Frankfurter Stadtentwicklung

Wohnen mit EZB-Blick

Von Rainer Schulze, Frankfurt
16.09.2021
, 10:13
Auf Kurs: Die ersten Hochhäuser im Hafenpark-Quartier neben dem EZB-Turm sind ausgewachsen.
Das Hafenpark-Quartier im Frankfurter Ostend wächst in die Höhe. Aber die Kritik am Hotelturm auf dem Molenkopf nimmt sich der Bauherr nicht zu Herzen.
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Ein Großkino, eine Einkaufspassage, ein Möbelhaus, Bürogebäude, das Technische Rathaus – für das Honsell-Dreieck im Ostend gab es schon viele Pläne. Angesichts der zähen und komplizierten Vorgeschichte ist es keine Selbstverständlichkeit, dass diese Brache nun tatsächlich bebaut wird. Als die Hamburger B&L-Gruppe das Grundstück vor 15 Jahren erwarb, wollte sie noch ein Einkaufszentrum errichten. Jahrelang wurde über dessen Größe gestritten, die Nachbarstadt Offenbach drohte sogar mit einer Klage gegen die vermeintliche Konkurrenz zur eigenen Innenstadt. Es kam dann alles anders als gedacht: Nun stehen auf dem Honsell-Dreieck tatsächlich die ersten Gebäude: Sie gehören zum zweiten Bauabschnitt des gemischt genutzten Hafenpark-Quartiers, für den am Mittwoch das Richtfest gefeiert wurde.

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Der neue Name bezieht sich auf den Hafenpark, der auf der anderen Seite der Mayfarthstraße liegt. Ihm gegenüber entstehen in zwei 60 Meter hohen Hochhäusern und einem Blockrand 288 Eigentumswohnungen und ein Hotel der Marke Scandic. Dieser Bauabschnitt soll 2023 fertig sein, die ersten 180 Wohnungen sind schon zur Hälfte vermarktet. Sie werden in einer Preisspanne zwischen 9500 und 19000 Euro angeboten, die Penthäuser an der Spitze liegen preislich noch höher. Etwa 70 Prozent der Wohnungen wurden bislang an Eigennutzer verkauft.

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Wer oben einzieht, kann nicht nur Christine Lagarde im EZB-Turm quasi auf den Schreibtisch gucken. Er hat auch einen ungehinderten Blick auf die Skyline. Damit möglichst viele Bewohner diese Aussicht auch genießen können, entschied sich der Architekt Hadi Teherani, der das Projekt in einer Arbeitsgemeinschaft mit AS+P realisiert, das Scandic-Hotel im westlichen Blockrand von acht auf fünf Geschosse abzutreppen. Noch ist es zu früh, um über die Architektur des Hafenpark-Quartiers zu urteilen, denn die Gebäude sind erst im Rohbau fertig.

Hundert Bäume im Hof

Im Innenhof sollen hundert Bäume gepflanzt werden, auf dem Dach gibt es eine begrünte Gemeinschaftsterrasse. Wer in eine der Wohnungen einzieht, der wird im Anhang zum Kaufvertrag auf den Hafenpark hingewiesen. Das ist kein freundlicher Service, sondern hat einen rechtlichen Grund. Kein Käufer soll sich anschließend darauf berufen können, ihm sei der Park nicht bekannt gewesen. Denn lange wurde darum gerungen, den Lärmschutz in den Griff zu bekommen. Erstaunlicherweise gelten für den Freizeitlärm nämlich andere Regeln als für die Züge auf dem nahegelegenen Bahndamm. Es gelang schließlich, mit baulichen Maßnahmen für Schallschutz zu sorgen. Die Balkone können bei Bedarf mit Glaswänden geschlossen werden.

Die Europäische Zentralbank im Blick: Aussicht aus dem Wohnturm im Hafenpark-Quartier
Die Europäische Zentralbank im Blick: Aussicht aus dem Wohnturm im Hafenpark-Quartier Bild: Maximilian von Lachner

Das Scandic-Hotel soll im Frühjahr 2023 eröffnet werden. Der Direktor ist ein gebürtiger Frankfurter: Heiko Kain stammt aus Höchst und kehrt für das neue Tagungshotel zurück in seine Heimatstadt. Die 505 Betten entsprechen dem Vier-Sterne-Standard, es gibt einen 600 Quadratmeter großen Ballsaal und allerhand weitere Annehmlichkeiten. Bei der Gestaltung in skandinavischem Design soll viel Wert auf den Bezug zur Natur gelegt werden. Auch beim Service für die Gäste setzt Scandic auf den Umweltschutz: Der Betreiber will anstelle von Mineralwasser Frankfurter Trinkwasser anbieten, das in Flaschen abgefüllt wird. Und für die Gäste stehen unentgeltlich Leihfahrräder zur Verfügung.

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Kritik am Hotelturm

Mit dem zweiten Bauabschnitt – im ersten Abschnitt entstanden bereits Mietwohnungen an der Honsellstraße – ist das Hafenpark Quartier allerdings noch nicht vollendet. Im Norden an der Hanauer Landstraße werden in einem dritten Abschnitt Bürogebäude errichtet, das höchste wird rund 60 Meter messen. Dieser Bauabschnitt soll nächstes Jahr beginnen und 2025 fertig sein. Dann ist das Honsell-Dreieck endgültig Geschichte.

Im Süden steht dann aber noch der Bau des Hotelturms auf dem Kopf der Hafenmole aus. Dort soll ein rund 60 Meter hohes Hotel entstehen, das nach einem Entwurf des Büros Barkow Leibinger realisiert wird. Obwohl es viel Kritik an dem gedrungenen Erscheinungsbild des Hochhauses gab – bei geringer Höhe wurde eine hohe Baumasse zugelassen –, will die B&L-Gruppe den Entwurf so realisieren, wie er im Architektenwettbewerb gekürt wurde. Die Stadt hatte zwar angekündigt, dass man im Rahmen des neuen Hochhausrahmenplans noch einmal über die Höhe reden könne. Weil sich der Rahmenplan infolge der Kommunalwahl aber noch einmal verschiebt, kommt es für B&L-Geschäftsführer Thorsten Testorp nicht in Frage, noch länger zu warten: „Das Tempo ist zu langsam. Wir orientieren uns am bestehenden Bebauungsplan.“ 2026 soll nämlich auch das Hochhaus auf dem Molenkopf fertig sein.

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Quelle: F.A.Z.
Rainer Schulze - Portraitaufnahme für das Blaue Buch
Rainer Schulze
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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