Weihnachtszirkus in Frankfurt

Auf Abstand unter der Zirkuskuppel

Von Hans Riebsamen
09.12.2021
, 07:00
Jeder Handgriff muss sitzen: Das Zelt soll schließlich auch schlechtem Wetter standhalten.
Der Great Christmas Circus baut seine Zelte am Frankfurter Ratsweg auf. Die Artisten haben ein Jahr auf ihren Auftritt gewartet.
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Die vier Hauptmasten stehen schon. Bald wird die Aufbautruppe die Riesenplane des neuen Zirkuszeltes hochziehen und an den „King-Poles“ aufhängen. Manuel Wille, der Direktor des Great Christmas Circus, hat sich und seinem Unternehmen mit diesem in Weiß und Blau gehaltenen Chapiteau ein Weihnachtsgeschenk gemacht. Ein neues Zelt – was kann sich eine Zirkus Schöneres wünschen? Jetzt muss der Weihnachtszirkus auf dem Festplatz am Ratsweg nur noch der Corona-Pandemie trotzen.

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Im Augenblick ist der Zirkusdirektor optimistisch, dass das Gastspiel vom 17. Dezember bis zum 9. Januar stattfinden kann. Schließlich gab das Gesundheitsamt sein Okay für ein Hygienekonzept, das die Zuschauer vor einer Ansteckung schützen soll. Für sie gilt 2G+: Ins Zelt kommt nur, wer geimpft oder genesen ist und darüber hinaus einen aktuellen Antigen-Schnelltest vorweisen kann.

Wer es vor der Anreise nicht zu einem Testcenter geschafft hat, kann sich in einer Station neben dem Zelt testen lassen. Sogar geimpft wird in diesem Zen­trum, das nicht nur Besuchern, sondern jedem zur Verfügung stehen soll. Man kann sogar mit dem Auto anfahren, denn es wird auch ein Drive-in-Service angeboten. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren genügt für den Besuch einer Show ein Negativ-Nachweis oder das Testheft aus der Schule, das allerdings während der Weihnachtsferien nicht gilt. Unter Sechsjährige benötigen keinen Test. Auf dem Zirkusgelände gilt Maskenpflicht. Auf den Sitzplätzen kann die Mund-Nasen-Bedeckung, so der derzeitige Stand, abgenommen werden.

Mit Abstand und Frischluft

Der Circus Carl Busch, der den Great Christmas Circus in Frankfurt betreibt, hat nach dem coronabedingten Ausfall des Weihnachtsgastspiels im vergangenen Jahr viel riskiert. Weil Manuel Wille und seine Familie ahnten, dass die Pandemie noch länger dauern würde, gaben sie beim italienischen Spezialunternehmen Cannobio ein neues, größeres Zelt in Auftrag. Theoretisch fasst es 2000 Zuschauer, tatsächlich dürfen jetzt beim Frankfurter Gastspiel aber nur knapp 1000 darin Platz nehmen. Um Abstand zwischen den Besuchern zu schaffen, wird jede zweite Reihe freigelassen, zusätzlich bleiben zwischen den Besuchergruppen, also zum Beispiel einer Familie mit Kindern, immer zwei Sitze frei. In der Zirkuskuppel wird eine leistungsstarke Lüftung hängen, die für eine gute Frischluft-Zirkulation sorgt.

Teamarbeit: Am Zeltbau auf dem Ratsplatz sind viele Hände beteiligt.
Teamarbeit: Am Zeltbau auf dem Ratsplatz sind viele Hände beteiligt. Bild: Samira Schulz

Zudem hat der Zirkus in ein neues, größeres Vorzelt investiert. Dort ballen sich erfahrungsgemäß die Menschen vor der Vorstellung und in der Pause. Nun steht genügend Platz zur Verfügung, um den nötigen Abstand zwischen den Gästen zu schaffen. Für dieses Projekt hat der Zirkus Carl Busch 100. 000 Euro aus dem Corona-Sonderfonds Kultur der Bundesregierung bekommen. „Das hat uns sehr geholfen“, sagt der Zirkusdirektor. Es ist übrigens das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass Zirkusse von den Behörden als Kultureinrichtungen anerkannt wurden. Darum hat die Branche jahrzehntelang gekämpft.

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Pferde, Clowns und Artisten

„Wir warten seit einem Jahr auf das Weihnachtsgastspiel in Frankfurt“, erzählt Direktor Wille. Nachdem im November 2020 das Programm wegen Corona abgesagt werden musste, hat sich das Unternehmen mit seinem Kinderzoo im fränkischen Hasloch finanziell über Wasser gehalten. Schlechter ging es den Artisten, die keine Auftrittsmöglichkeiten mehr hatten und oft einen berufsfremden Job annehmen oder Sozialhilfe beantragen mussten. Nun endlich tut sich für sie wieder der Vorhang in die Manege auf: Carl Busch hat die für das Programm 2020 vorgesehenen Künstler jetzt wieder engagiert.

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Der Star ist Henry Ayala, ein Clown der Extraklasse, der 2020 beim Zirkusfestival in Monte Carlo einen Silbernen Clown gewonnen hat. Ayala ist mehr als ein exzellenter Spaßmacher, nämlich ein versierter Hochseilläufer, der mit seiner südamerikanischen Truppe hoch über der Manege die klassischen Tricks dieser Disziplin im Stil eines Komödianten zeigen wird. Zu den Artisten, die der Zirkus Carl Busch in Monte Carlo engagiert hat, zählen auch die jungen Mitglieder der ukrainischen Truppe Bingo, die Luft- und Bodenakrobatik mit Jonglage und Tanz kombiniert.

Zu den Trümpfen des Great Christmas Circus zählen wie immer die Pferdenummern, die Natascha Wille und Manuel Frank vorführen: etwa einen Achtzehner-Zug mit sechs weißen und sechs braunen Arabern sowie sechs schwarzen Friesen. Darüber hinaus können sich Besucher auf das vietnamesische Strapatenduo Moment of Love, die Hundenummer und artistische Darbietungen der Familie Saabel und auf das ukrainische Trapezduo Alla und Katya freuen.

Quelle: F.A.Z.
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