FAZ plus ArtikelAuflösung des Frankfurter SEK

Abgestumpft und rechtsextrem

EIN KOMMENTAR Von Carsten Knop
10.06.2021
, 19:52
Wenn Hessens Innenminister von einem Versagen der Fehlerkultur in Teilen des SEK Frankfurt spricht, kommt das einem Offenbarungseid gleich. Das trifft auch ihn selbst – nicht nur die Führung der Polizei.

Das Amt des Innenministers stellt den jeweiligen Inhaber vor besondere Herausforderungen; man muss nicht immer gleich nach einem Rücktritt rufen. Der hessische Ministerpräsident weiß das, er hatte diese Position auch schon inne. Wenn Peter Beuth (CDU), der immerhin seit sieben Jahren an der Spitze dieses Ministerium steht, nun aber davon spricht, dass die Fehlerkultur innerhalb der Polizei in Teilen des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Frankfurt vollkommen versagt habe, dass Führungskräfte ihren Aufgaben nicht nachgekommen seien, dass die „Verrohung der Dienstgruppe“ sehenden Auges hingenommen worden sei, dann kommt das einem Offenbarungseid gleich, der auch ihn selbst trifft – und nicht nur die Führung der Frankfurter Polizei.

Der Schritt, das gesamte SEK in Frankfurt aufzulösen, ist aus Beuths Sicht nun unumgänglich, ließen die aufgedeckten Chats bei einigen Mitarbeitern des SEK doch auf eine „abgestumpfte, diskriminierende Haltung und teils rechtsextreme Gesinnung“ schließen. Aber man muss sich in Wiesbaden und Frankfurt angesichts eines so gravierenden Schritts eben doch die Frage stellen, warum man es überhaupt so weit hat kommen lassen. Dieser Formulierung wohnt normalerweise die Gefahr inne, dass sie einfach so dahingeschrieben ist, eine Binse, denn hinterher weiß man immer mehr. In diesem Fall aber ist es völlig anders.

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