Frankfurter Gesichter

Sparkassenchef in schwierigen Zeiten

Von Manfred Köhler
22.01.2022
, 13:23
Ingo Wiedemeier: Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse.
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Ingo Wiedemeier steht seit 2020 an der Spitze der Frankfurter Sparkasse, einer der größten Niederlassungen in Deutschland. Kein leichter Job in Zeiten der Niedrigzinsen.
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Nun hat Ingo Wiedemeier großes Glück – und hat es doch nicht recht. Einerseits ist er derjenige Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Sparkasse, der das altehrwürdige Unternehmen in sein drittes Jahrhundert führt. Denn in diesem Jahr wird die Frankfurter Sparkasse 200 Jahre alt, nur wenige Unternehmen in der Region können auf eine solch lange Geschichte zurückblicken. Andererseits aber vereitelt Corona wo­möglich die für Juni geplante Feier aus diesem Anlass, bei der sich das Kreditinstitut als das zeigen könnte, was es ist: nicht nur Marktführer in der Mainmetropole, sondern auch ein wichtiger Teil des städtischen Lebens. Doch schon das von der Sparkasse geförderte Neujahrskonzert in der Alten Oper ist ausgefallen.

Die Zeiten, in denen Bankchefs spektakulär auftrumpften, sind allerdings sowieso vorbei. Zu Wiedemeier würde derlei auch überhaupt nicht passen. Er ist verbindlich im Ton und ab­wägend im Urteil, ohne deshalb aber vor harten Entscheidungen zurückzuschrecken; der neue Vorstandsvorsitzende war gerade ein Dreivierteljahr im Amt, als er im Juni 2021 eine deut­liche Verkleinerung des Filialnetzes bekanntgab. So etwas dürfte im Haus selbst noch größere Erschütterungen auslösen als ohnedies schon bei der Kundschaft.

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Eine unübersichtliche Gemengelage

Man darf wohl sagen, dass sich der 50 Jahre alte Manager auf die Aufgabe, eine der größten Sparkassen Deutschlands zu leiten, sukzessive vorbereiten konnte. Er stammt aus dem ostwestfälischen Höxter, hat dort bei der Sparkasse gelernt und kam zum Studium an den Main. Die folgenden Jahre verbrachte der promovierte Betriebswirt bei der Sparkasse Hanau, bei der er 1999 an­fing, 2004 in den Vorstand berufen wurde und 2015 auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden rückte. Das Geldhaus östlich von Frankfurt musste seinen Chef vor zwei Jahren nicht zum ersten Mal an die größere Sparkasse in der Mainmetropole abgeben; Wiedemeier folgte dort Robert Restani, der seinerseits 2015 den Vorstandsvorsitz der Frankfurter Sparkasse übernommen hatte. Als Restani zum 1. September 2020 in den Ruhestand trat, rückte Wiedemeier ein zweites Mal für ihn nach, jetzt aber eben nach Frankfurt.

Ingo Wiedemeier ist seit September 2020 Vorstandsvorsitzender Frankfurter Sparkasse.
Ingo Wiedemeier ist seit September 2020 Vorstandsvorsitzender Frankfurter Sparkasse. Bild: Marcus Kaufhold

In Hanau ist er auch mit seiner Familie wohnen geblieben. Das darf man ihm nachsehen, denn tatsächlich zählt auch diese Stadt zum Geschäftsgebiet der Frankfurter Sparkasse, so wie sie auch im Taunus Filialen unterhält. Während sich die öffentlich-recht­lichen Institute gemeinhin keine Konkurrenz machen, findet die Kundschaft im Rhein-Main-Gebiet eine recht un­übersichtliche Gemengelage mit überschneidenden Geschäftsgebieten vor, die sich historisch ergeben hat und die bisher niemand beseitigen wollte – immer in der Sorge, es gingen dabei womöglich Kunden der Sparkassen-Gruppe verloren.

Dass auch die Frankfurter Sparkasse an ihrem Auftritt jenseits der Stadtgrenzen hängt, mag daran zu erkennen sein, dass sich die Straffung des Filialnetzes ausschließlich innerhalb der Mainmetropole abspielt, wo es al­lerdings auch besonders eng geknüpft ist. In Zeiten der Niedrigzinsen muss jedes Kreditinstitut die Kosten sehr unter Kontrolle halten, wozu auch die weitere Digitalisierung zählt. Zu Wiedemeiers Plänen zählt ein digitales Beratungscenter mit 65 Mitarbeitern, gleichsam eine Onlinefiliale. „Mode­rat wachsen“ nennt er als Ziel des Unternehmens. In diesen für die Banken nicht leichten Jahren ist das am­bitionierter, als es klingt. Aber Wiedemeier ist Schalke-Fan, er war selbst einmal Torwart beim SV Höxter und spielte in der Landesliga. So jemand weiß nur zu gut, dass auf schwierige Zeiten stets auch wieder bessere, leichtere folgen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Köhler, Manfred
Manfred Köhler
Ressortleiter der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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