Lokaltermin in „Bellas Lokal“

Einfach zum Wohlfühlen

Von Jacqueline Vogt
29.06.2022
, 12:28
Frisch aus der Region auf den Tisch in Bellas Lokal: Forellen
Weniger ist mehr: Bellas Lokal in Bad Soden überzeugt mit einer kleinen, pointierten Karte und mit Gerichten wie Kohlrabi mit Schwedenmilch. Küchenchefin Isabelle Pering sieht das Gute im Einfachen.
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Junge Leute in ei­nem alten Haus: eine gute Kombination. Zum Beispiel in Bad So­den, Ortsteil Al­ten­hain, an der Langstraße. Dort steht ein Gebäude, das lange das Gasthaus zur Krone war und heute Bellas Lokal heißt, nach der Betreiberin und Küchenchefin Isabelle Pering. Gäste sehen sie gleich beim Hereinkommen bei der Arbeit, in einer großen offenen Küche.

Vor ein paar Monaten hat Pering ihr Restaurant eröffnet. Wer ihre Stationen kennt (Ausbildung im Kempinski Falkenstein, dann Opus V in Mannheim, The Table in Hamburg, kurz das Gustav in Frankfurt, dann ein Caterer), kann sich ein Bild machen von ihrem Tun. Davon ziehe man ein gutes Quantum Aufwand ab, der in Mehr-Sterne-Häusern geleistet wird und in einem niedrigschwelligeren Lokal weder notwendig noch zielführend ist. Eine gute Prise Phantasie und viel Geschmackssinn füge man hinzu, dann hat man etwa vor Augen, was in Bellas Lokal serviert wird. In dem Restaurant sind die Wände strahlend weiß, die schlichten Möbel aus dunklem Holz. Das Besteck liegt auf den blanken Tischen, die Servietten sind nicht gefaltet, sondern liegen zusammengeknüllt vor den Tellern, absichtsvoll wie nebenbei arrangiert.

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Kohlrabi mit Schwedenmilch

Die Karte ist klein und pointiert, wechselt regelmäßig, die Gerichte sind auf die minimalistische Art beschrieben, die nur die Zutaten nennt, die Produkte sind weitgehend regional, ein amuse gueule wird nicht serviert. Das Sauerteigbrot ist selbst gebacken und wird als Posten auf der Vorspeisenkarte geführt, man sollte es auf jeden Fall bestellen.

Das muss man sich trauen: Kohlrabi mit Schwedenmilch zu servieren, der tatsächlich nicht mehr ist: durchscheinend feine Scheibchen vom rohen Gemüse, Schwedenmilch obenauf und ein paar Blättchen Sauerklee, fertig. Das taugt als Mahnung, das Gute im Einfachen zu sehen und zu schätzen; ob man dafür ein Restaurant besuchen muss: Ansichtssache. Interessanter und besser ist anderes. Zum Beispiel ein Tatar vom Rind mit Apfel und Holunderblüten, eine sous vide gegarte und dann gegrillte, saftige Entenbrust, die Beilagen sind originell: geschmorte Rhabarberstangen, die wie Spargel dem Geflügel zur Seite liegen, Mangold, eine Hollandaise; ein Gericht ohne klassische Kohlehydrate-Beigaben, modern und überzeugend. Auch sehr gut: Dinkelrisotto mit fein geschnittenen, frittierten, geschmorten und fermentierten Zwiebelgewächsen, unter denen Knoblauch eine non-penetrante Hauptrolle spielt.

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Empfehlenswert die Desserts in ihrer gelassen-aromenvollen Machart, Beispiel: eine Ganache aus weißer Schokolade mit einer Nocke Spargeleis, ein paar kleinen Würfeln Champagnergelee und gezupftem Brioche (Hauptgerichte bis etwa 30 Euro). Sehr freundlicher Service, Weinkarte mit vielen schönen Schaumweinen. Fazit: Wohlfühlküche mit topaktueller Prägung.

Bellas Lokal, Langstraße 15 in Bad Soden. Telefon: 0 61 74/9 52 91 41, Öffnungszeiten: donnerstags bis ­samstags und montags von 18 Uhr an, sonntags von 12 bis 17 Uhr. Dienstag und Mittwoch Ruhetage. https://bellaslokal.de/

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Vogt, Jacqueline (jv.)
Jacqueline Vogt
Ressortleiterin der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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