Currywurst aus Gemüse

Veganes Sakrileg

Von Peter Badenhop
14.10.2021
, 12:17
So sieht eine Currywurst mit Fleisch aus – aber ist die vegane Variante genauso gut?
Die Frankfurter Imbisskette „Best Worscht in Town“ hat mit ihren klassischen Würsten seit Jahren Erfolg. Jetzt nimmt sie eine neue vegane Version ins Programm. Unser Autor findet das gar nicht gut.
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Er war lang, hart und ehrenhaft. Unser Kampf gegen den um sich greifenden Veganismus und die Ich-rette-die-Welt-mit-Möhrchen-und-Erbsenprotein-Manie. Aber jetzt ist er verloren. Ein für alle Mal. Wir strecken die Waffen und fügen uns dem Schicksal. Denn jetzt ist offenbar auch das letzte Bollwerk gefallen. Die letzte Bastion, von der wir stets dachten, sie werde tapfer mit uns durchhalten, komme, was da wolle. Doch das war offenbar ein Irrglaube. „Best Worscht in Town“ hat das Handtuch geworden und nimmt eine pflanzliche Currywurst ins Programm.

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Wer hätte das für möglich gehalten? Eine Currywurst ohne Fleisch? Womöglich vom gleichen Rost wie die Brat- und Rindswürste, die den Frankfurter Imbiss mit seinen scharfen Soßen zum Kult gemacht haben? Na ja, mit Tofu hat es das ja schon länger gegeben. Aber durch eine Partnerschaft mit einem Anbieter für „pflanzliche Fleischalternativen“ soll es nun künftig vegane Gemüsecurrywürste und Hot Dogs in den „Worscht“-Filialen geben? Es ist zum Verzweifeln! Ein Sakrileg! Offenbar ist nichts mehr heilig. Und niemand mehr sicher. Nicht einmal Lars Obendorfer, der „Godfather of Worscht“, der die Kooperation mit dem holländischen Unternehmen Meatless Farm jetzt per Pressemitteilung bekannt gegeben hat.

„Godfather of Worscht“: Der Gründer der Imbisskette, Lars Obendorfer, in einer seiner 24 Filialen.
„Godfather of Worscht“: Der Gründer der Imbisskette, Lars Obendorfer, in einer seiner 24 Filialen. Bild: Wonge Bergmann

Einmal abgesehen davon, dass diese Firma als offiziellen Partner nicht die Eintracht, sondern Real Madrid nennt und auf ihrer Internetseite den guten, alten Toni Kroos mit einer Packung veganen Hacks posieren lässt. Das macht die Sache nicht gerade besser. Aber die eigentliche Frage ist doch: Warum verehren wir Lars Obendorfer und seine „Best Worscht in Town“ so sehr, dass er aus seinem Imbiss inzwischen eine boomende Kette mit 24 Filialen machen konnte und sogar in Offenbach und München vertreten ist?

Na? Natürlich, weil wir seine Currywurst aus „100 Prozent Fleisch ohne Zugaben“ so lieben. Und eben nicht irgendein Imitat aus Pflanzenöl und Gemüsestärke und Dutzenden Zusatzstoffen. Wir lieben richtige Wurst. Und wenn wir Möhrchen essen wollen, dann als Möhrchen und nicht als Wurst verkleidet.

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Aber was soll’s? Der Kampf ist verloren. Wir geben klein bei – und bestellen unsere Currywurst fortan mit dem Zusatz „eine richtige“.

Quelle: F.A.Z.
Peter Badenhop - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Badenhop
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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