FAZ plus ArtikelKoalitionsbildung in Frankfurt

Amboss, Hammer, Protokolle

EIN KOMMENTAR Von Carsten Knop
07.06.2021
, 08:43
Die V-Ampel, ein Bündnis aus Grünen, SPD, FDP und Volt, soll nun doch in Frankfurt regieren.
Unter reichlichen Mühen wird in Frankfurt eine Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt geschmiedet. Dabei sollte noch einmal über das Verb „schmieden“ und die Rolle von Hammer und Amboss nachgedacht werden
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Der Weg zur Bildung der Koalition im Römer kann allen Beteiligten eine Lehre sein. Das Bündnis aus Grünen, SPD, FDP und Volt wird die Stadt nur dann voranbringen, wenn die Partner davon absehen, eine andere Säule des Bündnisses zu übervorteilen. In der ersten Runde der Verhandlungen ist das passiert. Selbst hartgesottenen Grünen, Sozialdemokraten oder Volt-Anhängern müsste es in einer nüchternen Stunde aufgefallen sein, dass etwas nicht stimmen kann, wenn ihre Mitglieder das Vertragswerk fast ohne Gegenstimmen durchwinken, der Vierte im Bunde aber mit einem Kolbenfresser in der Mitgliederversammlung an der Seitenlinie stehenbleibt.

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Hilfreich für die, wenn die FDP-Basis jetzt zustimmen sollte, kommenden fünf Jahre ist eine Betrachtung des Verbs „schmieden“, denn angeblich wird mit Koalitionen ja genau das gemacht. Schon der Frankfurter Goethe hatte hier in einem Gedicht etwas missverstanden, als er schrieb, man müsse sich im Leben entscheiden, ob man Amboss oder Hammer sein wolle. Denn einem guten Amboss ist der Hammer gleichgültig, seine Kraft zieht von unten in das zu schmiedende Werkstück hinein. Wenn man aber die FDP als Amboss betrachtet hat, haben die mit dem Hammer Schlagenden gemerkt, was aus dem Werkstück wird, wenn man sich für eine kraftlose Unterlage entscheidet.

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