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Frankfurter Paulskirche

Zwischen Aura und Mehrzweck

EIN KOMMENTAR Von Matthias Alexander
 - 12:31
Neue Nutzung: Frankfurter OB schlägt Paulskirche als Tagungsort der Stadtverordnetenversammlung vor

Das muss man dem Frankfurter Oberbürgermeister lassen: Er ist eifrig darum bemüht, neue Nutzungen für die Paulskirche zu finden. Die Römerplakette und die Ehrenamtscard – zwei niedrigschwellige städtische Auszeichnungen – werden neuerdings in dem großen Rund überreicht. Seit einiger Zeit schon lässt er Ideen für ein „Demokratiezentrum“ sammeln, das dem Traditionsort zu mehr aktueller politischer Relevanz verhelfen soll.

Hintergrund der Initiativen Feldmanns ist ein diffuses Unbehagen an Zustand und Nutzung des Gebäudes, das mit einigem Recht als Wiege der deutschen Demokratie und der Grundrechte bezeichnet wird. Einerseits ist ihm die im Wesentlichen aus den späten vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende Gestaltung des Inneren zu nüchtern, andererseits zu pathetisch.

So hat sich der Oberbürgermeister über die erhabene Position mokiert, die die Kanzel dem Redner aufnötige. Auch die starre Bestuhlung wird seiner Meinung nach zeitgemäßen demokratischen Debattenformen, in denen alle auf der berühmten Augenhöhe miteinander diskutieren, nicht gerecht. Und überhaupt herrscht ihm in dem Raum zu wenig „Leben“.

Im Raum verloren

Mit seinem Vorschlag, die Stadtverordnetenversammlung in der Paulskirche tagen zu lassen, peilt Feldmann nun die mittlere Ebene zwischen nationaler Politik und basisdemokratischen Initiativen an. Es ist keine überzeugende Idee; gar nicht so sehr, weil dann über Parkraumbewirtschaftung gestritten würde, wo es einst um die Verfassung ging. Sondern vor allem aus pragmatischen Gründen: Die 93 Stadtverordneten würden sich in dem Saal, der für fast die zehnfache Zahl ausgelegt ist, verloren vorkommen.

Feldmann ist quasi Amt zuständig für die Paulskirche, insofern steht es ihm frei, alle möglichen Nutzungsformen auszuprobieren, solange sie sich mit dem Denkmalschutz vertragen. Der Hausherr muss nur aufpassen, dass er sich nicht selbst zum Hausmeister degradiert. Die Aura einer heiligen Halle, die die Stätte der Nationalversammlung von 1848/49 seit jeher besitzt und in den vergangenen Jahrzehnten durch bedeutende Feierstunden gewahrt hat, kann leicht beschädigt werden, wenn sie zur Multifunktionsarena eines ins Unendliche ausgedehnten Demokratieverständnisses wird.

Das heißt nicht, dass man nicht über neue Veranstaltungsformate nachdenken darf. Aber würdig müssen sie schon sein und nach der Zahl der Teilnehmer geeignet, den Raum zu füllen.

Quelle: F.A.Z.
Matthias Alexander - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Matthias Alexander
Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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