<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Einzelhandel und Corona-Virus

Kauft jetzt bei den Kleinen

Von Petra Kirchhoff
Aktualisiert am 22.03.2020
 - 18:32
In der Corona-Krise berät der Einzelhandel Kunden am Telefon und hält mit Online-Shops dagegen. (Symbolbild)
Auch wenn die Ladentür geschlossen ist – Händler in Frankfurt beraten weiter am Telefon und nehmen Bestellungen entgegen. Viele haben sogar einen Online-Shop - andere bringen die Ware persönlich zur Haustür des Kunden.

Es muss nicht immer Amazon sein. „Wir sind weiterhin für euch da“ – das ist die Botschaft, die Einzelhändler seit dem vergangenen Mittwoch, an dem Mode- und Schuhläden, Buchhandlungen, Parfümerien und Blumenläden ihre Ladentür schließen mussten, an ihre Kunden senden.

Waren viele anfangs noch damit beschäftigt, zu versichern, Abstands- und Hygienevorschriften einzuhalten, so geht es jetzt, da das öffentliche Leben wegen der Corona-Krise auch in Hessen nach und nach weiter eingeschränkt wird, für die örtlichen Händler darum, zu signalisieren: Liebe Kunden, ihr könnt weiter bei uns einkaufen.

Denn außer den Lebensmittelgeschäften und anderen Nahversorgern, deren Umsätze gerade explodieren, verkaufen Einzelhändler schon seit zwei, drei Wochen nichts mehr. Miete und Gehälter laufen aber weiter. Für viele Unternehmen geht es ums Überleben. Umgekehrt wird vermutlich jetzt mancher Verbraucher merken, wie öde das Konsumleben ist, wenn er nicht mehr in die Stadt gehen kann, und sei es nur zum Bummeln.

Gut dran sind jetzt alle Händler, die digital gut aufgestellt sind und soziale Kanäle wie Facebook und Instagram für Kundeninformationen und den Verkauf nutzen können. Das Modehaus Pfüller in Frankfurt etwa verkauft über Instagram. Doch Händler, die nicht einmal einen Online-Shop haben, sondern das Internet bisher allenfalls als Schaufenster für ihr Angebot nutzen, strengen sich an und improvisieren.

Auch alteingesessene Geschäfte üben sich jetzt in Improvisation

Ob beim Wacker’s Kaffee Geschäft, den Filialen der Parfümerie Lehr in Frankfurt oder der Mode-Boutique Noée Fashion an der Schillerstraße in der Mainmetropole – überall in den Schaufenstern hängen Zettel, die über Beratungs- und Bestellmöglichkeiten informieren. Erstaunt nimmt man zur Kenntnis, dass sogar das alteingesessene Kurzwarengeschäft W.Wächtershäuser an der Töngesgasse einen Online-Shop hat.

Einige Händler, die sonst über professionelle Dienstleister wie DHL verschicken, treten mit ihren Angestellten jetzt selbst in die Pedale, Jost Wiebelhaus zum Beispiel, Inhaber des Frankfurter Laufshops, der bisher auf einen Online-Shop verzichtet. Am Freitag flitzte Wiebelhaus mit dem Fahrrad durch die Gegend, um Kunden bestellte Sportschuhe vor die Tür zu stellen. Beraten wird weiterhin telefonisch. „Unsere Kundendatei gibt uns Infos über Eure bisherigen Schuhe und Schuhgröße und ermöglicht eine möglichst zielgerechte Beratung“, heißt es auf der Homepage.

Buchbestellungen mit dem Fahrrad-Kurier

Auch kleine Buchhandlungen wie Ypsilon bringen mit dem Fahrrad Buchbestellungen, die telefonisch oder per E-Mail eingegangen sind, vorbei und verschicken bei Stammkunden, die weiter weg wohnen, auch einmal gegen Rechnung. „Wir sind hier, solange uns die Zwischenhändler beliefern“, sagt Buchhändler Norbert Weidl.

Die Frage, wie wegen der Virus-Gefahr die Ware überreicht und bezahlt wird, ist ein wichtiges Thema für die Händler. Ypsilon handhabt es so, dass Kunden das Geld abgezählt in einem Umschlag bereithalten. Das Buch werde an der Haustür in einer Tüte übergeben, „so körperlos wie möglich“, man habe sich vorher rechtlich abgesichert, sagt Weidl. Der Laufshop liefert gegen Vorkasse (Überweisung und Paypal). Wacker’s Kaffee kassiert für die neue Hauslieferung an der Tür das Geld in einer Schale. Die Überbringer tragen Handschuhe und Mundschutz, wie es auf Anfrage heißt.

