<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Nach Hausbrand in Frankfurt

Zivilcourage unter Einsatz seines Lebens

Von Mona Wenisch
Aktualisiert am 17.02.2020
 - 15:46
Lebensretter: Falko Loose steht vor dem Haus am Fünffingerplätzchen in Bornheim. In der Novembernacht 2018 hat er dort mehrere Menschen gerettet.
Falko Loose ist mehrmals in ein brennendes Haus gelaufen, um die Bewohner vor den Flammen zu retten. Dafür wird er nun von der Polizei Frankfurt geehrt. Als Held will Loose trotzdem nicht gesehen werden.

Es geschah kurz vor Mitternacht an einem Freitagabend im November 2018. Falko Loose war mit Freunden in Frankfurt unterwegs, etwas trinken. Irgendwann machte er sich auf den Heimweg. In der Berger Straße in Bornheim stoppte er, holte sich etwas zu essen und lief dann über das Fünffingerplätzchen in Richtung seiner Wohnung.

„Auf der Straße war recht wenig los“, erinnert sich der 35 Jahre alte Frankfurter. „Es war ein kalter Novembertag, und es war Winteranfang.“ Am Fünffingerplätzchen bemerkte Loose ein Licht im ersten Stock eines Hauses. Er blieb stehen und beobachtete die Fenster. „Das Licht war merkwürdig hell, ähnlich wie bei einer Kerze“, sagt er. Er versuchte, die Bewohner aus dem Bett zu klingeln, zunächst jedoch ohne Erfolg. Doch das Licht wurde immer heller, und Loose klingelte weiter. Irgendwann habe ein Mann das Fenster der Wohnung geöffnet. „Das war der dramatischste Moment. Die Luft ist nach innen gelangt und es hat einen Riesenknall gegeben“, erinnert sich der Fünfunddreißigjährige. „Ich dachte, irgendwas ist explodiert.“

Später erfuhr Loose von der Feuerwehr, dass der Mann sich Essen machen wollte, den Herd anschaltete und dann wohl auf der Couch einschlief. Auf Loose wirkte der Mann am Fenster betrunken und hilflos. „Mir war klar, der wird das nicht allein schaffen.“ Mittlerweile schlugen die Flammen etwa eineinhalb Meter aus dem Fenster, sagt Loose. „Das Feuer brannte bis zum nächsten Stockwerk.“

Er hat einfach nur funktioniert

Loose schaltete schnell. Er wählte den Notruf und entschied sich dazu, dem Mann zu helfen. „Ich hatte einen Döner in der einen und eine Cola in der anderen Hand“, erinnert sich der 35 Jahre alte Lehrer. „Den Döner habe ich weggeschmissen, die Cola habe ich mir über den Schal geschüttet und bin reingelaufen.“ Rückblickend ist Loose selbst überrascht, dass er so schnell handelte. Aber in der Situation habe er einfach nur funktioniert. Keine Entscheidung habe er aktiv treffen müssen, ihm sei immer klar gewesen, was als nächstes zu tun sei.

Loose ging in die brennende Wohnung und zog den Bewohner nach draußen. Dann lief er wieder in das sechsstöckige Haus, um die anderen Bewohner zu wecken. Im zweiten Stock klingelte er eine Frau mit kleinen Kindern wach, dann zog er weiter, Stock für Stock. „Der Rauch wurde immer stärker, meine Augen haben getränt und ich habe nichts gesehen“, sagt er. „Aber der Gedanke, da jemanden nicht rauszubekommen, das konnte ich mir nicht vorstellen.“

Im dritten oder vierten Stock, Loose erinnert sich nicht genau, traf er auf zwei verschreckte ältere Frauen. Im Nachthemd und mit Panik in den Augen hätten sie vor ihm gestanden. „Das ist das Bild, das ich nicht mehr loswerde“, sagt Loose. Er habe ihnen einen Mantel umgelegt und erklärt, dass es im Haus brenne. „Die konnten kaum laufen und wussten nicht, was sie tun sollten“, sagt er. Loose habe sie einzeln die Treppe hinunter und nach draußen begleitet. Er rannte mehrmals in das verrauchte Haus, klingelte Bewohner wach und begleitete sie nach draußen. „Ich kann gar nicht sagen, wie lange ich in dem Haus unterwegs war“, sagt er.

Irgendwann traf die Feuerwehr ein. Bis dahin war Loose viermal in das Haus gelaufen. „Als die Leute alle draußen waren, habe ich mich auf den Bürgersteig gesetzt und nichts gemacht. Ich war wie in einem Tunnel“, sagt er. Die Feuerwehr fragte ihn nach Details, doch Loose teilte ihnen nur das Nötigste mit. Die Bewohner seien zu ihm gekommen, um sich zu bedanken, doch Loose war das alles zu viel. „Mir haben alle auf die Schulter geklopft und ich habe kaum reagiert. Ich bin heim, hab geduscht und bin eingeschlafen.“

Für seine Rettungsaktion wird Falko Loose an diesem Montag von der Stadt Frankfurt geehrt. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat ihn und drei weitere Retter eingeladen, um sie auszuzeichnen. Unter den Belobigten sind auch Andrea Sandig und ihr Schwiegersohn Emre Zararsiz. Die beiden retteten ebenfalls einen Menschen aus einem brennenden Haus. Gülperi Balokcioglu rief die Polizei, als sich ein gesundheitlich angeschlagener Bekannter nicht meldete, teilte die Stadt Frankfurt mit. Demnach war der Mann schwer verletzt und konnte nur gerettet werden, weil die Streife noch rechtzeitig die Wohnungstür öffnete.

Warum will er kein Held sein?

Für die Belobigung vorgeschlagen wurden die Retter vom Polizeipräsidium Frankfurt. Ihre Geschichten zeigen: Wer aufmerksam durch die Welt geht, kann im Notfall Leben retten. Dazu muss nicht jeder in ein brennendes Haus rennen. Auch Loose weiß, dass er ein großes Risiko eingegangen ist. Was er anderen in so einer Situation raten würde? „Nicht reinrennen“, sagt Loose und lacht. „Aber wenigstens den Notruf wählen.“ Gesundheitliche Folgen hat er nicht davongetragen. Ganz ohne Spuren ist der Vorfall aber nicht an ihm vorbeigegangen. „Als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, habe ich erst mal für Stunden geheult. Und ich bin eigentlich nicht der Typ, der schnell heult“, erinnert er sich. Es habe eine Weile gedauert, bis er über die Nacht des 30. Novembers 2018 reden konnte. Mittlerweile komme er aber gut damit klar.

Trotz Auszeichnung: Als Held will Loose nicht gesehen werden. Dennoch sei es eine nette Würdigung von der Stadt. „Weniger, weil ich dafür eine Auszeichnung verdiene“, sagt er. Aber vielleicht sei es ein Zeichen für andere Menschen. „Ich finde es so wichtig, dass Menschen nicht aneinander vorbeilaufen“, sagt er. „Wir sind eine Gesellschaft. Kümmert euch doch umeinander!“

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.