächsten Zusammenstöße mit der Polizei. In der Nacht zum Freitag hatten etwa zwei Dutzend Unbekannte auf der Zeil eine Polizeistreife angegriffen, die aus ihrem Wagen gestiegen war, um einen Streit zwischen zwei Männern zu schlichten. Einer der beiden wehrte sich gegen die Feststellung seiner Personalien, es kam zu einer Rangelei mit dem Polizisten. Das nahmen etwa 25 Jugendliche zum Anlass, die Beamten mit Flaschen und Steinen zu bewerfen, eine Frau versuchte die beteiligte Beamtin mit Pfefferspray zu attackieren, verfehlte sie aber. Als die Polizei davonfahren wollte, stellte sich der Mann, der seine Personalien verweigert hatte, vor das Fahrzeug, hielt sich eine Weile am Autospiegel fest, so dass der Wagen zuerst nicht losfahren konnte. Von der Szene kursieren mehrere Videos im Netz. Inzwischen konnte die Polizei einen 18 Jahre alten Verdächtigen ermitteln. Festgenommen ist er noch nicht.

In der nächsten Nacht war spürbar, dass viele darauf warteten, ob sich solche Szenen wiederholen. Tatsächlich wurde gegen 22.45 Uhr auf der Zeil abermals ein vorbeifahrender Streifenwagen mit Steinen, Flaschen und Eiern beworfen, einen Anlass hatte es dafür nach Polizeiangaben nicht gegeben. Die Polizei zog daraufhin ein Dutzend Streifenwagen an der Hauptwache zusammen, Menschen strömten von allen Seiten hinterher. „Jetzt geht es los“, war aus den Männergruppen zu hören.

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Daraus ergab sich eine Art Katz- und Maus-Spiel: Bewegten sich die Polizisten, lief die Menge hinterher, jeder wartete auf den Fehler, die Entgleisung des anderen. Die Polizisten standen lange in einer Kette vor dem Eingang des Kaufhofs, eine weitere Gruppe Beamter lief mit einer gut sichtbaren Kamera durch die Menge, filmte sie. Auch die andere Seite hatte ihre Handykameras gezückt. Jemand warf einen Böller vor die Reihe der Wartenden, ein anderer ein Ei, das aber niemanden traf.

Einer pöbelte die Beamten an, die Zuschauer postierten sich schon, aber seine Freunde zerrten ihn weg. Und ein älterer Mann brüllte plötzlich ganz laut „Schaaaaaaalke“, was alle zum Lachen brachte, die Spannung kurz rausnahm. Mehr als eine halbe Stunde ging das so, am Ende sollte es dabei jedoch nicht bleiben. Es flogen wieder Flaschen und Eier auf die Beamten. Auch wegen der vorherige Attacke auf den Streifenwagen wurden an diesem Abend neun Menschen festgenommen. Einer von ihnen – 17 Jahre alt und polizeibekannt – sollte am Sonntag dem Haftrichter vorgeführt werden, die übrigen durften wieder nach Hause.

Auch in Darmstadt hatte am Nachmittag eine größere Personengruppe gegen die Corona-Verordnungen verstoßen und Polizeibeamte mit Knallkörpern beworfen. Verletzt wurde nach Angaben der Polizei niemand. Von den etwa 100 Personen seien 23 vorwiegend minderjährige Personen festgenommen, durchsucht und anschließend nach Hause geschickt worden.

Lesen Sie hier eine Reportage über die letzte Samstagnacht vor dem Lockdown in Frankfurt.

„Dass sich Personen zusammentun, um die Kolleginnen und Kollegen massiv tätlich anzugehen und billigend in Kauf nehmen, dass sie eventuell schwere Verletzungen davontragen, verurteile ich auf das Schärfste“, sagte der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Sonntag. Die Polizei werde nun alles tun, um weitere Täter zu ermitteln. „Ich gehe davon aus, dass sie eine gerechte Strafe erhalten“, so Bereswill.

Quelle: FAZ.NET/lhe
Autorenporträt / Janovic, Inga
Inga Janović
Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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