Die Hifi-Profis an der Großen Friedberger Straße in Frankfurt, die, solange dies erlaubt ist, zur Einzelberatung nach Hause kommen oder einem Kunden mit Termin die Ladentür öffnen, haben ein EC-Gerät dabei, wenn sie ein bestelltes Fernsehgerät vorbeibringen, oder sie liefern, wenn das Geld per Überweisung eingegangen ist. Das alles geschehe kontaktfrei und mit dem gebotenen Abstand, ebenso wie die Installation von Geräten, versichert Inhaber Ernst Schmid. Auch die Hifi-Profis haben keinen Online-Shop, zeigen ihr Sortiment aber teilweise im Internet. „Wir leben von der Beratung“, sagt Schmid, und die gebe es am Telefon weiterhin.

In der Schokoladen-Boutique Bitter&Zart in der Frankfurter Altstadt dürfen Kunden bisher noch einzeln eintreten, um sich Pralinen auszusuchen. Das ist laut Mit-Inhaberin Sabine Seidel deshalb möglich, weil die Chocolaterie eben ein Lebensmittel-Geschäft sei. Die sechs Wochen vor Ostern gehörten neben dem Weihnachtsgeschäft zu den wichtigsten Wochen des Jahres. Doch selbst wenn die Vorschriften verschärft werden und der Laden geschlossen wird, muss niemand auf Ostereier aus der Manufaktur verzichten. Denn Bitter & Zart verkauft bereits seit 15 Jahren über einen Online-Shop. Dieser soll nun nach und nach erweitert werden. „So können wir unseren Kunden wenigstens virtuell das Gefühl geben, bei uns im Laden zu sein“, sagt Seidel. Ausgeliefert wird in Frankfurt auch mit dem Fahrrad.

Die Schwestern Marijana Biscanic und Michaela Hrgovic, die an der Schillerstraße die Modeboutique Noée Fashion betreiben, gingen am Freitag davon aus, dass sie in dieser Woche keine Beratung mehr im Laden anbieten dürfen. Sie wollen in den nächsten Wochen aber einen Teil der Kollektionen auf die Website stellen und Kunden über Video-Telefonie mit ins Geschäft holen, um ihnen Modelle und Kombinationen zu zeigen. Was gefällt, wird zur Anprobe nach Hause geschickt.

Nicht nur für Modehändler allerdings bleibt die bange Frage, wer überhaupt in den nächsten Wochen, wenn er ständig zu Hause sitzt, noch Lust hat, sich etwas zu kaufen. Schon eher dürften die Lebensmittler punkten. „Unser Online-Shop boomt gerade wie verrückt“, sagt ein Mitarbeiter von Wacker’s Kaffee.

„Frankfurt, du bist so wunderbar“

Amin Baghi und seine Frankfurt-begeisterten Mitstreiter von der Frankfurter Agentur „esistfreitag“ hatten die Idee zur richtigen Zeit. Schon seit acht Jahren beschäftigen sie sich auf verschiedenen Kanälen (Instagram, Facebook, Print- und Online-Magazin) mit dem Leben in der Stadt, zeigen, wie Baghi sagt, „die versteckten Ecken“, auch die zum Ausgehen und Einkaufen. „Frankfurt, du bist so wunderbar“ heißen das Projekt und auch die Homepage, auf der seit dieser Woche alle Händler in der Stadt gelistet sind, die parallel zum Laden auch einen Online-Shop betreiben oder wegen der Corona-Krise telefonisch bestellte Ware verschicken. „Wir wollen den kleinen Betreibern ein Gesicht geben“, sagt Baghi. Dass schnell mehr als 30Händler zusammenkamen, hat selbst die Frankfurt-Liebhaber überrascht. Fortan soll die Liste fortgeschrieben werden. Händler müssen dafür nichts zahlen. Kunden, die Vorschläge haben, aber auch Händler können sich bei der Agentur melden: www.frankfurtdubistsowunderbar.de

Quelle: F.A.Z.
Petra Kirchhoff - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Petra Kirchhoff
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.