Buchmesse Frankfurt

Viel Platz für Leser

Von Florian Balke
28.09.2021
, 20:30
Dieses Jahr wieder live: Die Frankfurter Buchmesse
Kein Chaos, nirgends: Zur Frankfurter Buchmesse im Oktober kommen rund 1500 Aussteller. Die Sicherheit steht natürlich an erster Stelle. Fehlen nur noch die Besucher.

Das Gastland hatte sich nichts Böses dabei gedacht. Dass Kanada sich als Motto seines Auftritts auf der Frankfurter Buchmesse „Singular Plurality“ ausgesucht hatte, war der Einheit in der Vielfalt geschuldet, nach der es strebt. Jetzt ist das nordamerikanische Reich der Queen der einzige Ehrengast, dem ein unberechenbares Schicksal nicht nur einen einzigen, sondern gleich zwei Gastlandauftritte spendiert hat. Auf dem Update-Modell der jedes Jahr neu aufgelegten Kaffeetasse, die in der Evangelischen Akademie zu haben ist, prangt neben der Jahreszahl 2020 in Zartgrau jetzt auch die ergänzende 2021. In entschiedenem Rot. In der Bildungsstätte auf dem Römerberg geben Buchmesse und Gastland einen Ausblick auf die 73. Bücherschau, die in der Messehalle am 19. Oktober eröffnet wird. Ziemlich einzigartig wird sie sein, die erste, zu der nach der fast ausschließlich digitalen Messe im ersten Jahr der Corona-Pandemie Aussteller und Besucher wieder zugelassen sind.

Klar ist: Die Messe wird kleiner. Nur 1500 Aussteller haben sich nach Angaben von Buchmessendirektor Juergen Boos bislang angemeldet. Das ist lediglich ein Fünftel der rund 7500, die im Oktober 2019 kamen, zur letzten Messe unter üblichen Bedingungen. Noch im Frühjahr hatte Boos auf zwei Drittel gehofft. Aber immerhin – sie kommen. Und das sogar aus 74 Ländern. Zuletzt waren es zwar rund 120. Aber eine Reise nach Frankfurt ist noch immer für Angehörige der Buchbranche aus aller Welt von Interesse. Auch wenn die ausländischen Teilnehmer in diesem Jahr eher aus Europa anreisen als aus Nordamerika und Asien. Und sich zwei Drittel von ihnen lieber an den insgesamt 41 Nationalständen sammeln, als eigene Stände zu riskieren. Das spart Kosten und gibt Sicherheit. Andere schicken nur ihr Vertriebsteam. Oder verzichten weitgehend auf einen Besuch, weil bei der Wiedereinreise in die Heimat eine mehrere Wochen lange Quarantäne droht.

Von allem, was die Buchmesse aufbieten muss, um Fachbesucher und Leser gleichermaßen zufriedenzustellen, wird etwas da sein: ausländische Verlage, deutsche Verlage, Agenten, Autoren, Publikum. Aber ob das reicht, um den Zauber zu entfachen, der von vielen neuen Lizenzverträgen oder der Begegnung mit zahlreichen Stars am Publikumssamstag ausgeht? Es sei noch immer keine normale Bücherschau, sagt Boos: „Aber es wird eine tolle Messe werden. Eine Messe der Wiederbegegnung.“ Wie viele Fachbesucher und Leser kommen, bleibe abzuwarten. Bislang seien „mehrere Zehntausend“ Karten verkauft worden.

Zutritt nach 3-G-Regeln

Das städtische Gesundheitsamt hat ihm und seinen Mitarbeitern an jedem der fünf Messetage 25.000 Besucher erlaubt, insgesamt also bis zu 125.000. Das ist weniger als die Hälfte der gut 300.000, die 2019 gezählt wurden. „Aber trotzdem eine stolze Zahl“, sagt Gabi Rauch-Kneer, in den Büros der Buchmesse an der Braubachstraße zuständig für das Messemanagement. Da Gäste aus Ländern mit sehr unterschiedlichen Impfquoten und Impfstoffen anreisen, findet die Bücherschau nach 3-G-Regeln statt. Wer in die Messehallen will, muss geimpft, genesen oder getestet sein. An den Eingängen gibt es Testzentren, in den Innenräumen herrscht Maskenpflicht bis zum Erreichen fester Sitzplätze an einem der Messestände. Die Gänge zwischen ihnen sind sechs Meter breit, doppelt so breit wie sonst. Ob sich trotzdem irgendwo Besucher ballen, wird im Einsatzzentrum der Messe Frankfurt mithilfe von Videokameras kontrolliert, der Ordnungsdienst ist angewiesen, einzugreifen. An den Ständen sind die Aussteller selbst dazu angehalten, die Besucherdichte zu steuern. Warteschlangen bei Lesungen sind erlaubt, aber nur mit Einhaltung der Abstandsregeln und Mund-Nasen-Bedeckung. „Wir sind überzeugt, eine sichere Veranstaltung bieten zu können“, sagte Rauch-Kneer.

Zu den 200 Autoren, die auf dem Messegelände und bei den 57 meist kostenlosen Veranstaltungen des „Bookfests“ in der Innenstadt zu hören sind, zählen 58 aus Kanada, angeführt von Friedenspreisträgerin Margaret Atwood. Die Bundesrepublik steuert Autoren von Stefan Aust und Robert Habeck bis zu Volker Kutscher und Sven Regener bei. Mehr als 400 kanadische Bücher sind ins Deutsche übersetzt worden, angestrebt habe man 200, sagte Jennifer-Ann Weir, zuständig für den Gastlandauftritt und seit drei Wochen in Deutschland. Kanada tritt mit einem englischsprachigen und einem französischen Nationalstand auf.

Die Fachbesucher- Planungen für dieses Jahr sind digitaler als die für das Publikumswochenende. Neben dem vor einem Jahr vorgestellten Gesprächsformat „The Hof“, das von Ende September an 15-mal stattfindet, gibt es eine Woche vor der Messe die Tagung „The Conference“. Neu ist auch das Verlagsformat „The Masterclasses“. Die Anmeldung als digitaler Aussteller und der Rechtehandel über die Internetseite Frankfurt Rights bleiben möglich. „Die Zukunft der Messen ist hybrid und ganzjährig“, sagte Ruth Kumpmann, Leiterin Key Accounts und Vertrieb. Für die Leser gedacht ist ein anderer Schritt. Erstmals dürfen sie nicht erst am Samstag, sondern schon am Freitag um 14 Uhr auf die Messe. Für Wiederbegegnungen.

Quelle: F.A.Z.
Florian Balke - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Florian Balke
Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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