Kita nur bis 15 Uhr

Eltern ärgern sich über feste Frankfurter Vorgaben

Von Florentine Fritzen
14.01.2021
, 08:15
Wie Betreuung und Beruf vereinbaren? Die Tagesstätten in Frankfurt öffnen wegen der Pandemie nur noch für sieben Stunden. Das stößt auf Verständnis – aber auch auf viel Kritik.

Christiane Himmelreich hat sich für acht bis 15 Uhr entschieden. Nicht für neun bis 16 Uhr. „Die meisten Eltern müssen schon früh arbeiten“, sagt die Leiterin des Kindergartens der evangelisch-lutherischen St.-Pauls-Gemeinde zwischen Dom und Main. Während Himmelreich unten in der Tür steht, spielen hinter den Fenstern im oberen Stockwerk ein paar Kinder.

Seit Mittwoch öffnen die Tagesstätten in Frankfurt wegen der Pandemie nur noch für sieben Stunden. Dafür stellt die Stadt den Trägern zwei Zeitfenster zur Auswahl. Himmelreich berichtet, einige Mütter und Väter könnten Beruf und Betreuung jetzt nicht mehr gut vereinbaren und manche Arbeitgeber nähmen keine Rücksicht. Was die neuen Zeiten angeht, gebe es „sehr verständnisvolle Eltern – und solche, die sich aufregen“.

In ganz Hessen bleiben die Kitas auch im Lockdown geöffnet, es gilt aber die dringende Bitte, Kinder nur zu bringen, wenn es nicht anders geht. Die Stadt begründet die Sieben-Stunden-Regel damit, dass die Kinder nun in festen Gruppen betreut werden müssten, um Infektionen zu vermeiden. Dafür sei „weitaus mehr Personal“ nötig, teilt das Bildungsdezernat mit. Deshalb müsse in den Kitas „der Schichtbetrieb befristet ausgesetzt werden“. Falls der Träger „die normale Versorgung gewährleisten kann“, dürfen Einrichtungen nach Angaben von Dezernentin Sylvia Weber (SPD) aber auch normal öffnen.

Ansteckung in der Warteschlange

Himmelreichs Kindergarten hat 40 Plätze; zurzeit kommen 17 Kinder. Um kurz vor neun bringt ein Vater seinen Sohn. Er werde den Vierjährigen mittags abholen und mit ins Büro nehmen, sagt der Mann. Für ihn ist die Sieben-Stunden-Regel „der größte Mist aller Zeiten, weil kein vernünftiger Grund dafür erkennbar ist“.

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Auch andere Eltern sehen das so. Eine Mutter meint, das Ziel, Infektionen einzudämmen, werde nun gerade nicht erreicht: In Warteschlangen zu den festen Bring- und Abholzeiten könnten sich Kinder und Erwachsene erst recht anstecken. Ein Vater aus dem Nordend berichtet, die Mehrheit der Eltern in der Kita seines Kindes könnte am besten mit den sieben Stunden zwischen halb neun und halb vier leben. Aber die Kita darf eben nur eine Öffnungszeit von acht bis drei oder von neun bis vier anbieten.

Unverhältnismäßige Entscheidung der Stadt

Eine alleinerziehende Ärztin ärgert sich, weil sie den Kindergarten nicht zuletzt wegen der Betreuungszeiten von 7.30 Uhr bis 17 Uhr ausgesucht habe. Die seien schon vor der neuen Regel wegen der Pandemie auf acht bis 16Uhr verkürzt worden. Jetzt aber könne sie ohne zusätzliche Fremdbetreuung ihren Arbeitsvertrag im Krankenhaus nicht mehr erfüllen – „und das in einem in dieser Situation sehr wichtigen Beruf“.

Auch eine Mitarbeiterin der Justiz mit Zehn-Stunden-Platz für ihr Kleinkind kann nach eigenen Angaben so schnell keine andere Betreuung organisieren. Sie hält die Entscheidung der Stadt für unverhältnismäßig und fragt sich, „auf welcher Rechtsgrundlage Frau Weber tätig geworden ist“.

Die Dezernentin sieht die Verantwortung beim Land, das diesmal auf die „Freiwilligkeit der Nichtbetreuung“ setze. Im ersten Lockdown waren die Kitas geschlossen, und es gab eine Notbetreuung für Kinder von Eltern bestimmter Berufe.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fritzen, Florentine
Florentine Fritzen
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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