Frankfurter sprechen

Sollte es Privilegien für Geimpfte geben?

Von Monika Ganster und Frank Röth (Fotos)
07.04.2021
, 17:54
Wer eine doppelte Impfung bekommen hat, ist laut RKI wahrscheinlich kaum mehr ansteckend. Manche Politiker stellen diesen Menschen schon Freiheiten in Aussicht. Was sagen die Frankfurter dazu?

Es ist ein Thema, das polarisiert: Ist es unsolidarisch, wenn Geimpfte Privilegien genießen? Oder ist es nur vernünftig, dass sie dazu beitragen, dass das Leben sich wieder etwas normalisiert und beispielsweise die Gastronomie oder die Kultur langsam wieder den Normalbetrieb aufnehmen können?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat Vorteile für Geimpfte in Aussicht gestellt, manche halten sie allein aus rechtlicher Sicht für geboten, da die Grundrechteeinschränkung auf Geimpfte nicht angewandt werden dürfe. Wir haben uns auf den Straßen Frankfurts umgehört. Die Meinungen sind so vielfältig wie die Menschen.

Kibrom Mezgebe, 41, Verkäufer

Ja, es sollte unbedingt Privilegien für Geimpfte geben. Seit einem Jahr mache ich nichts mehr, keine Restaurantbesuche, keine Urlaube. Das ist sehr stressig. Bis alle geimpft sind, wäre es schon gut, wenn wir mit Schnelltests mehr Freiheiten bekämen, um Freunde zu treffen oder auszugehen.

Martin Irle, 42, Geschäftsmann

Es wäre wirtschaftlich sinnvoll, wenn man Restaurantbesuche oder Reisen für Geimpfte so früh wie möglich wieder erlauben würde. Die Geimpften könnten dann Vorarbeit leisten, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Für alle anderen fände ich es gut, wenn man für kurze Besuche mit einem Schnelltest mehr Freiheiten bekäme. Das sollte dann auch kostenlos sein.

Uschi Heinemann, arbeitet in der Altenpflege

Nein, ich bin gegen Privilegien. Und das sage ich, obwohl ich selbst schon geimpft bin, bedingt durch meine Arbeitsstelle. Dennoch lehne ich Vorteile für eine Gruppe der Gesellschaft ab. Mir tut es leid, dass andere noch nicht mit der Impfung dran sind. In Zeiten wie diesen sollten wir aber als Gesellschaft zusammenstehen – auch was den Verzicht betrifft.

Joyce Wiedmann, 46, im Bauunternehmen tätig

Ein schwieriges Thema: Ich möchte nicht, dass eine Zweiklassengesellschaft entsteht, insofern bin ich gegen Privilegien. Hinzu kommt: Ich selbst möchte mich gar nicht impfen lassen. Ich bin gesund und habe keine Angst vor Corona. Andererseits verreise ich gerne und frage mich, wie das künftig noch möglich sein soll. Alle scheinen nur auf die Impfung zu setzen, aber dazu liegen keine Langzeitstudien vor. Es wäre aus meiner Sicht wichtiger, Risikopatienten besser zu schützen.

André Rickert, 41, Koch

Ich hätte kein Problem damit, Geimpften mehr Freiheiten einzuräumen. Meine Frau und ich arbeiten im gastronomischen Bereich, für uns wäre eine Öffnung ein Segen. Dänemark macht es vor, dort genügt eine App, um den Impfstatus zu belegen. Damit kann man sich wieder freier bewegen. Das könnte auch uns ein bisschen Normalität bringen.

Kathrin Vertgewall, 26, Studentin

Ich bin mir bei der Antwort noch unsicher, da gibt es einiges abzuwägen. Moralisch finde ich es schwierig, einer Gruppe Privilegien einzuräumen. Es dauert aber auch sehr lange, bis alle geimpft sind. Andererseits wird der wirtschaftliche Schaden noch größer, wenn selbst Geimpfte nicht in Restaurants gehen können.

David Salzmann, 30, Einkäufer

Ich bin für mehr Freiheit für Geimpfte, aber erst, wenn alle dran waren. Wenn das noch bis September dauert, dann ist es eben so. So lange müssen wir uns noch gedulden. Wenn eine Gruppe schon früher als die anderen in Urlaub fahren oder ein Theater besuchen dürfte, würde das zu viel Unruhe in der Gesellschaft mit sich bringen.

Quelle: F.A.Z.
Monika Ganster- Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Monika Ganster
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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